Monatsarchiv für August 2008

 
 

RottenNeighbor.com nicht erreichbar

Medienwächter hatten überlegt, die Seite RottenNeighbor.com in Deutschland sperren zu lassen. Im Augenblick scheint das gar nicht notwendig zu sein, denn die Seite ist seit mehreren Tagen von Deutschland aus kaum bis gar nicht mehr erreichbar. Über die Gründe haben wir noch nichts in Erfahrung bringen können, aber wir vermuten, dass die Seite vom Besucheransturm in die Knie gezwungen wird: Viele deutsche Medien haben in den letzten Tagen Beiträge dazu veröffentlicht, und viele Leser wollen das Nachbarschafts-Lästerportal offenbar direkt ausprobieren. Die Opfer wird die schlechte Erreichbarkeit wohl freuen – zumindest bis die Seite wieder läuft.

rottenneighbor.com, wachert.com

Mini-Beamer: Kino für die Hosentasche

Beamer im Handy-Format haben jetzt Aiptek und 3M vorgestellt. Beide Geräte sind mit LED-Technik ausgestattet und wiegen gut 150 Gramm. Umfangreiche Anschlussmöglichkeiten, zwei integrierte Stereo-Lautsprecher und einen Festspeicher von 1 GByte bietet der PocketCinema V10 von Aiptek. 3Ms MPro110 ist dafür mit einem VGA-Anschluss ausgestattet. Beide Projektoren bieten eine Auflösung von 640×480 Pixel und sollen rund 350 Euro kosten.

Flimmerkisten.de, pcmasters.de, DigitalLiving.ch, Sterepoly

Android: AppStore nach Apple-Vorbild

Android Market soll Googles Appstore heißen, über den Programme und Inhalte für das künftige Smartphone verfügbar sein sollen. Entgegen dem Vorbild von Apples AppStore, einer Unterrubrik des iTunes Stores, soll hier der Ansatz aber offener sein: So will Google den Content nicht scharf kontrollieren und wählt daher auch den Begriff “Market” statt “Store”. Eine Registrierung soll reichen, um eigene Inhalte anzubieten. Zum Launch der ersten Android-Geräte wird eine Beta-Version erwartet.

pressetext.at, mrgadget.com.au, DonRivas.ch, TechBanger.de

2.0 der Woche: BackType – Blog-Kommentare als Stream

BackType nennt sich eine neue Anwendung, die Kommentare aus Weblogs sammelt und anschließend in einem gemeinsamen Stream – vergleichbar Twitter – veröffentlicht. Die Suchmaschine findet Kommentare basierend auf Stichwörtern oder Autoren und lässt sich zeitlich eingrenzen.

BackType.com, TechCrunch.com, Superhais.de, Nicole Simon

Mobile Widget Runtime: Web 2.0 für Handys

Das Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) hat eine Umgebung entwickelt, die Web-2.0-Anwendungen auf das Mobiltelefon bringen soll. Die „Mobile Widget Runtime“ ist nach Angaben des Instituts ein kleiner, spezialisierter Browser auf Java2ME-Basis, der für eine Vielzahl an Modellen geeignet sein soll. Diese Widgets sollen die Web-2.0-Anwendungen zudem mit speziellen Funktionen des Geräts verbinden. Vorgestellt wird die Lösung auf der IFA 2008.

inside-handy.de, pc-welt, pressetext.at

Angespielt: Dark Orbit – für Ruhm, Ehre und Uridium

Videospiel-Experte Rob Bubble stellt Ihnen ab heute jede Woche ein neues Browsergame vor – kleine Spiele, die Sie ohne Installation und lange Einarbeitungszeit direkt im Browser spielen können. Ideal für eine kurze Unterhaltung, etwa in der Mittagspause.

In “Dark Orbit” schlüpft der Spieler in die Rolle eines Raumpiloten, der gegen andere Raumschiffe kämpft. Durch gewonnene Kämpfe und Missionen steigen nicht nur seine Erfahrung und sein Ruhm, sondern auch sein Kontostand, von dem er sich bessere Waffen und Schiffe kaufen kann. Leicht wird es ihm aber nicht gemacht, denn zum Teil verbergen sich hinter den gegnerischen Schiffen versierte andere Spieler mit viel Erfahrung. Neben der Spielwährung “Uridium” kann man in “Dark Orbit” einmal im Monat auch an Jackpot-Kämpfen teilnehmen und damit echtes Geld gewinnen. “Dark Orbit” ist eine lohnenswerte Unterhaltung mit – für ein Browsergame – ordentlicher Grafik, schöner Musik und hohem Spielspaß.

freshzweinull-Wertung:
Grafik: 5/5
Sound: 4/5
Spielspaß: 4/5
Gesamturteil: 4/5

darkorbit.com, de.youtube.com (Video)

Wie zeig ich’s meinem verwahrlosten Nachbarn?

Im finsteren Mittelalter war die Welt noch in Ordnung. Wenn man da einen verlausten Nachbarn hatte, schwärzte man ihn einfach mit dem Stigma “vom Teufel besessen” bei der Dorfgemeinschaft an und das Problem war wenig später gelöst. In der nicht minder verlausten freien Gesellschaft konnte man sich bisher allenfalls mit bösen Gerüchten weiterhelfen, was aber schnell vor Gericht mit einer Klage hinsichtlich “übler Nachrede” endete. Gut, dass es heute das Web 2.0 gibt und seit einiger Zeit eine nützliche Seite namens RottenNeighbor.com. Dort kann man seine verwahrlosten Nachbarn an den Pranger stellen – ohne dafür belangt zu werden. Es weiß nämlich keiner, wer’s geschrieben hat.
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Sommerfehde #2: Blogger verteidigen Hubertus Heil

Wie man es macht, macht man es verkehrt: Deutsche Politiker bekamen neulich noch einen Rüffel, weil sie im Vergleich zu Barack Obama noch nicht im Web 2.0 angekommen sind. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil hat jetzt mal etwas Neues gewagt, vom Parteitag der US-Demokraten getwittert – und damit unbeabsichtigt eine neue Online-Schlammlawine losgetreten: Spiegel Online und sueddeutsche.de lästern über Heils vermeintlich irrelevanten Nachrichten; Blogger monieren, dass Spiegel Online das Internet mal wieder für sich alleine gepachtet habe. Und Hubertus Heil? Der macht mit seiner Twitter-Aktion eigentlich einen ganz guten Job und reagiert zum Glück gar nicht auf die Diskussion um seine Berichterstattung. Der amüsante Abschluss einer Sommerfehde zwischen Bloggern und “seriösen” Online-Journalisten.

twitter.com (Hubertus Heil)
Pro: blog.handelsblatt.de, blog.helmschrott.de, simoncolumbus.de, lumma.de, haseler.de
Contra: spiegel.de, sueddeutsche.de, medien-gerecht.de

Schade: Erstes Beamerhandy nur billige iPhone-Kopie

Der chinesische Hersteller Epoq hat das weltweit erste Handy vorgestellt, das über einen eingebauten Minibeamer verfügt. Damit sollen sich kleine Projektionen mit 640×480 px Auflösung an die nächst gelegene Wand werfen lassen. Das Gerät, das für rund 500 US-Dollar zu haben ist, dürfte gleichzeitig das erste Handy mit eingebautem Kühler sein. Kleiner aber feiner Schönheitsfehler: Beim Betriebssystem hat sich Epoq schamlos bei Apples iPhone bedient und das Gerät mit einer plumpen Kopie davon ausgestattet. Damit ist das erste Beamerhandy gleich eins der illegalsten auf dem Markt.

engadgetmobile.com, i4u.com, gadgetcraver.com (Preis)

Registrierung zur Wahl per Xbox

Microsoft und die Initiative “Rock the Vote” wollen Couch Potatoes zum Wählen bewegen. Mit einer neuen Funktion im Onlineportal der Spielekonsole, “Xbox Live”, sollen sich Wähler unter anderem für die Präsidentschaftswahlen im Herbst registrieren können. Microsoft und die Initiative hoffen, dass zwei Millionen Gamer von der Funktion Gebrauch machen. Eine Registrierung zur Wahl ist in den USA notwendig; anders als in Deutschland, wo die Wahlkreisleitung gemeldete Bürger über anstehende Wahlen benachrichtigt. Ganz ohne das Sofa zu verlassen, funktioniert die Registrierung über die Xbox dann aber doch nicht, relativiert Vasanth Sridharan: Rock the Vote verschickt nach der Registrierung E-Mails, die man ausdrucken und per Post zurückschicken muss. Eine Online-Registrierung ist außerdem nur in den beiden Staaten Washington und Arizona möglich.

valleywag.com, microsoft.com, alleyinsider.com

Google hievt Suggest auf die Startseite

Google erlöst die Suchtechnik “Google Suggest” nach stolzen vier Jahren aus dem Beta-Stadium und bindet sie ab nächster Woche auf der Startseite ein. Schon beim Eintippen in die Suchmaske schlägt Google Stichwörter vor und grenzt die Suche mit jedem weiteren Buchstaben ein. Auf YouTube testet der Suchmaschinen-Riese die Technik schon seit einigen Monaten.

golem.de, google.com (Google Suggest), webstandard.kulando.de

2.0 der Woche: 8tracks – das Mixtape-Revival

Ein einschneidender Teil der Jugend der so genannten Generation X bestand darin, eigene Musiksammlungen auf Kassette aufzunehmen und sie mit Freunden zu tauschen. 8tracks bringt diesen tief verwurzelten Wunsch ins Internet und tritt damit die Nachfolge von Muxtape an, das in der Vorwoche wegen rechticher Probleme schließen musste. Auf 8tracks.com kann man sein eigenes Mixtape erstellen, das aus rund einer halben Stunde Musik bestehen darf (etwa acht Stücke). Hat man es einmal zusammengestellt, kann man es mit einem Cover versehen und anderen zum Anhören anbieten. Das Überspringen einzelner Stücke wie beim neumodischen CD-Player funktioniert nicht – entweder ganz oder gar nicht! Für den Mix darf man sich aus MP3s in der Bibliothek bedienen oder eigene Stücke hochladen. Rechtlich offenbar kein Problem, dramaturgisch auch nicht: Ein liebevolles Projekt und ausgesprochen nützlich dazu – gerade wenn man nicht weiß, mit welcher Musik man die nächsten 30 Minuten füllen soll.

8tracks.com, inquisitr.com (8tracks), heise.de (Muxtape)

Yahoo & Intel graben Ideen zum Internet im TV wieder aus

Internet auf dem Fernseher, das wär’s! Intel und Yahoo haben auf Intels Entwicklermesse eine gemeinsame Lösung vorgestellt, die Widgets mit personalisierten Informationen wie Wetter oder Börsenkurse auf dem Fernseher einblendet. Erste Geräte mit der Funktion sollen noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Intel stellt dafür den Chip “CE 3100″ bereit, Yahoo die Softwarelösung “Widget Engine”. Als Testgerät dient ein Samsung-Fernseher. Die Internetverbindung realisiert das Gerät entweder über LAN, TV-Kabel oder WLAN. Setzt sich die Technik durch, wird es auf lange Sicht wohl keinen Unterschied mehr zwischen Fernseher und Computer geben. Nicht jeder teilt die Meinung der Hersteller, dass da etwas zusammen wächst, was zusammen gehört. Aber solange der Zuschauer sein eigener Programmdirektor bleibt, werden die Vorteile wohl überwiegen.

computerwoche.de, de.engadget.com, basicthinking.de

Games Convention bleibt in Leipzig

Die Games Convention geht mit einem Rekord von 203.000 Besuchern zu Ende. Das hat die Veranstalter wohl dazu veranlasst, die Messe auch im nächsten Jahr in Leipzig durchzuführen. Der Branchenverband BIU will trotzdem nach Köln abwandern. 2009 wird es also voraussichtlich kurz hintereinander zwei Games-Messen geben.

welt.de, faz.net

Wiwo: Sprachsteuerung soll marktreif sein

“Wähle: Horst!” – “Schorsch?” – “Nein, Horst!” – “Schorsch?” – “Horst! Horst!”
Sprachsteuerung von Handys, Navis oder Textverarbeitungsprogrammen ist seit jeher ein Ärgernis. Angeblich ist es damit jetzt vorbei, die Technik marktreif und bereit die Weltmärkte zu erobern, meinen zwei Autoren der Wirtschaftswoche. Hoffentlich stimmt das auch, denn selbst Kampfjet-Piloten sollen inzwischen auf Sprachsteuerung setzen.

wiwo.de