US-Zeitung lässt sich Kommentarfunktion bezahlen. Künftig mehr Web-Ettikette?

Die Online-Ausgabe der amerikanischen Zeitung Sun Chronicle hat ein umstrittenes Modell von Paid Content vorgestellt. Die Besucher der Website sollen zukünftig nämlich Geld für das Hinterlassen ihrer Kommentare zahlen.

Nach Aussagen des US-Verlags schielt man dabei weniger auf die einmalige zu entrichtende Zugangsgebühr von 99 Cent, die es erst ermöglicht Kommentare zu den verschiedenen Beiträgen zu posten. Das Unternehmen erhofft sich mit dieser Regelung vielmehr eine Lösung für die anonymen Denunziationen im Netz gefunden zu haben. Wer künftig einen Kommentar bei Sun Chronicle hinterlassen möchte, muss zuvor per Kreditkarte die angesprochene Gebühr begleichen. Damit kommt der Verlag gleichzeitig auch an den Namen, die Telefonnummer und an die Adresse des Kommentators. Durch die Offenlegung der persönlichen Daten und dem damit einhergehendem Ende der Online-Anonymität erwartet sich die US-Zeitung die Einhaltung der Web-Ettikette. Die Online-Kommentare auf Sun Chronicle werden demnach zukünftig mit dem Namen, der auf der Kreditkarte angegeben ist, gekennzeichnet. Zudem müssen die Online-Kommentatoren ihre Zustimmung erteilen, dass ausschließlich sie selbst für den Inhalt ihrer Beiträge rechtliche Verantwortung tragen würden.

Nach Angaben des Verlegers wolle man mit diesem Schritt der massiven Missachtung der Verhaltensrichtlinien im Web entgegentreten. Wer sich in Zukunft nicht an die Web-Etikette halte, habe zudem mit einem Rauswurf zu rechnen. Oreste D’Arconte habe demnach als Verleger genug von den unbewiesenen Behauptungen und blinden Anschuldigungen auf seiner Seite, daher sei dieses Vorgehen notwendig geworden.

Kritische Stimmen sehen hingegen die Meinungsfreiheit durch den Wegfall der Anonymität und der Gebührenerhebung in Gefahr. Die Befürworter der Anonymität führen dabei als Argument an, dass die Offenlegung der wirklichen Namen, gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung verstoße. Die Anwender würden zudem dadurch gehindert werden, eventuelle Minderheitenmeinungen in der Öffentlichkeit zu artikulieren.

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Dass Klarnamen in der Onlinewelt schwer durchzudrücken sind, bekam unlängst auch Blizzard mit. Das Unternehmen wollte dies nämlich für sein überaus erfolgreiches Online-Rollenspiel World of Warcraft durchsetzen. Die Online-Gamer waren bei Forum-Postings nämlich nicht bereit  ihren echten Namen anzugeben. Das hierbei vorhandene Missbrauchs-Potential wurde dabei von einem Nutzer verdeutlicht, indem er mit Hilfe der persönliche Daten, die auch Blizzard-Entertainment von seiner Spielergemeinde erheben wollte, Informationen über die Manager des Unternehmens ausfindig machte und diese dann im Anschluss daran im Netz veröffentlichte. Nach heftigen Protesten seitens der User, wurde dieses Vorhaben allerdings rasch wieder einkassiert.

Wie sehr ihr die Situation? Würdet ihr noch einen Kommentar hinterlassen, wenn Ihr euren Klarnamen angeben müsstest und vorher noch eine Gebühr zu entrichten hättet?

[via Meedia;  Bild: Flickr/yoshiffles (CC)]

3 Gedanken zu „US-Zeitung lässt sich Kommentarfunktion bezahlen. Künftig mehr Web-Ettikette?“

  1. Zum einen wäre ich nicht bereit Geld für einen Kommentar zu zahlen und zum anderen finde, dass man den Namen nicht einfach so veröffentlichen sollte.
    Die Probleme im Bezug auf Datenschutz, die im Artikel schon angesprochen werden, sind einfach zu groß.

    Außerdem freut man sich normalerweise als Webseiten-Betreiber über Kommentare zu den Artikeln. Auch wenn es viele sind.
    Durch den Paid-Comment, wird diese Zahl zurück gehen, da Nutzer keine Lust haben werden $1 für nen Kommentar zu Zahlen.
    Dann doch lieber selbst bloggen – umsonst!

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