Journalisten als Consultants: Not macht erfinderisch

An allen Ecken und Enden leiden Verlage darunter, ihre Redaktionen zu finanzieren: Auflagen und Werbegeschäft gehen bei den meisten zurück, während die Einnahmen aus Online-Werbung vorne und hinten nicht ausreichen und von Apples App Store abgesehen kaum funktionierende Bezahlmodelle für’s Web in Sicht sind. In dieser Situation macht Not erfinderisch. Redakteure der Süddeutschen Zeitung sollen nun nebenher als Consultants jobben.

Die Süddeutsche steckt besonders in der Klemme: 6 Mio Euro Verlust hat sie eingefahren und die Inhaber fordern für 2010 eine schwarze Null. Der Chef der Zeitung, Werner Kilz, hat sich nun eine bemerkenswerte Idee vom Wall Street Journal abgeguckt: Die Zeitung will nicht mehr nur noch Papierauflage und Werbung verkaufen sondern auch die Recherche als Dienstleistung. Redakteure sollen künftig nebenher als Unternehmensberater fungieren, Inhalte recherchieren und diese als Rohmaterial für Texte und Vorträge liefern.

Klingt nach einer interessanten Idee. Ich frage mich nur: Wann schreiben sie dann noch ihre Zeitungsartikel? Und droht die Süddeutsche dadurch nicht, zur PR-Agentur zu mutieren?

[via Meedia]

3 Gedanken zu „Journalisten als Consultants: Not macht erfinderisch“

  1. Aber die Süddeutsche betreibt doch schon eine PR-Agentur: onpact, die (Eigen-PR) “auf das Autorennetzwerk des Verlages … zurückgreifen” kann.

  2. Es kommt darauf an, wie diese Idee umgesetzt wird.

    Die Idee, die Recherche-Fähigkeiten von Journalisten nicht allein für journalistische Inhalte zu nutzen, klingt erst einmal gar nicht schlecht. Möglicherweise könnten so sogar aufwendige Recherchen finanziert werden, die zusätzlich auch journalistisch verarbeitet werden.

    Entscheidend ist, ob die Journalisten unabhängig arbeiten können. Unternehmensberater klingt erst einmal nicht unabhängig. Geht es jedoch um eine unabhängige Dienstleistung in Form von Recherche sieht es schon besser aus.

    Generell besteht natürlich das Problem: Wer zahlt hat Einfluss. Das Problem gibt es aber auch bei Finanzierung von Medien durch Werbung – vielleicht das wichtigste Argument für Paid Content. Zahlen die Leser, sind die Medien den Lesern verpflichtet.

Kommentare sind geschlossen.