Spreeblick, Primacall und der Streisand-Effekt

Der Streisand-Effekt besagt, dass man nur versuchen muss, etwas im Internet zu verbieten, um dafür zu sorgen, dass es sich überhaupt so richtig verbreitet. Unfreiwillige Namensgeberin dieses Phänomens war Barbara Streisand, die Luftbilder ihres Hauses aus dem Internet tilgen wollte. Gerade in den USA fällt sowas unter Meinungs- und Redefreiheit. Der Aufschrei war dementsprechend und hat überhaupt erst zur Verbreitung der Bilder geführt. Gerade erleben wir dieses Spiel erneut: Primacall vs. Spreeblick.

Ursprünglich geht es um ein Interview mit einem anonymen Mitarbeiter im Callcenter von Primcall, das Spreeblick im Jahr 2007 veröffentlicht hatte. Seitdem versucht das Telekommunikationsunternehmen in einem nicht enden wollenden Rechtsstreit, Spreeblick zur Löschung dieses Artikels zu bewegen. Das Blog bot an, eine Gegendarstellung zu veröffentlichen und machte mehrere strittige Aussagen in dem Artikel unkenntlich.

Natürlich erregte das ganze Aufmerksamkeit und zahllose Blogs berichteten darüber – darunter so bekannte und viel gelesene wie Netzpolitik.org, Lawblog, Meedia und Telepolis vom Heise Verlag. Das Interessante ist, dass es in dieser Schwemme von Blogposts nur noch am Rande um die Geschäftspraktiken der Firma oder den Wahrheitsgehalt des Interviews ging, sondern vor allem darum, dass Spreeblick verklagt wird, einen unliebsamen Artikel zu löschen.

Der Treppenwitz: Mittlerweile verlangt Primacall von Spreeblick nicht nur die Löschung des ursprünglichen Artikels, sondern auch noch die Entfernung von derzeit fast 40 Berichten auf vollkommen unabhängigen Webseiten. Wie auch immer Spreeblick das bewerkstelligen soll, Primacall erregt damit allgemeines Kopfschütteln und hat gleich wieder die nächste Welle an Negativ-PR losgetreten.

Hätten sie vor drei Jahren eine Gegendarstellung bei Spreeblick veröffentlicht: Niemand würde sich heute noch für die Sache interessieren und viel weniger Menschen hätten überhaupt etwas davon mitbekommen – Streisand-Effekt in Reinform. Am 7. Mai ist übrigens der Gerichtstermin vor dem Landgericht Hamburg und Spreeblick sucht Zeugen, die den Wahrheitsgehalt des ursprünglichen Interviews bestätigen können.

4 Gedanken zu „Spreeblick, Primacall und der Streisand-Effekt“

  1. Sie ruinieren sich ihren Ruf selbst. Wie viel von dem Beschriebenen im zu löschenden Interview wahr ist, spielt da keine Rolle. Es handelte sich um den Erfahrungsstandpunkt eines einzelnen Menschen. Primacall hätte eine Gegendarstellung verfassen können, die wäre auf “Spreeblick” veröffentlicht worden. Aber Primacall sucht den Streit. Jetzt hat es ihn, und wieder steht eine Reihe von neuen Blog- und Zeitungsartikeln im Netz, die ebenfalls Primacalls Umgang mit der Meinungsfreiheit als ganz unprima bezeichnen.

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