Sascha Lobo und Vodafone – Viel Lärm um Nichts?

Ein (ziemlich) beherrschendes Thema der vergangenen Tage in der hiesigen Blogosphäre ist die aktuelle Vodafone-Kampagne “Es ist Deine Zeit”, in der sich der TK-Anbieter sich auf Testimonials wie Sascha Lobo und Ute Hamelmann (Schnutinger) setzt. Unter den Stichworten “Vodafone” und “Kampagne” liefert die Google-Blogsuche aktuell über 8.000 Treffer. Während der Live-Pressekonferenz gingen über 2.000 (nicht immer freundliche) Kommentare bei Vodafone ein. Auf einmal gibt es im Netz eine nicht enden wollende Zahl von Marketing- und Werbe-Experten, die ihre Meinung zu der Kampagne kundtun. Dann müssen wir wohl auch mal was dazu sagen.

Es ist wie bei einem großen Sportereignis wie der Fußball-Weltmeisterschaft: Auf einmal ist jeder Trainer, jeder kennt die beste Strategie und trifft die perfekte Spielerauswahl – oder kann eben das Konzept und den Erfolg von Werbekampagnen beurteilen. Es gibt jedoch auch erfreuliche Ausnahmen. Beispielsweise gewährt uns Nico Lumma, selbst bei Scholz & Friends an der Kampagne beteiligt, einen interessanten Blick hinter die Kulissen. Dieser macht deutlich, dass viel mehr dahinter steckt, als ein Werbefilm und eine Online-Pressekonferenz. Er erklärt auch den bereits alleine schon heftig gescholtenen Begriff “Generation Upload”.

Vermischung unterschiedlicher Aspekete

Einen weiteren lesenswerten Beitrag hat Mirko Lange von der PR-Agentur talkabout geliefert. Darin seziert er zwei Aspekte, die bei der Diskussion gerne vermischt werden: Einerseits das Thema der Kampagne, also Social Media, und andererseits das Engagement von Vodafone als Teilnehmer im Social Web. Er macht deutlich, dass sich die Kampagne an Menschen richtet, die noch nicht in sozialen Netzen unterwegs sind. Daher war die im Netz veranstaltete Pressekonferenz unter mehreren Aspekten kritikwürdig: Sie richtete sich an Journalisten, wurde aber in die Netzgemeinde übertragen, die eigentlich gar nicht “Zielgruppe” waren – nämlich Menschen, die längst das Web 2.0 nutzen und für die Sascha Lobo & Co. eben keine Helden sind.



Vodafone-Featurette mit Sascha Lobo

Apropos: Sascha Lobo hat, mit ein paar Tagen Verzögerung, mit sich selbst ein Interview zu “Es ist Deine Zeit” geführt. Eine charmante Art, seinen Kritikern zu begegnen und die häufigsten Angriffspunkte (iPhone-Nutzer, Taxifahrer etc.) zu entkräften. Neben diesen – teilweise grotesken – Kritikpunkten geht er in einem Absatz insbesondere auf die Rolle Vodafones beim Thema Netzsperren ein. Hier trennt Lobo deutlich seine Rolle des Werbe-Testimonials von der des engagierten Netz-Streiters – und das glaubwürdig.

Was bleibt also am Ende des Tages: Viel Lärm um Nichts? Die Werbekampagne, die auch auf unserer Seite als Teil des Adnation-Netzwerks läuft, ist so kritikwürdig wie viele andere auch – und eben auch nicht. Tatsache ist, dass Vodafone sehr intensiv Web-2.0-Neuland betritt, und für den Mut und die Konsequenz zollen wir ihnen Respekt.

16 Gedanken zu „Sascha Lobo und Vodafone – Viel Lärm um Nichts?“

  1. Was bitte ist an den Aussagen Lobos bezüglich der Rolle Vodafones beim Thema Netzsperren “glaubwürdig”. Wenn Du das schreibst, musst Du das auch begründen.

    Mich haben seine Aussagen hierzu extrem an die Argumentation von der Leyens im “Zeit”-Interview mit Franziska Heine erinnert.
    Mann müsse weiter in Diskussion mit den Vorantreibern von Zensur in Deutschland bleiben, um Schlimmeres zu verhindern.
    Das aber ist genau der uralte Trick.
    Maximalabsurde Forderungen stellen, dann etwas davon zurücknehmen, um letztlich genau das zu erreichen, was ursprünglich geplant war.

    Stoppschilder vor Websites. Jetzt aber – ach was sind wir nicht lieb – mit entsprechendem Gremium, dass beurteilt, ob oder ob nicht.

    Wahrscheinlich wird jetzt Schäuble mit der Forderung kommen, zum Zwecke der Inneren Sicherheit, an jeder Straßenecke einen Soldaten mit entsicherter Waffe zu positionieren und nach den Protesten von Bürgerrechtlern einigen wir uns dann in der Diskussion darauf, dass es nur jede zweite Straßenecke ist und die Waffe erst bei Gebrauch entsichert werden muss.

    Wie blöd kann man eigentlich sein, um sich so von den Konservativen vor sich hertreiben zu lassen?

    *best

    Pachulke

  2. der anteil von internetnutzern, die auch in soz. netzwerken aktiv sind soll aktuell bei ca 65% (steigend) liegen, geht man davon aus, dass die definition “soziale netze” ein noch viel umfassenderes gebiet bedeutet (z.B. blogs, twitter, foren) so wirkt ist das argument, dass vodafone sich mit seiner kampagne ausschließlich an die “restlichen” (verlorenen) richtet ziemlich schwach – schon allein die konfusion da drüber was vodafone eigentlich will (siehe auch PK) zeigt, dass die kampagne an sich schwer greifbar ist, was aber noch nichts über ihr potenzial sagt – ach ja, und wer jetzt sagt, sie wende sich an menschen, die noch nicht im internet sind … dem ist nicht mehr zu helfen

  3. Meiner Meinung nach sind die Antworten die Lobo in seinem Selbstinterview gibt die gleichen, welche jede Firma und jeder Politiker geben würde. Politisch korrektes “Darumherum- und Schöngeschwätz”.
    Die Kampagne ist keine Vorzeigekampagne (ausser eine “So nicht Kampagne”). Die Idee mag gut sein und ich finde es als Blogger gut, dass sich Unternehmen ins Social Web vorwagen, aber es wurden einfach zu viele Fehler gemacht. Man kann sich ja zum Beispiel nicht an die User im Social Web wenden (was offensichtlich gemacht wurde) und wenn diese die Kampagne als unglaubwürdig empfinden, danach sagen, dass die Kampagne eigentlich an jene gerichtet ist, die noch nicht im Social Web sind. Da wurde doch zu wenig überlegt…

  4. @Paschulke: Jetzt komm von deinen Orwellschen Fantasien mal wieder auf den Teppich runter. Da taucht ein Typ mit ner Irokesenfrisur in einem misslungenen Werbespot auf und du schlägst den Bogen zu Soldaten, die im Namen dr innren Sicherheit auf Demonstranten schießen. Wo ist das bitte der Zusammenhang. Das Thema wird doch eh viel zu hoch gekocht. Kann es sein, dass es einfach nur darum geht, dass man dem Lobo (oder sogar irgendjemandem in diesem bekloppten Land, der es schafft) sein bisschen Erfolg missgönnt? Ich würd am liebsten auswandern. :(

  5. Das ist doch immer das Selbe: zuerst sind die Leute engagierte Streiter für eine Sache, dann klopfen so komische Werber von Scholz & Friends an und schmeißen einen Geldbatzen nach dem anderen hin…und schon ists vorbei mit der Streiterei und angeblich sind die ganzen hübschen Leute aus der Agentur ja alle soooo nett.

    Das gabs alles schon vor Twitter, Blogs und Co…doof, wenn man immer noch drauf reinfällt und dann auch noch von der gesamten Internetgemeinde eins drüber gezogen bekommt. Letztere wären in den klassischen Medien früher nie zu Wort gekommen. Ein Hoch auf Blogs und das Web 2.0 – alles in allem hat Vodafone eine Katastrophen-Kampagne hingelegt. Alles, was davor kam, war wesentlich kreativer und emotional mitreißender, als dieser “Wir haben uns auf einer Agenturetage in Berlin was ausgedacht. Mit Web 2.0 – voll innovativ”-Quatsch.

  6. was auch einfach mal gesagt werden musste: es ist mutig von Vodafone sich auf das Gebiet des “Web 2.0.” vorzuwagen. Sie werden wohl wissen, dass sie damit auf Kritik stossen. Worum geht es denn beim Web 2.0.? Es geht um user generated contend, es geht ums mitmach-Web. Und natürlich ernten sie Meinungen dazu, wenn sie eine solche Kampagne machen.

    Und dass diese so negativ sind, hängt meiner Meinung nach vor allem an zwei Punkten:
    1. reagieren viele negativ auf ein Wirtschaftsunternehmen, dass von aussen kommt, dass das schöne Web 2.0. mit seinem Kapitalismus penetriert um es mal völlig überspitzt zu sagen und
    2. hat es Sascha Lobo doch selbst am besten formuliert als er sagte “Das hängt auch damit zusammen, dass zehn zustimmend nickende Köpfe leiser sind als ein kreischender. “

  7. Web2.0 gut und schön, jetzt versuchen die großen noch auf den Zug aufzuspringen und verstehen gar nicht worum es geht..

  8. @marcus Das Bild mit Schäuble und den Soldaten sollte verdeutlichen, was die Methodik der Konservativen ist. Nicht, was ich glaube, was schon bald Wirklichkeit sein soll.

    Ich finde/fände es auch toll, wenn sich TK-Firmen den sozialen Netzwerken öffnen und auch gönne ich es den Lobos & Co Geld mit dem zu verdienen, was sie machen. Aber gemeinsame Sache mit Zensurbefürwortern auf der einen Seite und Kampf gegen Zensur auf die eigene Fahne schreiben: Das passt irgendwie nicht zusammen. Also: Nichts mit Orwell! Da hast Du mich missverstanden. Beste Grüße, Herman

  9. @UMTS

    das ist genau das was ich meinte mit “reagieren viele negativ auf ein Wirtschaftsunternehmen, dass von aussen kommt, dass das schöne Web 2.0. mit seinem Kapitalismus penetriert um es mal völlig überspitzt zu sagen”

  10. lieber marc, natürlich soll diese kampagne auch neukunden erschliessen. aber anhand ihrer testimoials sollte sie doch wohl vor allem beta- und gamma-bloggern klar machen wer der einzig richtige provider für solche dinge ist. genau dies ist vodaphone aber nicht. scholz + friends haben alles richtig gemacht, eine mittelmässige kampagne wie sie nur hierzulande funktioniert und ein sujet das ihnen selbst freude bereitet. dafür haben sie vodaphone abkassiert und ganz sicher eine gute zeit gehabt. respekt. nur jetzt mit der neid- und nichtmehravantgard-keule zu argumentieren ist noch schlechter als der spot. wer hat denn twitter in den letzten 12 monaten in deutschland wirklich gepusht? also, seit wann ist denn die BILD avantgarde ;-)))

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