Mit CV Dazzle automatische Gesichtserkennung verhindern

Mit einem interessanten Gespür fürs Timing präsentierte Google am 14. Juni u.a. die erweiterte Bildersuche, die – wie von Goggles bekannt – die Suche vom Bild aus möglich macht – die zu Ende gedacht und technisch längst möglich, zur Gesichtserkennung führt.

Während Datensparsame bei dem Wirbel um Facebooks automatische Gesichtserkennung in den letzten Tagen von Post-Privacy-Anschlägen sprechen, Pro-Sprecher den Vorteil herausstreichen, durch die Erkennung und Markierung an Datenhoheit und -Kontrolle zu gewinnen und andere mit dem Kontrollverlust dagegenhalten, versuchen einige Facebook-User das Problem auf humorvollere Weise zu lösen: Daniel Fiene und Dennis Horn tauschen ihre Profilbilder und rufen andere auf, sich ihnen anzuschließen.

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Was neben Facebook mit Sicherheit auch einen Teil ihrer Freunde verwirren dürfte. (Neben dem Problem, überhaupt jemanden zu finden, der bereit ist, das Profilbild zu tauschen- mit einer echten Person und nicht mit einer Comic-Figur!) Die Gesichtserkennungsverhinderungstipps des ccc (2005, PDF) lesen sich fast wie aus einem Kinderabenteuerroman: (Sonnen)brille, falscher Bart, viel Make up, Schielen oder Lachen, Verstecken des Gesichts (Haare oder Burka).

Doch es gibt eine Lösung: CV Dazzle (Open-Source Camouflage from Face Detection)

Adam Harveys Anwendung hat sich bereits erfolgreich in Facebooks PhotoTagger, Googles Picasa und eblearn als erkennungsresistent erwiesen. Die Ursprungsidee basiert auf der Dazzle Camouflage Tarnung im ersten Weltkrieg, bei der Schiffe geometrisch gemustert bemalt wurden.

CV Dazzle oszilliert zwischen Stylingkonzept und autonomen Schutz vor Überwachung. (… insofern den ccc-Ideen durchaus verwandt) Die Idee: Vordergründig optisch ein Fashion-Statement abzugeben und gleichzeitig die Algorithmen der Detektoren auszutricksen. So richtig alltagstauglich ist dieses Verfahren nicht unbedingt, doch für die ein oder andere Großveranstaltung mit absehbarem Kameraeinsatz durchaus eine erwägenswerte Option.

Adam Harvey gibt vier entscheidende Tipps, damit die Camouflage gelingt:

1. Vermeidung klassischen Make-ups (Lidstrich, Wimperntusche, Lippenstift), um die Schlüsselmerkmale des Gesichts nicht zu verstärken.

2. Den Nasenrücken mindestens zum Teil verdecken: Die Region, in der Nase, Augen und Stirn aufeinandertreffen, ist zentral für die Gesichtserkennung.

3. Die Augenregion mindestens zum Teil verdecken: Die Position und Dunkelheit der Augen sind ebenfalls ein zentrale Erkennungsmerkmale.

4. Unauffällig bleiben! Die Tarnung funktioniert nur, wenn es nicht wie eine Maske oder Verkleidung wahrgenommen wird.

In dem Video CV Dazzle vs PhotoTagger zeigt Adam Harvey, dass mit der CV Dazzle Camouflage tatsächlich kein Gesicht erkannt wird:

Adam Harvey arbeitet zur Zeit an einem CV Dazzle “How-to”-Manual und sucht weitere Einsendungen eigener cv Dazzle Camouflagen unter hello@ahprojects.com.

Von Kixka Nebraska, die als ProfilAgentin unterwegs ist.

7 Gedanken zu „Mit CV Dazzle automatische Gesichtserkennung verhindern“

  1. Lustig, aber hilftlos. Können wir doch schließlich nicht davon ausgehen, dass unsere Freunde, die Bilder von uns in den Weiten des Netzes bearbeiten derartig bearbeiten, bevor sie Bilder von uns hochladen und Taggen.

    Wir brauchen weniger technische Lösungen, mit der Gesichtserkennung umzugehen – denn sie wird nicht aufzuhalten sein -, sondern viel mehr einen gesellschaftlichen Diskurs. Aber das ist ja ohnehin allen klar.

  2. Das ist einfach nur Guerilla. Der Gegner (hier Postprivacy) hat die Hoheit in einem bestimmten Raum und einzelne Partisanen erkämpfen oder ertrotzen sich kleine Freiräume. Brachiales Vokabular, ich weiß. Die Bemalung des Modells brachte mich darauf.

  3. Ich fürchte, da müssen wir schon auf den Scramble Suit warten, die Philip K. Dick zwar schon 1977 erfunden hat, dessen Entwicklung aber sicher noch ein paar Jahre dauern wird:
    http://www.spike.com/video-clips/vt3fc5/a-scanner-darkly-scramble-suit

    Trotzdem finde ich, sich in dieser Form Gedanken darüber zu machen eigentlich nicht schlecht für die Diskussion, hilflos oder nicht. “Das ist alles nicht aufzuhalten” ist so ein Totschlagargument. Ich finde diese technischen Entwicklungen zwar spannend und ausprobierenswert, aber es sollte trotzdem weiter über die Möglichkeit nachgedacht werden, den Leuten die Wahl zu lassen.

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