Facebook, Freunde, Etikette

Facebook ist der neue Datenkrake; Facebook regiert das Web; Facebook überrundet Google. Facebook hier, Facebook da und dann noch Facebook-Anleitungen, wie man dieses oder jenes dort konfigurieren kann. Das alles ist richtig und wichtig, aber manchmal sind es ganz simple Dinge, die uns an dem Dienst nerven, ohne den so viele von uns nicht mehr können.

Nein, es geht nicht um Farmen, Inseln oder Famiglias, die wir alle einfach ausblenden können. André Krüger hat sich zum Thema “Anfreundereien” Gedanken gemacht und darüber einen schönen Blogpost geschrieben mit der Überschrift “Freunde werden, sein und bleiben auf Facebook“. Er wundert sich zum Beispiel über kommentarlose Kontaktanfragen von Menschen, die er nicht zuordnen kann. Manchmal weiß er beim besten Willen nicht, wer die anfragende Person wohl sei und fragt schon mal nach, woher man sich denn kennen könne. Die Antwort “gar nicht, aber wir haben x gemeinsame Freunde” überzeugt normalerweise weder ihn noch mich.

In selteneren Fällen jedoch habe ich tatsächlich schon einmal ein paar Worte mit dem Anfragenden gewechselt oder wir sind uns irgendwo in den Weiten des Netzes begegnet. In diesen Fällen stimme ich dem Kontaktwunsch grundsätzlich gern zu, halte es aber für eine wünschenswerte Geste, mir mit ein paar Worten auf die Sprünge zu helfen. Man kann Kontaktanfragen nämlich auch mit einem Begleittext wie “Hallo bosch, wir haben letztes Jahr auf der Geburtstagsparty von Erna Müller miteinander geknutscht …” versehen. Ich weiß dann vielleicht, um wen es sich bei der anfragenden Person handelt, und erspare ihr lästige Rückfragen oder einen unberechtigten Korb.

Routinemäßig ignoriert er auch schwachsinnige Anfragen von Leuten, die den gleichen Nachnamen, die gleiche Schuhgröße oder den gleichen Kühlschrank haben. Das findet er als Grund für eine “Freundschaft” genauso irrelevant wie ich. Und schließlich stören ihn die Anfragen von Spammern und wahllosen Kontaktsammlern:

Kontaktanfragen lauten gern so: “Bei 53 gemeinsamen Freunden sollten wir uns auch vernetzen, oder?” Ich frage daraufhin: “Warum?” und erhalte als Antwort “Warum nicht?” Das ist an sich ganz einfach zu beantworten: Ich will nicht, dass mein ganzer Facebook-Stream von Statusmeldung mir unbekannter Menschen zugemüllt wird. Außerdem möchte ich die für meinen Freundeskreis bestimmten Statusmeldungen, Bilder und Links nicht mit mir unbekannten Menschen teilen (ja, ich weiß, man kann die Privatsphäreeinstellungen so vornehmen, dass nicht alle Kontakte alle Informationen erhalten, aber darum geht es hier nicht).

Gar nicht weiter ein zu gehen brauchen wir auf die echten Spammer wie zum Beispiel Untenehmen, die sich als Privatpersonen ausgeben und “befreunden”, anstatt eine Fanseite einzurichten. (Wie nennt man die jetzt eigentlich? Like-Seiten?)

Natürlich kann jeder Facebook nutzen, wie er will. Trotzdem kann es nicht Schaden, wenn bestimmte Verhaltensweisen verpönt wären. Es wäre zum Beispiel angenehm, wenn kein Rechtfertigungsdruck entstünde, weil man sich nicht mit Kollegen und Vorgesetzten auf Facebook vernetzen möchte, da man auschließlich den privaten Freundeskreis dort unterhält. Vermutlich ist es so, wie die Werbeplakate einer großen Zeitung unterstellen: Bald werden wir so viele Wörter für “Freundschaften” haben, wie Eskimos für Schnee. An Andrés Blogpost wird deutlich, ist dass es uns derzeit noch an einer Etikette für soziale Netzwerke mangelt. Nach der der “Netiquette” fehlt eine “Faciquette” oder allgemeiner: eine “Sociquette”.

P.S.: Wer Facebook gerne ein Schnippchen schlagen möchte, macht es umgekehrt und vernetzt sich so massenhaft und wahllos wie möglich. Dann ist der “Social Graph” nichts mehr wert. Und Facebook selbst für denjenigen wohl auch nutzlos…

[via BoschBlog]

7 Gedanken zu „Facebook, Freunde, Etikette“

  1. Beim Vernetzen mit beliebig vielen Leuten sind die Listen unentbehrlich. Damit kann man auch mit knapp 1000 Freunden ganz gut leben, wie ich während meiner Mafia Wars Phase festgestellt habe ;)

  2. Hmmm, vielleicht hätte ich die 25 Jahre, die ich diesen Sommer online sein werde, nicht überlebt, wenn ich wahllos Kontakte gesammelt bzw. Kontaktieren zugelassen hätte. Auf FB krieg ich diese Anfragen auch immer wieder und wäge, wenn räumliche Nähe viele gemeinsame Kontakte vorhanden sind, ob ich zustimme oder nicht. Grade liegen auch wieder mehrere “auf Halde”, bei denen ich grade nachgrüble, ob ich sie bereits kenne sollte oder real kennenlernen möchte.
    Allerdings versuche ich auch, die meisten Kontakte real werden zu lassen. Vielleicht ist das (außerhalb von Hamburg und Berlin, wo ja eh 98,7% aller Web 2.0-Nutzer zu leben scheinen) ungewöhnlich.
    “He, warum refollowst Du mich nicht? Warum stimmst Du meiner Freundschaftsanfrage nicht zu?”
    - “Weil ich es kann.”

  3. Bin die großen Netzwerke inzwischen leid, zuviel von allem. Auch dass die alle Daten speichern, selbst wenn ich den Account lösche geht mir auf den Saque.
    Für meine engsten Weggefährten (Leute, denen ich vertraue und mit denen ich den Kontakt nicht via Postkarte, die alle mitlesen können, pflege) und mich habe ich pidder entdeckt. Da habe ich Ruhe im Karton.
    “A jeder wie er mog” – große und kleine können ja auch nebeneinander existieren.

  4. Wenn man auf Facebook nur veröffentlicht, was man auch twittern oder ins eigene Blog schreiben würde, kann man sich ruhig mit vielen Menschen vernetzen.

    Ansonsten ist es wichtig, die Einstellungen zur Privatsphäre so zu nutzen, dass man nicht den “falschen Freunden” zu viel über sich preisgibt.

    Zum Teilen von Informationen, die nur für wenige Menschen bestimmt sind, ist Facebook wohl sowieso der falsche Ort. Aber gut, wenn alle Menschen vernünftig handeln würden, hätten die Sozialen Netzwerke nicht mal ansatzweise so viel Erfolg im privaten Bereich. Eine Vernetzung auf XING oder LinkedIn ist ja noch mal ein ganz anderes Thema.

    Schön wäre es, zwischen Kontakten und Freunden unterscheiden zu können. Mit einer solchen Zwei-Klassen-Freundschaft könnte man viel einfacher unterscheiden, mit wem man befreundet sein möchte im weitesten Sinne – und wen man eben nur kennt, mit wem man in Kontakt bleiben möchte. Letzteres ist eben auch sinnvoll, finde ich.

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