Schwere Anschuldigung: Hat Yahoo dem Iran 200.000 Blogger ans Messer geliefert? [2. Update]

Erfüllungsgehilfe? Yahoo soll der iranischen Regierung während der Proteste in diesem Sommer die Namen und E-Mail-Adressen von 200.000 Bloggern übermittelt haben. Der Internetkonzern soll sich nach einer Sperrung gegenüber der autoritären Regierung deutlich “hilfsbereiter” gezeigt haben als Google, berichtet ZDNet.

Update weiter unten: Yahoo dementiert.

2. Update, 11.10.: Da sind ZDNet (und auch wir!) wohl auf eine Ente hereingefallen. Entweder die Übersetzung oder das Original der Meldung auf Farsi sind falsch. Es gibt weder eine Yahoo-Filiale im Iran, noch wird sie von einer Yahoo-Tochter in Malaysia betrieben. Tut uns Leid für die unsaubere Recherche! Hiermit Entschuldigung an Yahoo und unsere Leser!

Hier unser fehlerhafter Originalbeitrag. [Update Ende]

ZDNet-Blogger Richard Koman beruft sich auf einen Blogeintrag der Iranian Students Solidarity (Farsi). Der Beitrag soll von einem Gruppe Regierungsgegner stammen, die die iranische Regierung unterwandert hat und Informationen darüber nach außen dringen lässt.

Während der Demonstrationen gegen den Ausgang der Präsidentschaftswahlen im Iran im Juni waren unter anderem die Websites von Google und Yahoo blockiert oder massiv eingeschränkt worden. Während Google nicht reagierte, schickte Yahoo einen Mitarbeiter in Irans Telekommunikationsministerium, um das Problem zu lösen.

Google wurde auch ohne Zusammenarbeit wieder freigeschaltet

Während des Gesprächs bot das Ministerium dem Abgesandten an, Yahoo im Austausch gegen die Namen aller Yahoo-Nutzer im Iran wieder freizuschalten. Das wäre sehr zeitaufwändig, weil die Liste 20 Millionen Namen umfassen würde, entgegnete der Yahoo-Mitarbeiter. Man soll sich schließlich auf eine Liste von Yahoo-Account-Benutzern geeinigt haben, die ein Blog betreiben. Der Yahoo-Mitarbeiter versprach, den Behörden die Liste von rund 200.000 Menschen in wenigen Stunden zukommen zu lassen. Nachdem das geschah, wurde Yahoo im Iran wieder freigeschaltet.

Die Liste, die Yahoo übermittelte, soll alle aktiven und ehemaligen Accounts iranischer Blogger der vergangenen fünf Jahre enthalten haben. Sollten sich die Vorwürfe als wahr erweisen, wirft das ein sehr dunkles Licht auf Yahoo. Herausgabe persönlicher Nutzerdaten an eine Regierung wären an sich schon ein starkes Stück. Die Zusammenarbeit eines Internetkonzerns eines demokratischen Landes mit einem autoritären Regime macht den Vorfall noch erstaunlicher. Zumal Yahoo bekannt sein dürfte, welches Schicksal Regimegegnern im Iran droht.

Yahoo hätte hier ohne Not gehandelt. Laut dem Blogbeitrag reagierte Google nicht auf die vorübergehende Sperrung und war nach 48 Stunden wieder frei verfügbar.

Update, 15:43: Netzpolitik.org hat von Yahoo ein Dementi erhalten: Yahoo habe weder mit den iranischen Behörden verhandelt, noch Daten an den Iran geliefert. Yahoo sei bestrebt, Meinungsfreiheit und Privatssphäre zu schützen. Tja, ein solches Dementi war wohl zu erwarten. Nun steht Aussage gegen Aussage.

via @turi2

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