Kernkompetenzen

Guten Tag.

Mit Deutschland geht es bergab. Nicht, dass dieser Umstand irgend welche Neuigkeiten beinhaltete – irgend was ist ja schließlich immer. Jetzt verhält es sich aber dergestalt, dass derzeit doch so einiges mehr schief geht, als man es aus dem politischen und wirtschaftlichen Alltagstrott gewohnt ist. Nicht nur, dass Parteien in der politischen Landschaft auftauchen, deren Daseinszweck nach § 316c Strafgesetzbuch mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren geahndet wird. Nein, sie werden auch noch in Parlamente gewählt.

Man kann jetzt natürlich darüber streiten, ob man Konzepte wie “liquid democracy” sinnstiftend findet oder nicht – ein Zeichen setzen solche Parteien und ihre neuen Ansätze auf jeden Fall. Hier engagieren sich Menschen, die keine Berufspolitiker sind und deren Wahrnehmung von Demokratie und gesellschaftlichen Prozessen im Allgemeinen eine andere als die handelsübliche zu sein scheint.

Wunderrrr gescheeeeehn.

Was aber macht das mit der arrivierten Politikerkaste? Sie verfällt zunächst dem Wahn. Ältliche Herren bespringen jugendhafte Jungfern zwischen 16 und 40, konservative Politiker erklären sozialistisches Gedankengut zu ihrer ureigenen Kernkompetenz und Humanmedizinier verkaufen Krawatten wie geschnitten Brot.

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Betrachtet man das Wirken und Walten der aktuellen Bundesregierung jedoch im Gesamtpaket, drängt sich einem der Eindruck auf, dass hier seit Beginn der Regierungszeit so allerlei nicht nur stetem Wandel unterliegt, sondern “Kraut und Rüben” die erklärte Planungsvorgabe sind. Jetzt sitzen in so einer Bundesregierung ja keine Deppen, also meistens. Da diese Regierung aber irgendwie… komisch regiert, nagt der Zweifel weiterhin. Vor allem der Zweifel an den offensichtlich nicht nachvollziehbaren Gründen für das an den Tag gelegte Handeln. Da wir vom Guten im Menschen allgemein und dem besonders Guten im Wähler im Speziellen ausgehen, nehmen wir an, dass der mündige (und wahlberechtigte) Bürger selbstverständlich ein Gremium von Fachleuten bestellt, um unser schönes Land zum Nutzen aller zu verwalten und in eine blühende Zukunft zu führen.

Den landläufigen Vorurteilen, das Parlament und die Regierung bestünde nur aus “Großkopferten”, wollten wir uns nicht einfach beugen – deswegen war es an der Zeit, die Kompetenzen eben dieser uns regierenden Regierung genauer zu betrachten.

Was wir allerdings vorfanden, entpuppte sich als

Überraschungsei.

Der Aufbau der Bundesregierung sieht folgendermaßen aus:

  • Eine Bundeskanzlerin
  • Ein Vorzimmerherr für die Bundeskanzlerin
  • 13 Ministerien
  • Ein Kasperle

Aber schauen wir uns die Funktionsträger doch einmal etwas genauer an. Und, um der Kompetenz willen, ziehen wir auch gleich in Betracht, welchen Beruf sie ausüben, wenn sie gerade nicht regieren.

  • Die Bundeskanzlerin, Angela Merkel – Physikerin.
  • Der Kanzleramtsminister, Ronald Pofalla – Jurist.
  • Der Außenminister, Guido Westerwelle – Jurist.
  • Der Innenminister, Hans-Peter Friedrich – Jurist, Fachgebiet Testamentsvollstreckung.
  • Die Justizministerin, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger – Juristin.
  • Der Finanzminister, Wolfgang Schäuble – Jurist.
  • Die Arbeitsministerin, nennen wir sie der Kürze wegen Zensursula – Ärztin. Nein, nicht Rechtsmedizin.
  • Der Verteidigungsminister, Thomas de Maizière – Jurist.
  • Der Umweltminister, Norbert Röttgen – Ju… na, Sie wissen schon.

So. Die wichtigsten Ministerien haben wir schon mal durch. Fällt Ihnen etwas auf? Uns nicht. Alles ganz normal, bitte weitergehen. Kommen wir zu den eher… esoterischen Ministerien:

  • Die Familienministerin, Kristina Schröder – Soziologin.
  • Die Landwirtschaftsministerin, Ilse Aigner – Radio- und Fernsehtechnikerin.
  • Der Verkehrsminister, Peter Ramsauer – Müllermeister.
  • Die Bildungsministerin, Annette Schavan – Philosophin.
  • Der Entwicklungshilfeminister, Dirk Niebel – Verwaltungsfachwirt.
  • Der Gesundheitsminister, Daniel Bahr – Gesundheitsexperte.

Moment. Erkennen Sie den Fehler? Der Gesundheitsminister ist – Gesundheitsexperte. Verrückt. Und die Bildungsministerin hat tatsächlich eine Geisteswissenschaft studiert. Noch verrückter.

Damit kommen wir bei den 15 Genannten auf immerhin drei, die tatsächlich in gewisser Weise ein Ministerium leiten, das mit ihrer Ausbildung zu tun hat. Und die Schnarre hatte zumindest schon mal die Eier, auf’s Linoleum zu kotzen, als ihr ehemaliger Chef den ‘großen Lauschangriff’ durchprügelte. Zu deutsch: sie ist zurückgetreten, als sie die Politik ihrer Regierung für untragbar hielt. Wir finden, das hat einen Hauch von Führungsqualitäten.

Oh, jetzt hätten wir beinahe einen vergessen. Aber der ist ja auch irgendwie ein

Problembär.

Mit dem Wirtschaftsministerium verhält es sich ja nun mal so, dass es eigentlich den selben Kram machen soll wie das Finanzministerium. Dummerweise verderben viele Köche den Brei, also bekommt nur eines der beiden Ministerien Geld, um Gestaltungsspielräume zu schaffen. Das Wirtschaftsministerium ist es nicht. Man dachte sich also wohl, dass man, wenn es da schon nichts zu gestalten oder gar zu bestimmen gibt, einfach der nächste den Job als Minister bekommt, der grade im Weg steht.

Also entschied man sich für einen Mann aus dem Volke, namentlich Philip Rösler. Dieser verkauft in seiner Freizeit gerne Krawatten, hat also das Ohr am Herz des Volkes. Und da sitzt er nun auf seinem Sesselchen und… schweigt. Vor allem, seitdem die ‘Finanzkrise’ so richtig in Wallung gekommen ist.

Damit ist zumindest unserer bescheidenen Meinung nach hinlänglich geklärt, wer den Job des Kasperles in der aktuellen Bundesregierung mehr als befriedigend ausfüllt.

Nichtsdestotrotz bleibt irgendwie ein schaler Nachgeschmack, wenn man bedenkt, dass sieben der aktuell 16 Regierungsmitglieder

Juristen

sind. Nicht, dass wir etwas gegen Juristen hätten, Gott bewahre. Das ist ein grundehrlicher Beruf, der sich ausschließlich mit dem Guten, Wahren und Schönen beschäftigt. Aber eine Frage sei gestattet:

Wenn bei Ihnen zuhause das Klo verstopft ist, wen rufen Sie dann?

  1. Einen Priester.
  2. Einen Klempner.
  3. Einen Juristen.

Sehen Sie. Leider stellt uns die Bundesregierung vor eine andere Wahl:

Wenn Sie in Ihrem Land ein Problem mit Innen-, Außen, Verteidigungs-, Finanz- oder Umweltpolitik haben, wen rufen Sie dann?

  1. Einen Juristen.
  2. Einen Juristen.
  3. Einen Juristen.

Aber lassen wir das. Wir haben ja noch ein paar andere Minister, die Kraft ihrer geballten Kompetenz… oh.

Da wäre zum Beispiel die Familienministerin, deren Berufslaufbahn vor der politischen Karriere mit “studentische Hilfskraft” angegeben wird. Also, die gesamte berufliche Karriere. Nicht, dass wir etwas gegen studentische Hilfskräfte einzuwenden hätten. Irgend jemand muss die ganzen Habilitationen ja schreiben. Aber als… äh… Bundesminister? Also, von Deutschland, nicht San Marino? Hm.

Bevor wir Sie in die Nacht entlassen, wollen wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten, was Juristen eigentlich machen, wenn sie nicht herumregieren. Oder herumeiern. Oder zwei Billionen Euro aus dem Fenster werfen. Oder den lieben langen Tag Atomkraftwerke an- und wieder ausknipsen. Oder… Na ja.

Juristen beschäftigen sich mit Gesetzen. So wie diesem hier:

Wir finden, dabei sollten sie es auch bewenden lassen, die Juristen.

 

Der Gastautor dieses Beitrags ist Christian Franke. Wenn er nicht gerade Gastbeiträge schreibt, ist Herr Franke ein gottesfürchtiger Mann und Vorbild für die Jugend. Er bloggt unter arschhaarzopf.wordpress.com und twittert unter ähnlichem Namen. Seine Brötchen verdient er damit, dass er Menschen am Telefon anschreit oder leise in Leitz-Ordner weint.

4 Gedanken zu „Kernkompetenzen“

  1. Herrlich böse und (leider) treffend geschrieben .Wirklich gelungen ,heut ist mein Tag gerettet .

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