iPhone-Journalismus: Auf der Jagd nach dem Alles-Gerät und kreativen Kurztexten

Berichterstattung von überall, auf das wesentlichste verkürzte Texte. So sähe es im Online-Journalismus aus, wenn Journalisten nur noch von ihrem Smartphone aus berichten dürften. Eine angenehme Vorstellung.

Da war ich am Wochenende mal in meiner emsländischen Heimat unterwegs. Tiefste Provinz, mag so mancher Großstädter denken, auch wenn das natürlich so nicht stimmt. Direkt hinter dem Stadtrand ging ich jedenfalls bei windigem Wetter an der Ems spazieren, als mir diese Szenerie ins Auge sprang, die ich direkt mit meinem noch recht jungen iPhone festhielt:

iPhone-Bild

Und nun? Mit dem Bild im Speicher nach Hause gehen und es am Rechner hochladen? Quatsch: Das geht ja auch direkt. Die wunderschöne Herbstlandschaft bestach nicht nur mit ihrer Farbenvielfalt, sondern auch mit ihrer 3G-Funkversorgung bei voller Signalstärke. In Sekunden hatte ich das Bild in meinen privaten Posterous-Account hochgeladen, der sich automatisch mit Twitter und Facebook synchronisiert.

Ein Gerät für alles ist bisher noch nicht erfunden

Dass iPhone-Besitzer von untwegs ihre Fotos hochladen, ist längst nichts Neues mehr. Oft bleibt es dabei allerdings bei privaten Schnappschüssen. Noch recht selten werden die technischen Möglichkeiten von Berufsfotografen und -journalisten genutzt. Die viel zitierte Notwasserung einer Airbus-Maschine im Januar auf dem Hudson-River war eine erfreuliche Ausnahme. Doch auch sie wurde von einem Hobby-Fotografen aufgenommen.

Dabei ermöglicht die immer bessere Technik und Funkversorgung die Arbeit als Reporter zumindest in Deutschland inzwischen von fast jedem Fleckchen Erde aus: Egal, ob Fotos, Texte, kurze Videos oder Audio-Mitschnitte: Mit dem geeigneten Gerät lässt es sich als Reporter prima von unterwegs arbeiten.

Die Möglichkeiten stehen und fallen allerdings mit der der Funkversorgung und den Möglichkeiten des Geräts. Eines, das alles in einem kann, habe ich bislang noch nicht gesehen. Es sollte mit an Bord haben:

  • Zwei Foto-/Videokameras mit ordentlicher Qualität, optischem Zoom und einer künstlichen Lichtquelle
  • Die Möglichkeit, schnell zwischen Vorder- und Rückseitenkamera hin- und herzuswitchen.
  • Audiomitschnitt-Funktion
  • Einfache Texteingabe über physisches oder virtuelles Keyboard.
  • UMTS/HSDPA
  • App-Fähigkeit
  • Schnellstart-Funktion für (wahlweise) Kamera oder Audio.
  • Einfaches Bildbearbeitungsprogramm zum Aufhellen, Zuschneiden, Markieren
  • Video-/Audioschnitt-App
  • Copy and Paste für einfache Textbearbeitung

Zu diskutieren wäre noch, ob die Kamera besser eine hohe oder niedrige Auflösung haben sollte. Denn was bringt ein Video in HD-Qualität, wenn das Hochladen über EDGE eine Stunde dauert und die Hälfte des monatlichen Freivolumens frisst?

Ganz neue Art kreativer Kurztexte

Würde man die Journalisten dieser Welt nur noch mit einem iPhone- oder Android-Phone bewaffnet durch die Welt schicken, hätte das einen sehr interessanten Nebeneffekt: Ihre Texte würden ultrakurz werden und alles Wesentliche enthalten. Denn auf einer Smartphone-Tastatur – egal ob physisch oder virtuell – habe ich noch niemanden gerne ganze Texte tippen sehen. Man müsste Berichte kurz halten, eher Videos und Fotos sprechen lassen – oder viel mehr mit der Möglichkeit kurzer Texte spielen.

Ein Trend, der sich mit dem Wunsch der Leser/Konsumenten deckt, in immer kürzerer Zeit alles Wesentliche zu erfassen, ohne viel lesen zu müssen. Kurze und dennoch kreative, unterhaltsame Texte werden dann gefragt. Und es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis das zum Trend wird. Ich freu mich drauf!

3 Gedanken zu „iPhone-Journalismus: Auf der Jagd nach dem Alles-Gerät und kreativen Kurztexten“

  1. Eine gewisse Informationsmenge ist aber meistens nötig, um ein möglichst objektives Bild zu vermitteln.
    Wenn du so sehr geraffte Informationen suchst, würde es sonst auch reichen, die Überschriften der BILD zu lesen und sich die (extragroßen) Bildchen anzusehen. Ich für meinen Teil habe lieber leicht verspätete, aber dafür gut recherchierte Informationen.
    Und BTW würde niemand, der darauf angewiesen wäre, viele Daten über den Äther zu jagen, einen Tarif mit Datenvolumen nutzen. Bilder mit schlechter Auflösung würden die Berichterstattung für mich auch vielleicht weniger glaubwürdig machen (ich denke dabei an das berühmt-berüchtigte “letzte Video des Winnenden-Attentäters). Außerdem sind die Verbindungen natürlich nur in relativ wohlhabenden Gegenden gegeben.

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