Gedruckt und morgens zugestellt: Niiu, die personalisierte Tageszeitung für Berlin

In Berlin startet voraussichtlich Anfang Oktober eins der spannendsten Print-Projekte der vergangenen Jahre: Niiu will Abonnenten eine personalisierte Tageszeitung nach Hause liefern. Ein Angebot, bei dem man trotz aller gekündigten Abos noch einmal schwach werden könnte.

Die personalisierte Print(!)-Tageszeitung besteht aus dem Neuesten der Lieblings-Onlinemagazine, die man sich selbst zusammen gestellt hat. Zusätzlich wird die Zeitung mit Social-Media-Elementen ergänzt. Das hier gefällt mir besonders – die Einbindung von Facebook-Meldungen:

Niiu
Farbige Markierungen hier und auf den weiteren Screenshots jeweils von uns.

Außerdem gibt es Spiele wie Sudoku, die dem eigenen Fähigkeitsstand angepasst sind. Ob man sein eigenes Foto unbedingt in der Zeitung lesen will – vielleicht zur Selbstmotivation – ist Geschmackssache. Auf jeden Fall taucht der eigene Name als Herausgeber im Impressum auf. Schön ist auch die Möglichkeit, sich das Wetter an mehreren Orten anzeigen zu lassen, etwa wenn man regelmäßig pendelt oder in absehbarer Zeit in Urlaub fährt:

Niiu

Finanzierung über eine monatliche Abo-Gebühr

Um den Stand der eigenen Aktien zu sehen, muss man sich bei Niiu nicht mehr durch seitenweise Kleingedrucktes kämpfen. Und wer Horoskope mag, findet ebenfalls nur noch sein eigenes in der personalisierten Tageszeitung.

Niiu

Niiu ist ein Angebot von InterTi. Die Firma will Botendienste mit der täglichen Lieferungen beauftragen, die auch die Tageszeitung bringen. Der Dienst finanziert sich über Werbung, nein, ausnahmsweise einmal nicht über Werbung, sondern über ein kostenpflichtiges Abonnement. Einige Tageszeitungen sind unter den Content-Lieferanten, größtenteils stammt der Inhalt aber von Online-Magazinen. Auch die Inhalte von YuccaTree sind auf Wunsch mit an Bord.

Bei Erfolg will InterTi das Angebot auf weitere deutsche Metropolen ausdehnen. Zum Start ist Niiu aber nur in Berlin erhältlich. Das ist tatsächlich einer der wenigen Momente, in denen ich mich ärgere, nicht in der neuen Hauptstadt zu wohnen…

8 Gedanken zu „Gedruckt und morgens zugestellt: Niiu, die personalisierte Tageszeitung für Berlin“

  1. “Schöne” neue Medienwelt! Dieses Projekt macht mir Angst! Jeder, wer will, klöppelt sich seine eigene Scheuklappen-Schmalspurgazette zusammen und bekommt ansonsten nichts mehr mit, was links und rechts auch nur ein bisschen außerhalb des persönlichen Interessengebietes liegt. Und gar nicht auszudenken, wer sich dann wieder diese persönlichen Profile für andere Zwecke greift – solche Profile sind schließlich bares Geld wert! Dass so etwas aus der Hauptstadt kommt, in der doch kürzlich eine groß angelegte Datenschutz-Demo stattfand, lässt mich doch sehr wundern!

    Ich bin schlicht ratlos, wie man so etwas bejubeln kann – aber in der Generation GoogleNewsReader ist Nachdenken offenbar nicht mehr erlaubt.

  2. @ Meikel: Im Endeffekt ist es doch eh schon längst so und war es auch immer schon, dass jeder nur das liest, was ihn interessiert. Feuilleton-Artikel werden von rund 2 Prozent der Zeitungsleser gelesen. Das war vorher so und wird sich durch Projekte wie Niiu natürlich nicht erhöhen – verringern aber auch nicht.

    Klar, wer eine Tageszeitung abonniert, bleibt schon manchmal bei einem Artikel aus einem Ressort hängen, der ihn nicht interessiert, aber auch nur selten. Es ist ein Stück mehr Ehrlichkeit. Auch deine Bedenken wegen des Datenschutzes teile ich nicht. Niiu gibt die persönlichen Daten nicht weiter.

    Klar bleibt Nachdenken auch bei der “Generation Google NewsReader” erlaubt. Ich persönlich lese hier allerdings einen bunten Fundus an Meldungen aus den Gebieten Technik, Sport, Wirtschaft, Politik, Kultur und Lokales. Nur ein Thema wäre mir da zu dröge, auch für eine gedruckte Tageszeitung.

  3. Der Versuch, die Vorteile des Netzs auf den Print zu übertragen, finde ich erstaunlich mutig (oder aber dumm).

    a) die Infos kommen nun wieder später auf den Tisch (entgegen des Zeitvorteils durch das Internet). Und was bringen mir gedruckte Facebook-Einträge, wenn sie schon veraltet sind und heutzutage über mobil/web viel schneller und komfortabler beantwortet werden können?
    b)die Aufbereitung wird aus Kostengründen automatisiert erfolgen. Das wird somit auf Kosten der Darstellungsmöglichkeiten gehen. Ich kaufe mir also eine schlecht gelayoutete Zeitung, mit alten News und SocialMedia-Beiträgen?

    Klingt mir tatsächlich sehr durchdacht. Da sind entweder Medienexperten am Werk gewesen, oder man hat ein paar Affen in einen Raum gesperrt und geschaut, auf was für neue Medien-Projekte die so kommen.

  4. NIIU – spannendes Projekt:
    gedacht wohl für die “gerätefrei Zeit” im Transfer:
    sprich auf dem Weg zur Arbeit oder Anderem,
    zu lesen im öffentlichen Nahverkehr Berlins.
    U & S Bahn waren einmal Hauptleseorte. Bei dem derzeitigen gedränge ist auch das kaum möglich.

    Im ICE gab es mal das Handelsblatt als A3-Format, gedruckt im Zug und kostenlos verteilt (Werbefinaziert).

    Aufbereitung und Preis sind wohl der Key:
    - schlechtes Layout für 1 Euro wird kein renner.
    - gutes Layout für 10 cent wäre ein Hit.

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