02. März 2009 - Jürgen Vielmeier
Mein letzter Besuch auf der CeBIT ist zwei Jahre her. Eine Freundin hatte Freikarten bekommen. Und so fuhren wir im Morgengrauen hektisch los, damit wir alles an einem Tag schaffen würden, und die Wucherpreise in den Hannoveraner Hotels nicht bezahlen müssten. Kurz vor dem Messegelände kamen wir in einen Stau, und die Messe-nahen Parkhäuser waren überfüllt. Aber wenigstens die Messe ließ uns zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißen: Hardware-Hersteller hatten die gleichen Produkte aufgebahrt, die man auch im Internet bestellen kann. Mobilfunker auf überdimensionalen Messeständen führten die gleichen Handys vor, die es auch bei Tarans Handyshop um die Ecke gibt. Zwischendurch gab es als wissenschaftliche Beiträge getarnte Vorträge, die all zu offensichtlich Produktvorführungen waren.
Nichts wie weg
Die Innovationen wurden alle bereits ein paar Wochen vorher auf der 3GSM in Barcelona (heute Mobile World Congress) vorgestellt. Die wirklich interessanten Stände waren so überlaufen, dass echte Kontakte nicht zustande kommen konnten. Statt innovativer Messestände beschränkten sich die meisten Aussteller nur auf einen langweiligen Stand mit Tresen, Stelltischen und Produktkatalog. Da war nicht viel mit innovativ, dafür hätten wir mit Fersengeld reich werden können. Die überdimensionale Monstermesse ist an einem Tag nicht zu begehen und einfach zu breit aufgestellt. Am späten Nachmittag waren wir so erschöpft und mit den Nerven fertig, dass wir zusahen, da wegzukommen.

In diesem Jahr ist die CeBIT um rund ein Viertel kleiner als in den Vorjahren. Wegen der Wirtschaftskrise haben viele Hersteller abgesagt. Und doch sind die Dimensionen immer noch monströs: 4.300 Aussteller in 24 riesigen Messehallen. Sechs Tage dauert die Show, und die Organisatoren haben keine Mühen gescheut, um sogar Arnold Schwarzenegger einfliegen zu lassen. Thematisch wollen die Veranstalter mal wieder alles abdecken: von Business Intelligence über Green IT und Webciety, eHealth, Mobile Web bishin zu RFID, IT-Sicherheit und Navigationssystemen. Es gibt noch immer kein Thema, was nicht auch auf der CeBIT seinen Platz fände.
Zu groß, keine Innovationen
Aber wofür? Fachpublikum wird sich ohnehin nur für die eigene Branche interessieren und hat deutlich mehr von Hausmessen oder Spezialmessen wie dem Mobile World Congress oder der IFA. Privatpersonen haben meist nur einen Tag übrig und schaffen es in der Zeit unmöglich, die ganze Messe zu sehen. Innovationen bekommen sie ohnehin nicht gezeigt. Wozu also noch hingehen, viel für Essen und Hotel zahlen und sich in einer der nicht wirklich hübschesten deutschen Großstädte aufhalten?
Der Ausstellerschwund ist nicht nur der Wirtschaftskrise geschuldet. Viele Anbieter dürften erkannt haben, dass eine Messe für alles in dieser Größe nicht reizvoll ist. Die CeBIT muss sich deutlich verkleinern und spezialisieren, wenn sie in Zukunft noch für irgendwen interessant sein will. Ich bin jedenfalls froh, dass ich dieses Jahr nicht dort sein muss.
ifranz.tv war vor Ort und hat seine Eindrücke zusammengefasst:





seh ich ähnlich..
ich hatte letztes Jahr auch das “Vergnügen” mit einer Freikarte die CeBIT erkunden zu können, aber:
1.) ist es einfach nur viel zu groß und unübersichtlich
2.) habe ich mir dort einen Fachvortrag angehört (RFID), in dem ich all das was ich bereits wusste nochmal als besonders innovativ zu hören bekam und
3.) fand und finde ich den ganzen Trubel der Medien um die CeBIT reichlich übertrieben… vereinzelt gibts vielleicht Highlights, aber die Berichte über die riiiesigen Neuheiten sind einfach nicht haltbar sondern meiner Ansicht nach nur dazu da, Werbung für die CeBIT als Reportage getarnt zu machen.
Es gab Zeiten da war das anders. Da war die CeBit _die_ Messe schlechthin. Aber die Konkurrenz hat nicht geschlafen, und die CeBit hat sich nicht spezialisiert, sondern das Spektrum stattdessen immer weiter ausgeweitet. Wenn ich sehe dass in den letzten zehn Jahren mindestens 6 neue Hallen dazugekommen sind, und man damals schon nicht die Zeit hatte alles Themenrelevante an einem Tag zu sehen…
Ich würde gerne mal wieder hin, aber man kann das wohl nur geniessen, wenn man per Bahn anreist (die Staus gab es schon immer, auf sämtlichen Zufahrtsstrassen), sich von den Mainstream-Firmen fernhält, und vorher schon weiss, welche Themen einen interessieren und welche man auslassen muß.
Diesen Eindruck kann ich nicht teilen.
Ich habe die CeBIT die letzten Jahre über verfolgt und bislang immer positive Ergebnisse erzielt.
Die CeBIT erfordert es aufgrund der Größe (und der damit einhergehenden Besucherzahl) allerdings mehrtätig und geplant teilzunehmen. Die “großen” Innovationen werden tatsächlich auf anderen Messen gezeigt – die “kleinen” aber eben nicht. Einige Soft- und Hardwarehersteller, Universitäten und Institute kommen auf der CeBIT in einer Art und Weise zusammen, die keine Spezialmesse bieten kann. Die spezialisierteren Messen haben ihren Platz und sind wichtig – klar! Aber die CeBIT reiht sich dort eben nicht ein und bietet einen Überblick über die IT-Welt, der bei entsprechender Durchsicht der Angebote und Anbahnung von Kontakten auch lohnt. Der future Parc bietet für die, die nach “Innovationen” suchen einen Querschnitt durch die Forschung in der Informatik und Technik, die Podiumdiskussionen sind thematisch vielseitig und für Kontakte sind bei den meisten Herstellern nunmal Termine von Nöten. Auch für die Karriere ist mit dem Careermarket etwas dabei. Die CeBIT ist und bleibt ein Unikat.