08. Februar 2009 - Jürgen Vielmeier
Nach dem Motto: Irgendein reicher Konzern wird mir dafür schon Geld geben. Mission erfüllt: Die Berliner Internetagentur Construktiv hat in dieser Woche den Lifestreaming-Dienst FreundeNews gekauft. Die Summe ist leider nicht benannt, und Ziel der Aktion war für Construktiv offenbar nur, den vermeintlichen Konkurrenten abzuschalten. War das wirklich notwendig? Eher nicht. Aber es war zumindest nicht ganz dumm, das lütte Dornenbüschchen zu zertrampeln, ehe eine Regenwolke es aufgepäppelt hätte.
Hypes gibt es im Internet alle Jahre wieder. Erst waren es Blogs und Social Networks wie StudiVZ, aktuell ist es Twitter, der nächste Hype wird sich dann wohl um Lifestreams drehen. FreundeNews ist ein solcher Lifestream: er stellt auf einer Seite die Aktivitäten einer Person aus mehreren Quellen zusammen. Hat mein bester Kumpel in seinem Blog etwas Neues geschrieben, ein Foto bei Flickr hochgeladen und ein Video bei YouTube hochgestellt, dann fasst ein Lifestream das an einer einzigen Stelle zusammen.

Copy-and-Paste-Mentalität
Eine schöne Sache, und Anbieter gibt es da weltweit inzwischen einen ganzen Haufen. Für den deutschen Markt sind vor allem zwei Dienste attraktiv, die mit FreundeNews mehr zu schaffen hatten, als ihnen lieb war: FriendFeed und eben die Construktiv-Tochter Lifestream.fm. Das Design der jetzt übernommenen FreundeNews hingegen erinnert nicht nur stark an den großen Bruder FriendFeed. Eine Zeit lang hatten sich die Gründer auch Namen und Logo von Friendfeed all zu schamlos abgekupfert. Das US-Branchenblog Techcrunch bezeichnete den für deutsche Start-ups nicht gerade seltenen Ideenklau aus der Neuen Welt als “Copy-and-Paste-Mentalität”.

Links das Original, rechts das wenig fantasievolle Imitat.
Es kam zum Streit, seit dem FreundeNews unter einem neuen Logo auftritt und nicht länger unter dem ursprünglichen Namen “FreundeFeed” firmiert. Und das war’s dann auch schon mit der Bekanntheit: FreundeNews siecht seit rund einem halben Jahr vor sich hin. Ohne eigene Design-Ideen programmiert, ohne Appetitanreger auf der Website, ohne jegliche Beschreibung, welche Dienste unterstützt werden, ohne Zuspruch einer Benutzerschaft, ohne Inspiration.
Stellt sich also die Frage, warum Construktiv den hoffnungslos unterlegenen Gegner nicht einfach ignoriert und die Kaufsumme – wie hoch auch immer sie war – statt dessen ins Marketing steckt. So ist man einfach nur auf Nummer sicher gegangen und verhindert, dass ein Konkurrent FreundeNews mit einer Finanzspritze aufpäppeln kann. Dass mit FriendFeed aber bereits ein mächtiger Konkurrent in Deutschland aktiv ist und Nachahmer schnell ähnliche Dienste starten können, kann Construktiv nicht verhindern. Und so bleibt am Schluss nur die erstaunliche Erkenntnis, dass auch in Krisenzeiten noch immer Geld für fragwürdige Transaktionen da ist.







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