Experiment bei stern.de: Facebook statt Kommentarfunktion
29. Oktober 2010 - Enno Park
Bereits im Sommer hat stern.de weitgehend unbemerkt die Kommentarfunktion auf seiner Webseite abgeschaltet. Wer kommentieren möchte, soll das bitte über Facebook tun. Das mag den Stern-Mitarbeitern viel Arbeit ersparen, ist aber nicht gerade Dienst am Leser.
Egal ob kleines Blog oder großes Magazin, alle kennen das Problem mit Pöbeleien in Kommentaren. Quasi-anonymes kommentieren ist bei den meisten großen Seiten problemlos möglich. In der Regel muss eine E-Mail-Adresse hinterlassen werden, die – anders als bei Blogs – oft auf ihre Gültigkeit hin überprüft wird. Prinzipiell ist schon über die IP-Adresse jeder Kommentator greifbar, wenn es um seltsame Geschichten wie der Affaire Niggemeier/DuMont geht.
Den Leuten beim Stern war das offenbar noch zu anstrengend. Die haben einfach komplett jegliche Kommentarfunktion abgeschaltet. Wer kommentieren will, muss das auf Facebook tun. Dazu ist zunächst einmal zu “liken”: Leider gibt es allzu viele Schlagzeilen, die ich nicht mit meinem Namen und einem “gefällt mir” kombiniert im Netz stehen sehen möchte.
Wenn man sich dann dazu durchringt, zu klicken, öffnet sich ein weiteres Feld, das die Kommentierung ermöglicht. Alles weitere findet dann auf der Facebook-Seite des Stern statt. Das mag mir nicht so recht gefallen. Facebook untersteht nicht dem deutschen Datenschutzrecht (und jetzt kommt mir bitte keiner mit “Safe-Harbour” – das ist ein Witz.) Auch wenn ich persönlich bei Facebook bin, kann ich sehr gut verstehen, dass viele Menschen Facebook bewusst meiden und dann bestimmt keine Lust haben, sich dort anzumelden, um beim Stern kommentieren zu können.
Dass Facebook mit deutschem Datenschutzrecht nicht kompatibel ist und man genau überlegen sollte, ob man sich dort anmeldet und wenn ja, welche Daten man dort hinterlassen möchte, ist etwas, worüber der Stern seine Leser aufklären sollte, statt sie zur Klickerei zu animieren. Ganz nebenher wird anonymes Kommentieren fast unmöglich, es sei denn, man macht sich die Mühe und legt ein Fake-Profil. Der Stern mag sich freuen, wie pflegeleicht die “Community” plötzlich ist. Mit freier Diskussion hingegen dürfte das ganze nicht mehr viel zu tun haben und sagt einiges darüber aus, wie groß das Interesse des Stern an der Meinung der Leser in Wahrheit ist.




Abgesehen davon, dass Kommentare neue Inhalte auf einer Seite sind, die das Medium kostenlos bekommt – man begibt sich auf diese Weise in eine Abhängigkeit.
Schön für Facebook, aber schlecht für einen Verlag.
Über den Wert anonymer Kommentare lässt sich streiten. Sich einerseits öffentlich zu äußern, das aber nur anonym tun zu wollen, ist so ein Problem für sich.
Dreist ist aus meiner Sicht dagegen, dass einem ein ganz bestimmter Anbieter aufgezwungen wird. Das ist in etwa so, als wenn einem ein Shop ein ganz bestimmtes Zahlungssystem aufdrängt: Zahlung nur mit Kreditkarte. Aber nicht Visa oder Amex, sondern allein Mastercard. So in etwa.
Das Problem mit den Pöbeleien bzw. strafbaren Inhalten muss man anders lösen.
Stimme dem Vorredner zu.
Wenn ich mal von mir ausgehe: Die Diskussionen sind AUCH wichtige Inhalte für mich.
Ich beteilige mich auch gerne daran (wenn ich denke etwas sinvolles dazu beizutragen) aber diese FB-Nummer von Stern ist nicht nachvollziehbar, wird von mir nicht unterstützt.
Ist für mich Gängelung von der unannehmbaren Art.
Da wir die Auswahl haben mein Fazit = Ich gehe lieber auf http://www.spiegel.de und schaue da rein.