Palm mit desaströsem Jahresergebnis. Trendwende alleine durch das Pre?

Tiefrote Zahlen bei Geschäftsergebnissen sind normalerweise ein Grund dafür, dass Aktienkurse ins Bodenlose stürzen und diverse Manager mit Abfindungen hinauskomplimentiert werden. Bei Palm ist alles ganz anders. Trotz erneuter Horror-Verluste jubeln die Analysten, denn es gibt Hoffnung.

Und die heißt ganz konkret “Palm Pre”. Das neue Smartphone, das seit dem 6. Juni auf dem US-Markt verkauft wird, scheint die Anleger zu beruhigen, auch wenn Palm davon erst geschätzte 150.000 Stück verkauft hat. Die Finanzmeldungen klingen wie aus der Geisterbahn: Palm setzte im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/09 mit 736 Millionen US-Dollar ganze 45 Prozent weniger um als im Vorjahr. Man fragt sich, wie es möglich ist, aber die Verluste übersteigen den Umsatz noch: 753 Millionen Dollar.

Palm PreWeil Finanzanalysten aber gar noch Schlimmeres befürchtet hatten, wurden ihre Erwartungen damit gewissermaßen übertroffen. Die Palm-Aktie kletterte nach Bekanntwerden der Ergebnisse um zehn Prozent nach oben. Dabei hütete sich der neue Unternehmenschef, iPod-Erfinder Jon Rubinstein, irgendein grobes Datum in Aussicht zu stellen, wann wieder schwarze Zahlen zu erwarten seien. Es klang nicht einmal so, als wäre das in absehbarer Zeit der Fall.

Letzte Ausfahrt Übernahme?

Das einzige, was noch irgendwie positiv klingt, ist die Zahl der Smartphone-Verkäufe: Mit 351.000 Geräten verkaufte Palm im vierten Quartal damit sechs Prozent mehr als im dritten Quartal, aber peinliche 62 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die etwa 150.000 Kunden des Palm Pre sorgten derweil für eine Überraschung: Seit dem Marktstart vor knapp drei Wochen luden sie bereits 1 Million Apps aus Palms neuem App Store. Und das, obwohl dort überhaupt erst 30 Apps zur Auswahl stehen. Das dürfte frustrierte iPhone-App-Entwickler vielleicht animieren, statt bei Apple bei Palm ihr Glück zu versuchen.

Das Unternehmen Palm jedenfalls hat die ganz eigene Wirtschaftskrise noch lange nicht überwunden. So sehr ich mich auf das Palm Pre freue, bezweifle ich, dass das Unternehmen alleine mit dem neuen Gerät die Wende schafft. Es sieht mir eher so aus, als wäre Palm einzige Rettung, von einem liquideren Konzern geschluckt zu werden. Dell hatte vor einigen Wochen bereits bestimmte Andeutungen in die Richtung gemacht.