ORF will Futurezone dichtmachen (Update)

Private Verleger gegen öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Die Schlacht ums Internet tobt auch im Ausland. Eines der Opfer: Das IT-News-Portal FutureZone, das vergleichbar mit deutschen Angeboten wie “Golem” oder “heise online” ist. Der ORF (Österreichischer Rundfunk) will FutureZone und andere Webseiten dicht machen, um im Gegenzug mehr Online-Werbung schalten zu dürfen.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist in Österreich weitgehend ähnlich organisiert wie hierzulande. Der ORF finanziert sich wie in Deutschland aus Rundfunkgebühren, die allerdings je nach Bundesland etwa 17 bis 22 Euro betragen und nur zu zwei Dritteln an den ORF fließen – der Rest geht unter anderem in die Kulturförderung. Ebenfalls wie in Deutschland hat der ORF einen Bildungs- und Grundversorgungsauftrag, aber anders als ARD und ZDF darf er auch nach 20 Uhr und an Feiertagen Werbung senden.

Und ganz genau wie in Deutschland beklagen Verlage und Herausgeber eine Marktverzerrung, weil der ORF aus Gebührengeldern News-Seiten im Web produziert, also textlastigen Online-Journalismus, der mit TV oft nur noch am Rande zu tun hat. Offenbar waren hier die Regeln bisher weniger streng als in Deutschland, wo ARD und ZDF nur “begleitende Inhalte” ins Netz stellen dürfen, aber keine vollumfänglichen Newsportale.

Ich lese und zitiere FutureZone außerordentlich gerne – unter anderem, weil der ausländische Blick auf deutsche netzpolitische Themen (über die umfassend berichtet wird) sich oft durch erfrischende Distanz auszeichnet. Man kann jetzt trefflich streiten, ob FutureZone eine tolle Webseite ist, die hilft, den Bildungsauftrag des ORF zu erfüllen, oder ein Angebot, das aus Zwangsabgaben finanziert ist und zugleich private Anbieter am Markt schädigt.

Jenseits dieser Streitfrage empfinde ich die Entscheidung, FutureZone zu schließen, ziemlich ernüchternd. Der ORF macht das nämlich nicht, weil er dazu gezwungen wäre, sondern bietet die Schließung der Seite freiwillig an, um im Gegenzug die Erlaubnis zu erhalten, auf anderen Webseiten mehr Online-Werbung schalten zu dürfen – natürlich ebenfalls auf Webseiten, die aus den zwangsweise erhobenen Rundfunkgebühren finanziert werden. Bisher war dem ORF nur erlaubt, bis zu 20 Mio. Euro im Jahr mit Online-Werbung einzunehmen. Dieser Betrag soll auf 25 Mio Euro steigen. Zum Vergleich: ARD und ZDF dürfen auf ihren Seiten keinerlei Online-Werbung schalten, außer es handelt sich um Eigenwerbung.

Werbegelder vor Bildungsauftrag bei einem öffentlich-rechtlichen Sender: Das, liebe Fernsehmacher, ist ekelhaft.

Update: Mittlerweile gibt es eine Petition zur Rettung der FutureZone, bei der auch Nicht-Österreicher mitzeichnen können.


 
 
 

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