Böses Bargeld

Erinnert ihr euch noch an den spektakulären Raub in Schweden, bei dem die Täter mit einem Hubschrauber flüchteten? Die Polizei konnte damals nicht gleich die Verfolgung aufnehmen, da sie mit einer Bombenatrappe am Hangar mit der bezeichnenden Aufschrift „Bombe“ zu kämpfen hatte. Später waren die Ermittlungsbehörden der öffentlichen Kritik ausgesetzt, als zusätzlich bekannt wurde, dass der serbische Geheimdienst BIA die Schweden bereits vor dem Coup gewarnt hatte.

„Es ist einfach nur peinlich, wenn Kriminelle die Polizei mit einem Trick wie aus einem Kinderkrimi austricksen können“ - Aftonbladet via SZ

Wenige Tage später wendete sich das Blatt und die schwedische Polizei konnte einige Verdächtige verhaften. Auch sonst sind in Schweden die Überfälle scheinbar häufig – jeder vierte Angestellte mit Kundenkontakt soll aus eigner Erfahrung von einem berichten können. Jetzt hat man die Quelle des Übels erkannt: das Bargeld, und versucht politisch dagegen Stimmung zu machen. Denn nur dadurch käme es zu Überfällen. Und wenn es kein Bargeld gäbe, dann könne es auch nicht geraubt werden, so die Argumentation der Lobbyisten.

„Wer Bares besitzt, hat etwas zu verbergen“ - Spiegel Online

Ebenso macht man die Existenz von Bargeld für Schwarzarbeit, Geldwäsche und Prostitution verantwortlich. Ja, Prostitution ist in Schweden strafbar. Carin Götblad, die Polizei-Präsidentin von Stockholm, betrachtet Bargeld als „das Blut in den Adern der Kriminalität“. Da ist es kaum verwunderlich, dass die Abschaffung von Bargeld von manchem als Maßnahme für den Arbeitsschutz verstanden wird.

Doch was würde passieren, wenn man die schwedische Krone von heute auf morgen als Zahlungsmittel verbieten würde?

Die Akzeptanz von bargeldloser Zahlung ist sicher hoch genug, um dennoch im Supermarkt oder in Kaufhäusern an Waren zu kommen bzw. diese zu verkaufen. Darunter leiden würden kleinere Geschäfte, die bisher nicht auf ein elektronisches Zahlungsverfahren umgestellt haben.

Aber würde dadurch das organisierte Verbrechen – blutleer – zum Erliegen kommen, wie man nach der Formulierung von Carin Götblad annehmen könnte?

Wohl eher nicht! Zwar mag Bargeld relativ praktisch sein, doch würde der Tauschhandel von Edelmetall gegen Diamanten gegen Juwelen gegen Drogen gegen sonstige illegale Waren oder Dienstleistungen nur bei kleineren Zahlungen komplizierter. Zudem müsste man die Einfuhr und den Besitz von Fremdwährung, wie etwa Euro oder Dollar, verbieten. Sonst wäre mit einer Situation wie früher in Urlaubsgebieten zu rechnen. Zwar könnte man nicht in schwedisches Bargeld wechseln, doch gerade kleine Händler könnten einfach Euro oder Dollar als Zahlungsmittel akzeptieren.

Wieder muss man sich fragen, welche Vorwände vorgeschoben werden, um vermeintlich verlorengegangene Kontrolle zurückzugewinnen. Einfache Lösungen sind ja gerade bei Politikern beliebt und ob überhaupt der gewünschte Effekt eintritt, ist nachrangig, solange damit Handlungsfähigkeit demonstriert werden kann. Wenn man Jahre später feststellt, dass der negative Effekt größer ist, dann will es einfach keiner gewesen sein.


 
 
 

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