Cyberkrieg im wahrsten Sinne des Wortes: Hacker legten gestern wichtige Social-Media-Dienste wie Twitter und Facebook für mehrere Stunden lahm. Erste Vermutungen, dass die Angriffe mit dem Jahrestag des Kaukasus-Krieges zwischen Russland und Georgien zusammenhängen, scheinen sich zu bewahrheiten: Sie dienten offenbar dazu, nur einen einzigen Mann verstummen zu lassen.

Wie Facebooks Chief Security Officer Max Kelly dem Online-Magazin CNet mitteilte, ging es den Angreifern darum, einen georgischen Blogger mit dem Namen “Cyxymu” mundtot zu machen. Der Name ist gleichzeitig eine Stadt in Georgien. Der Facebook-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern, wer für die Angriffe in Frage kommt. Es deutet natürlich vieles auf russische Angreifer hin. Cyxymu selbst schreibt in seinem Twitter-Account recht plakativ, es sei der KGB gewesen. Der existiert allerdings seit 1991 nicht mehr.

Cyxymu hat jeweils einen Account bei Twitter, Facebook, LiveJournal und YouTube. Diese drei vier Websites wurden von den Angriffen gestern am stärksten heimgesucht. Cyxymus LiveJournal-Account lädt bei mir im Moment immer noch nicht. Facebook soll nach Angaben von CNet allerdings in der Lage gewesen sein, Cyxymus Account auch während der DDoS-Angriffe für die Kaukasus-Region und weite Teile der Welt stabil zu halten.

Wer Cyxymu ist und was ihn in den russisch-georgischen Spannungen so brisant macht, ist zur Stunde noch unklar. Wir bleiben aber an der Sache dran. Der Kaukasus-Konflikt zwischen Russland und Georgien jährt sich heute zum ersten Mal.

Update, 14:18 Uhr: Inzwischen ist einiges über den Blogger bekannt geworden. Cyxymu wohnt in der georgischen Hauptstaft Tiflis, hat sich aber nach der Stadt Suchumi in der georgischen Schwarzmeer-Provinz Abchasien benannt, in der 1993 schon einmal georgische gegen pro-russische Einheiten kämpften und zahlreiche Zivilisten starben. In seinem Blog schreibt er auf Seiten Georgiens über die Konflikte mit Russland. Inzwischen gehen IT-Experten davon aus, dass nicht alleine ein DDoS-Angriff die Netzwerke in die Kniee gezwungen hat, sondern Spammer die Aktion unterstützt haben. Cyxymus Blog auf LiveJournal ist von diesem Rechner aus weiterhin nicht erreichbar.


 
 
 

4 Kommentare zu “Starkes Stück: Angriffe auf Twitter und Facebook galten offenbar nur einem georgischen Blogger (Update)”

  1. Paule - 7. August 2009 um 12:40

    [...] jeweils einen Account bei Twitter, Facebook, LiveJournal und YouTube. Diese drei Websites wurden [...]

    Mathe:
    Setzen, Sechs

  2. Jürgen Vielmeier - 7. August 2009 um 12:47

    Jajaja. ;) Hab YouTube bei der zweiten Recherche noch ergänzt und dann die “drei” übersehen. Danke für den Hinweis, ist korrigiert! :)

  3. Henning - 7. August 2009 um 13:24

    Schon krass, dass das alles nur einer Person galt. Aber letztlich doch ein Schuss ins Knie, denn so groß wie jetzt wäre die mediale Aufmerksamkeit für den “Jahrestag” sonst wohl nicht gewesen – zumindest mal in der Web-2.0-Welt, aber die nimmt man dort ja offenbar ernst genug.

  4. jan - 7. August 2009 um 17:27

    Ist doch ganz praktisch, kann ja die Bundesregierung gleich mal nachfragen, wie man in der heißen Phase des Wahlkampfs auch hier Twitter, Facebook usw. attackieren kann, wenn sich die Stimmung, dann doch zu sehr gegen die etablierten und zu unrecht legitimierten Parteien richten!

    Ist die Lage doch schon irgendwie schwierig, wenn man sieht, dass die Regierung die MeinungsBildenden Medien im Kanzleramt darum gebeten hat, die Wirtschaftliche Lage nicht ganz so dramatisch schlecht aussehen zu lassen und die Leute dann auf die Idee kommen sich über Twitter, Facebook usw. die Wahrheit zukommen zu lassen!

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