“Face” als Marke und der Lamebook-Zwischenfall: Will Facebook das Gegenteil von Google – also “Just be evil” oder machen die Entwickler einfach nur tollpatschige Fehler? Die Skandale und Skandälchen der letzten Monate empfinde viele als Pannenserie. Ich glaube mittlerweile, dass Methode dahinter steckt: Zuckerberg testet seine Grenzen und tut einfach alles, wofür es nicht allzu viel Prügel gibt, solange es Profit bringt.
Zum Beispiel das Wort “Face” als Marke sichern lassen. Die ganz große Überaschungs ist das nicht, schließlich gibt es ja auch so “dämliche” Marken wie Windows oder Apple. Trotzdem: nur das Wort “Face”, wo der Laden doch “Facebook” heißt, geht ein wenig weit. Während es gestern noch hieß, Facebook habe die Marke nur beantragt, scheint die Sache mittlerweile durch zu sein. Fragt sich nur, was sie mit der Marke wollen. Mit Apple ein iFace bauen? Soll man Facebook künftig auf Facepads bedienen oder unterwegs von Facephones aus? Zuckerberg könnte versuchen, all diese Begriffe an diverse Hersteller zu lizensieren.
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OK, das ist mehr so mittel-evil – andere große Konzerne reizen auch ständig die Möglichkeiten von Marken- und Patentrecht aus. Wesentlich übler erscheint mir die Geschichte mit Lamebook. Das ist eine Facebook-Parodie und wie jede Parodie, etwas worauf Zuckerberg stolz sein sollte trotz der satirischen Seitenhiebe. Wer parodiert wird, hat was geschafft. Facebook reagierte aber dünnhäutig und zensierte mal eben für ein paar Stunden das Wort “Lamebook”.
Hinterher soll alles nur ein Fehler gewesen sein. Das kann ich mir schlecht vorstellen. Ein Wort auf der ganzen Plattform filtern – das kann eigentlich nur funktionieren, wenn die Entwickler bei Facebook explizit einen solchen Filter programmiert haben. Dass er kurz scharf war, mag ein Unfall gewesen sein, aber das eigentlich erschreckende ist: der Filter existiert und kann offenbar beliebige Wörter zensieren. Es klingt geradezu als will Facebook in Zukunft unbedingt evil sein.
Damit ist klar, dass man Facebook keine relevante Kommunikation anvertrauen kann und bei der guten alten Mail bleiben sollte. An die Pinnwand gehören wirklich nur LOLcat-Bilder und Artverwandtes wie einen Like für diesen Artikel. ;)
Hi, wollte nur darauf hinweisen, dass solche Wortfilter nichts neues sind. Bereits frühe Foren und Gästebücher boten die Möglichkeit „schlimme Wörter“ auszufiltern. „Evil“ wird’s erst, wenn man solche Möglichkeiten missbraucht und das ist hier offensichtlich geschehen. VG
Natürlich sind Wortfilter nichts neues und ich bin normalerweise auch sehr vorsichtig mit Zensurgechrei: Jeder hat das auf seiner Webseite das “Hausrecht”, finde ich und muss selber entscheiden, wann er welche Kommentare löscht. (Hier lösche ich nur, was ich für strafrechtlich problematisch oder beleidigend halte.) Problem: Wie sieht es mit dem Hausreicht einer Privatfirma wie Facebook aus, wenn diese aber 500.000 Millionen Nutzer hat und damit zugleich als öffentliche Infrastruktur angesehen werden kann? Hierzu auch: http://mspr0.de/?p=1853