31. März 2009 - Jürgen Vielmeier
Hach, ich hatte schon die Schlagzeile “Microsoft unterliegt Open-Source-Projekt” in die Titelleiste eingetippt, aber das hätte die Linux-Gemeinde wohl falsch verstanden. Dabei stimmt die Schlagzeile so weit, und sie ist eine kleine Sensation: Microsoft stellt seine teils kostenpflichtige Online- und Software-Enzyklopädie “Encarta” ein. Die Encarta-Website soll am 31. Oktober abgeschaltet werden. Nicht explizit, aber doch sehr wahrscheinlich, weil man gegen Wikipedia keine Chance mehr hat.
Offiziell teilt Microsoft in den FAQ zu Encarta mit, dass der Stellenwert großer Enzyklopädien sich verändert habe. Die Art, wie Menschen heute Informationen aufnähmen, sei deutlich anders als noch vor einigen Jahren. Das Geld, was Microsoft bislang für den Zugang der Menschen zum Wissen verwendet habe, solle nun anders ausgegeben werden. Wie genau, verrät der Softwarekonzern nicht.
Nur noch einer Quelle vertrauen zu können, ist keine schöne Vorstellung
Der Schritt ist nachvollziehbar, hinterlässt bei uns aber ein ebenso zufriedenes wie bedenkliches Gefühl. Auf der einen Seite ist es schön, dass ein Open-Source-Projekt endlich einmal gegen Microsoft gewonnen hat. Und das ist kaum einem Projekt mehr zu gönnen als der spendenfinanzierten Wikipedia, die innerhalb weniger Jahre zur umfassendsten und wichtigsten, aber vor allem auch zu einer guten Informationsquelle geworden ist. Das US-Branchenblog Techcrunch bemerkt passenderweise und nicht ohne Häme, dass man bei Wikipedia bereits über das Ende von Encarta lesen kann – ganz im Gegensatz zum Eintrag über Encarta auf Encarta.
Auf der anderen Seite hoffen wir inständig, dass das Beispiel Encarta keine Schule macht und die anderen traditionellen Enzyklopädien nicht ebenfalls die Flinte ins Korn werfen. Nachdem auch Meyers Lexikon vor wenigen Tagen seinen Dienst eingestellt hat, könnte nun ein Domino-Effekt eintreten. So sehr wir Wikipedia auch schätzen: Das Online-Lexikon ist nicht fehlerlos, sogar recht leicht manipulierbar. Und allein die Vorstellung, dass es nur noch eine einzige Quelle geben sollte, der die ganze Welt vertraut, obwohl sie vielfach auf Laienwissen beruht, ist nicht angenehm.
Gedrucktes Lexikon ist tot
Deswegen drücken wir einerseits Wikipedia die Daumen für weiterhin gutes Gelingen und gute Inhalte, und hoffen andererseits, dass uns mit den Online-Projekten von Brockhaus, Encyclopedia Britannica und Co. die Vielfalt erhalten bleibt.
Das gedruckte Lexikon jedenfalls dürfte tot sein. Oder benutzt so etwas noch jemand von Euch? Mein 24-bändiges Goldmann-Lexikon jedenfalls wird in diesen Tagen ausrangiert. Etwa im Jahr 1996 gekauft, war es damals der letzte Schrei, weil die Preise endlich fielen und Nachschlagewerke für die breite Masse erschwinglich wurden. Lang, lang ist’s her.




Da Wikipedia immer noch zu Wikileaks.org verlinkt, wird in Kürze auch Wikipedia kaputt-geklagt/-beschlagnahmt/-gesperrt werden.
Dann geht’s wieder aufwärts mit den kommerziellen Lexika.
[...] Microsoft stellt Enzyklopädie Encarta ein via heise online Vielmeier, Jürgen: Gegen Wikipedia chancenlos: Microsoft stellt Encarta ein auf FreshZweiNull Microsoft beerdigt Encarta bei Spiegel Online Microsoft gibt sich Wikipedia [...]
Wär’s kein Goldmann, hätt ich es haben wollen. Macht sich immernoch unglaublich gut als Staubfänger im Regal, oder super zum intelligent aussehen lassen.
Ich bin ebenfalls geteilter Meinung, was diese News angeht. Zum Einen ist es natürlich schön zu hören, dass Wikipedia sich tatsächlich gegen alle konventionellen Medien und Enzyklopädien durchgesetzt hat. Zum Anderen ist und bleibt Wikipedia einfach eine Quelle, welcher man nicht voll ganz vertrauen kann. Viel zu häufig werden auf den Seiten von Wikipedia bewusst falsche Einträge geschrieben oder Einträge manipuliert. In manchen Fällen will man bei der Suche nach einer Definition einfach eine fundierte Antwort haben, auf welche man sich beziehen kann.