Alle Beiträge von Jürgen Vielmeier

Linkspolitiker lässt Wikipedia sperren

Aufregung am Wochenende: Linkspartei-Politiker Lutz Heilmann hat mit einer einstweiligen Verfügung die Adresse wikipedia.de sperren lassen, weil er mit dem Eintrag über ihn in der Online-Enzyklopädie sein Persönlichkeitsrecht verletzt sah. Wikipedia.de war deswegen übers Wochenende nicht erreichbar. Die Seite leitet jedoch nur auf den Hauptserver in den USA weiter, wo die deutsche Version de.wikipedia.org unangetastet blieb. Auch der Eintrag über Heilmann war dort abrufbar, wurde aber am Samstag praktisch im Fünf-Minuten-Takt verändert und schließlich um die strittigen Passagen gekürzt. Heilmann erklärte den Rechtsstreit mit dem Wikipedia-Betreiber Wikimedia daraufhin für beendet; wikipedia.de sollte inzwischen wieder erreichbar sein. Ursache des Streits waren offenbar Passagen, nach denen Heilmann seine Stasi-Vergangenheit als Personenschützer jahrelang verschleiert haben soll. Ferner stand in dem Beitrag der Vorwurf, seine Immunität sei aufgehoben worden, nachdem er einen Bekannten per SMS bedroht habe. Heilmann bestreitet beides. Blogger echauffieren sich am Wochenende vor allem über Heilmanns Verhalten und sehen die Meinungsfreiheit gefährdet. Wikipedia erlebt dank des Hypes einen Spendenrekord von 16.000 Euro am Tag statt der sonst üblichen 3.000 bis 3.500.

heise.de (Sperrung), spiegel.de (Ende des Rechtsstreits), de.wikipedia.org (Eintrag über Heilmann), mein-parteibuch.com (Hintergrund)

MSN startet kostenloses Filmportal in Deutschland

Paukenschlag: Während viele Sender sich zieren, andere Anbieter rätseln, und die Konkurrenz noch plant, ist Microsoft schon einen Schritt weiter. Die Internet-Tochter MSN bietet seit heute eine Auswahl von Spielfilmen und Serien zum Online-Anschauen an – kostenlos und werbefinanziert. Die Auswahl ist anfangs noch sehr überschaubar: Einige hundert Filme, hauptsächlich zweiter Klasse, ältere Cartoons und Serien sind im Angebot. Es gibt aber auch ein paar Hochkaräter darunter, wie “Blade”, “Good Will Hunting” und “American History X”. Microsoft ist mit diesem kostenlosen Angebot der erste auf dem deutschen Markt. Maxdome, Videoload und bald auch Apple stellen Spielfilme und Serien nur kostenpflichtig zur Verfügung. Apple hat angekündigt, mit kostenfreien Angeboten in Kürze nachzuziehen. Ein zweites Hulu ist aber auch der MSN-Moviedienst nicht: MSN will die Filme mit bis zu zwölf Minuten Werbung pro Stunde unterbrechen, also etwa die gleiche Menge, die auch im Privatfernsehen erlaubt ist. Gut möglich, dass das den Zuschauern schnell auf die Nerven geht. Allemal aber sollte Microsofts Vorstoß ein Weckruf für die TV-Sender sein, ihr Angebot endlich auch im Internet auszustrahlen – nur bitte mit anderen Werbeformen als Werbeblöcken mitten im Film.

movies.msn.de, heise.de

Ideen zu verschenken: Tasterati – Last.fm für Nachrichten

Wir geben’s zu: Auch wenn die Serie “Ideen zu verschenken” unsere Erfindung ist, haben auch andere Menschen zuweilen Ideen: Diese hier stammt von Medienentwickler Alexander Graf: Last.fm ist eine beliebte Software, die Musik nach Genre abspielt, dabei lernt, was wir gerne hören und nach und nach immer mehr auf unseren Geschmack eingeht. So etwas müsste es auch für Nachrichten geben, so Grafs Idee: Ein Webservice, der uns nur die Nachrichten aus Online-Magazinen liefert, die uns interessieren und die für uns relevant sind. Das würde uns dabei helfen, die immer größer werdende Informationsflut endlich einzudämmen. Graf hat das Projekt namens Tasterati bereits ausführlich skizziert, aber die Umsetzung ist leider in einer frühen Phase stecken geblieben. Mag ihm bitte jemand ein paar Millionen Dollar Risikokapital geben, damit er das fertig entwickeln kann?!

blog.kassenzone.de, basicthinking.de

Studenten forschen nach missachteten Themen

Noch bis morgen bietet die Initiative Nachrichtenaufklärung einen kostenlosen Exklusiv-Service im Web an*: Studenten der Unis Dortmund und Bonn überprüfen Themen, die in den Medien zu selten oder gar nicht vorkommen. Die Initiative sammelt die zehn meist genannten Vorschläge, stellt sie Anfang 2009 in einer Rangliste vor und recherchiert sie nach. Was ist zum Beispiel heute in den Krisenregionen Südossetien, Darfur oder Myanmar los? Wie sieht es in Deutschland mit Korruption und Schmiergeldern aus? Wie regieren Reeder die Welt? Sie können jede Art von Vorschlag noch bis zum 15. November, also morgen, hier online einsenden.

der-blinde-fleck.de via blog.kooptech.de

* Okay okay, streng genommen ist es ein “Wettbewerb”, aber das klingt nicht wirklich sexy. Und wahrscheinlich gab es deswegen in den letzten Jahren immer zu wenig Einsendungen, was schade ist und sich vielleicht ändern lässt, indem man dem ganzen einen attraktiveren Namen gibt.

Audio-YouTube: Die 15 besten Podcast-Suchmaschinen

YouTube und seine Konkurrenz blühen und gedeihen, für Blogs gibt es Technorati und Rivva. Personen-Suchmaschinen erfassen nach und nach auch Daten aus sozialen Netzen. Keine Frage also: Web-2.0-Beiträge lassen sich bestens aufspüren, und beliebt sind sie auch. Nur, was ist eigentlich mit Podcasts? Nach wie vor produzieren Amateure, Halbprofis und Fachleute täglich Hörbeiträge – die aber meist überhaupt nur von Eingeweihten gefunden werden. Es mangelt an guten Suchmaschinen, eben einem YouTube für Audios. Freshzweinull-Chefredakteur Jürgen Vielmeier hat sich auf die Suche gemacht und schließlich 15 Audio-Suchen gefunden. Barack Obama stand als Suchbegriff Pate. Im Test kann es aber lediglich eine einzige wirklich mit YouTube aufnehmen. Weiterlesen

“Von der BBC abgeschrieben”: Reporter wird YouTube-Held

Der britische Nachrichtenreporter Adam Smith von der “Birmingham Mail” wird derzeit zum tragischen Helden auf YouTube. Er war am Abend von Barack Obamas Wahl zum Präsidenten auf einer Party im angetrunkenen Zustand interviewt und gefilmt worden. Im Video erklärt er, dass er die Zitate für seinen Text von der BBC abgeschrieben habe, auf diese Weise kündigen wolle und lieber ein eigenes Magazin herausbringen würde. Am nächsten Morgen versuchte er in einem weiteren Video, den Mist zurück in den Gaul zu befördern. Er sei im Urlaub gewesen und habe nicht von der BBC abgekupfert. Sprach aus dem Wein die Wahrheit, war es bloß britischer Humor oder einfach nur das Gerede eines Betrunkenen, das man um Himmels Willen nicht so ernst nehmen sollte? Sein Arbeitgeber teilte der “Times” mit, über Smiths Zukunft müsse man intern entscheiden (65 Jobs sollen bei der Zeitung ohnehin gestrichen werden). Plagiate würden natürlich nicht geduldet, aber man glaube auch nicht, dass Smith wirklich abgeschrieben habe. Was glauben Sie?

timesonline.co.uk, Video mit Smith Teil 123