Mini-Test: eBook-Reader Sony PSR 350

Ich liebäugele jetzt schon seit Monaten mit einem eBook-Reader mit eInk-Display, um darauf schlicht und ergreifend Bücher zu lesen. Blogs und Zeitungen fände ich noch toll, das genügt. Tablets taugen zu diesem Zweck wegen der geringen Akkuleistung (Stunden vs. Wochen) und ihrem Gewicht. Wer schonmal mit einem Tablet im Bett gelegen hat, weiß, was ich meine.

Erste Wahl ist ja das Kindle von Amazon, das recht positiv besprochen wird, besonders auch wegen des sehr guten Displays. Einziger Nachteil: Man bindet sich als Kunde auf Gedeih und Verderb an Amazon. Freie Formate wie EPUB kann das Kindle nur nach Konvertierung darstellen und es kann auch schonmal vorkommen, dass Amazon ein bereits erworbenes Buch wieder löscht.

Bis vor kurzem war die einzige Variante unter 200 € das Oyo, das überwiegend von Thalia vertrieben wird. Einerseits liefert man sich wieder einer großen Kette aus, andererseits beherrscht das Oyo mehr Formate. Die Kette steht wegen der Verdrängung kleiner Buchhändler in der Kritik – allerdings sollte man hier ehrlich bleiben: Das e-Book ist so oder so das Ende des Buchhandels wie wir ihn kennen, egal ob der Bücherkauf nun über Amazon oder einen anderen Anbieter abgewickelt wird.

Beide Reader sind deshalb so preiswert, weil sie vom Hersteller subventioniert werden. Puristen wünschen sich ein Gerät eines unabhängigen Herstellers, um eBooks aus verschiedenen Quellen erwerben zu können. Da fällt dann meistens der Name Sony (den wir gerade wegen des Playstation-Hacks, vieler vieler gesperrter Youtube-Videos und etlicher anderer Geschichten auch nicht so wirklich lieb haben).

Natürlich war ich neugierig, als ich sah, dass Saturn den Sony PSR 350 für derzeit 159 € anbietet, was auch dem Preisvergleich standhält. In der örtlichen Filiale konnte ich kurz mit ihm spielen und war sehr enttäuscht. In der Ganzseitendarstellung ist der Text zu klein und zu pixelig, um ihn sinnvoll lesen zu können. Wechselt man in die nächst größere Darstellung, ist er schon viel zu riesig. Die schlechte Qualität der Schriften schmerzt wahrscheinlich nicht nur Typographen. Haben die Designer des Gerätes noch nie ein Buch in der Hand gehalten?

Dann habe ich noch etwas gemerkt: Ich möchte keinen Touchscreen am Reader. Direkt auf der Seite rumtippen oder rumschmieren fühlt sich für mich unangenehm an, wenn es sich um etwas papierähnliches handelt und nicht um die kühle Glasplatte eines Tablets. Als ob ich Fettflecken in einem Buch hinterlassen würde. Insgesamt reagierte dann das Gerät auf meine Eingaben dermaßen träge, dass ich schonmal sagen kann: Werd ich nicht kaufen.

Was habt ihr bisher für Erfahrungen mit Readern gemacht? Welche mögt ihr? Plant ihr einen Kauf? Ich werde sicherlich noch mehr zu dem Thema schreiben und freue mich über Kommentare und Hinweise aller Art.

9 Gedanken zu „Mini-Test: eBook-Reader Sony PSR 350“

  1. Hej Enno,
    also ich hab schon seit Dezember 2009 einen PRS-505 von Sony und der hatte mich damals nur 199 Euro gekostet… kriegste jetzt für um die 120 Euros rum, glaube ich.
    Bin sehr zufrieden damit – kein Touchscreen (mag ich auch nicht), kein Schnickschnack (hat man bei nem Buch auch nicht :P) und Du hast für Schriftgrößenauswahl drei Stufen zur Auswahl. Formate kannste eigentlich so ziemlich alles nutzen – ich bevorzuge epub oder rtf, pdf (wenns nicht dem Reader angepasst ist) ist etwas gewöhnungsbedürftig, weil man alle zwei Seiten nur die Hälfte Text auf einer Seite hast (hat mich anfangs ziemlich gestört, mittlerweile bin ich da wohl etwas abgestumpft :P). Und dann gibts ja noch das sonyeigene lrf-Format…
    Hatte damals auch nen Blogeintrag geschrieben (http://blog.max-fun.de/2009/12/05/brand-new-toy/), hilft Dir aber wahrscheinlich nicht so sehr weiter?
    Kannst Dir den PRS-505 ja mal in live anschauen kommen… :P

  2. Ich habe seit Ende März den “großen Bruder”, den Sony PRS-650, und muss ehrlich sagen, dass ich begeistert bin: Größe, Gewicht und das Gefühl in der Hand finde ich genau richtig. Die kleinere Version hätte es für mich nicht sein dürfen.

    In dieser Größe ist kann man für meinen Geschmack sehr angenehm auf dem Bildschirm lesen. Soweit ich weiß, werden im Kindle 2 und im PRS-650 identische Displays verbaut; beim PRS kommt aber noch der IR-Touchsensor dazu, der anders als bei den Vorgänger-Modellen keine zusätzliche Schicht / Folie benötigt. Die Touch-Bedienung reagiert in der Tat ein wenig Träge, ist aber durchaus noch akzeptabel. Zum Umblättern können alternativ auch die Hardware-Tasten verwendet werden.

    Abgerundet wird das ganze Paket noch durch Musik-Wiedergabe, Notizfunktion und integrierte Wörterbücher. Außerdem beherrscht der PRS (so ganz untypisch für Sony) alle wichtigen eBook-Formate, inkl. EPUB mit Adobe-DRM. Das Angebot an E-Books im EPUB-Format ist mittlerweile riesig und auch etliche Zeitungen bekommt man in diesem Format. Ich habe z. B. die Zeit (direkt auf zeit.de) als E-Paper abonniert. Ein großes Angebot an Zeitschriften und Zeitungen bietet auch pageplace.de.

    Damit dieser Beitrag nun nicht zu sehr nach Werbung klingt (ich werde nicht bezahlt, ich bin wirklich begeistert), hier auch noch die zwei größten Nachteile: Im Gegensatz zum Kindle kann beim PRS nicht direkt über das Gerät Content gekauft und heruntergeladen werden; das muss zwangsweise über den Rechner geschehen. Außerdem ist der Preis mit aktuell 229,- EUR sehr hoch.

  3. Ich habe meinen PSR 350 jetzt seit knapp einem halben Jahr und bin eigentlich sehr zufrieden damit, auch wenn ich wegen des großen Amazon-Angebots schon hin und wieder den Mauszeiger über den Kaufen-Button beim Kindle habe kreisen lassen. Das Schriftbild ist klar und angenehm, die Touchfunktion recht vorteilhaft, vor allem wenn es darum geht, Notizen mit dem kleinen Stiftchen im Text zu machen. Das kann man hier nämlich wie in einem richtigen Buch, sieht auch so aus.

    Das einzige, was mich wirklich stört, ist die inkonsistente Akku-Leistung des Geräts. Zwar kommt sie schon recht häufig in die Nähe der versprochenen zwei Wochen. Aber manchmal sind es dann doch nur drei oder vier Tage. Laut diverser Foren kann das viele verschiedene Ursachen haben: unvollständiger Ladevorgang, obwohl das Gerät “fertig” signalisiert; oder schlecht formatierte Bücher, die irgendwelche Hintergrundvorgänge auslösen. Wie auch immer, das kann ärgerlich sein und eine befriedigende Antwort darauf habe ich vom Hersteller noch nirgends gelesen.

    Trotzdem kann ich sagen, dass mir das Gerät schon sehr viel Freude gemacht hat.

  4. @JL Danke für den Kommentar. Wie bekommst du den Text auf lesefreundliche Größe? Ich fand nur die Stufen wie in der Abbildung. Beide eine Zumutung.

  5. Also meine Frau ist sehr begeistert von ihrem Cybook Opus, der sehr leicht, sehr kompakt und robust ist und dessen Display wirklich gut darstellt. Kein Touchscreen, aber den braucht sie auch nicht. Ich selbst nutze den Sony Reader in der grossen Touchscreen Version und will auf den Touch aspekt einfach nicht mehr verzichten, da er die Benutzung viel angenehmer macht. Amazon plant übrigens wohl, demnächst auch das epub Format anzubieten.
    Und wenns bunt sein soll, dann lese ich das eine odere andere Buch oder Magazin auch auf meinem Galaxy Tab. Ich persönlich habe nicht so viele PRobleme mit LCD wie scheinbar der Rest der lesenden Welt.

  6. @Enno Park. Die beiden Formate in der Abbbildung sind eher untypisch, ersteres sieht nach einem PDF aus, die sind nach meiner Erfahrung wirklich etwas sperrig, was die Anpassung betrifft, daher empfiehlt sich die Konvertierung in ePub (mittels calibre z.B.). Dabei kann es allerdings passieren, dass es so heraus kommt, wie das rechte Beispiel. So sehen übrigens auch viele der selbstfabrizierten Bestseller-eBooks aus, die es auf rapidshare etc. “umsonst” gibt – kein wirkliches Lesevergüngen. Es gibt sicher einen Weg, die Bücher sauberer und ansehnlicher zu konvertieren (von pdf nach epub), aber das erfordert etwas Recherche. http://www.mobileread.com/ ist da eine gute Adresse.
    Allerdings sollte es diesen Aufwand gar nicht brauchen: Klassiker findet man auf besagtem Forum und auch bei diversen Online-Händlern sehr schön formatiert (auch umsonst, aber legal) und die machen in er Regel in allen Ansichten Spaß, die der Reader bietet (gut, XS und XXL habe ich auch noch nicht groß genutzt). Und bei gekauften DRM-ebooks ist die Formtierung in der Regel auch sehr gut – erkennbar an aufgeräumten Blocksatz und wenn nicht Blocksatz, dann ein “ruhiger”, klarer Flattersatz, nicht so, wie in dem obigen Beispiel. Klar, manchmal gibt es noch Kinderkrankheiten, bei einem Buch hatte ich mal statt Gedankenstrichen immer ein Fragezeichen stehen. Aber wenn man das Buch gekauft hat, dann kann man das ja auch reklamieren.
    Lange Rede kurzer Sinn: Bei professionell konvertierten eBooks bietet der Sony eigentlich in der Regel immer ein ansprechendes Textbild, so wie es die Werbebilder versprechen. Die Beispiele oben machen keinen Spaß, die schmeißt man in der Regel schnell wieder vom Reader. Mach doch einfach mal den Test und hol dir bei mobileread ein eBook. Die Leute dort machen einen richtigen Sport aus der Gestaltung, z.B. beim “Umschlag”, also der Frontseite. Außerdem legen sie Wert darauf, dass alles legal zugeht.

  7. Ich habe einen PRS-350 und bin sehr zufrieden. Der Touchscreen stört dank IR-Technik nicht, hilft aber enorm beim Nachschlagen von Wörtern in Wörterbüchern (Doppeltipp aufs Wort => Wörterbucheintrag erscheint) oder beim Erstellen von Notizen. Ich blättere aber auch mit den Hardwaretasten um. (Die “Hochglanztouchscreens” anderer Geräte sind auch nur Tradition; matt wäre dort ebenso möglich und in den meisten Fällen weitaus sinnvoller, allerdings sind es die Kunden nicht gewohnt und kaufen es deswegen nicht. Leider.)

    Problematische Darstellung hat man tatsächlich nur bei PDFs, was ja nun fürs elektronische Lesen auch ein denkbar ungeeignetes Format ist, immerhin ist es layoutorientiert; eine Eigenschaft, die auf einem Ereader nicht nur nicht hilft, sondern enorm stört. (Natürlich nicht, wenn das Layout auf die Größe des Bildschirms optimiert ist, wie es für die Bedienungsanleitung des Geräts gilt; allerdings sind die meisten PDFs auf Din A4 layoutet, was ja nun ein deutlicher Unterschied ist.)

    Leider gibt es das eine oder andere Buch halt doch im PDF-Format, Konvertierungen funktionieren nicht so doll. Also Workarounds. Zuersteinmal muss man wissen, dass die Sony-Geräte auf Schriftgröße “S” das PDF-Layout beibehalten, auf allen anderen aber nicht; dort wird der Text neu umgebrochen. Daher kann auch die Schriftgröße “XS” besser lesbar sein als “S”, muss man mit dem entsprechenden PDF ausprobieren. Wenn man in “S” ist, hilft auch noch der Seitenmodus, dort kann man auch einen Modus “Randschnitt” auswählen, der … naja, der Name sagt es eigentlich schon: Der Leerraum an den Rändern wird abgeschnitten. Kann auch helfen. Was allerdings am besten funktioniert, wenn man das PDF-Layout erhalten muss, ist das Querformat (mit Randschnitt). Dann erhält man selbst bei auf A4 layouteten Seiten eine gut lesbare Seite, die dann in zwei Teilen dargestellt wird. Für PDFs in zwei oder drei Spalten gibt es ebenfalls eigene Modi, in denen die Texte gut lesbar sind.

    Mit Epub braucht man natürlich nicht so zu experimentieren. Ist halt ein Format, das für Ereader gemacht ist.

    Der 5″-Bildschirm des PRS-350 ist recht klein; es ist ein Taschenbuch. Für mich macht die Mobilität den Nachteil wieder wett. Leider ist das Gerät nicht richtig günstig.

  8. Ach so, und bei PDFs wird natürlich die Schriftart des PDFs genommen, sofern eingebettet. Ist ja vom Dokumentersteller so gewollt.

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