ARD, ZDF und Spiegel Online: Viel Kacke und ab und zu eine Perle – ein Rant

Ich halte ja viel von Jakob Augstein und ich mag seine Kolumne “Im Zweifel Links” bei Spiegel Online sehr. Gestern schrieb er: “Rettet ARD und ZDF“, als ob die milliardenschweren Medienmoloche irgendwie in Gefahr wären, und schreibt über die Wichtigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Er unterstreicht die “Qualität” unseres Staatsfernsehens mit einer Alibi-Satire-Sendung und schreibt ansonsten vom Krieg, den die Großverlage gegen die Sender führen. - Bullshit!

Dieses ganzes Geschwurbel von wegen “öffentlich rechtliche Anstalten” sind nichts als vorgeschoben. ARD und ZDF sind Staatssender – oder passender: Parteiensender. Dass bei ARD und ZDF im Zweifel kein freier, unabhängiger Journalismus stattfindet, hat Ex-Chef der Hessenjunta Roland Koch eindeutig bewiesen. Es gibt keinen nennenswerten Qualitätsunterschied zwischen privaten und Öffentlichen Sendern. Beide senden überwiegen hirnfreie Spielshows, lügenhafte Reality-TV-Formate und Spielfilme. Bei ARD und ZDF gibt es gelegentlich eine Alibi-Sendung, die sich nur ansehen kann, wer am nächsten morgen nicht zur Arbeit muss.

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Zwar gibt es keinen Privatsender, der vergleichbar gute Nachrichtensendungen produziert, allerdings wäre das nur eine Frage der Zeit, sollten ARD und ZDF abgeschafft bzw. privatisiert sein. Einstweilen genießen wir die “Grundversorgung” aus ZDF, Musikantenstadl und Fußball und sind gezwungen, den Scheiß zu bezahlen. Schmierige GEZ-Außpendienstler durchforsten unseren Müll nach TV-Zeitschriften und verschaffen sich mit Drückertricks Zugang zur Wohnung, um so genannte “Schwarzseher” aufzuspüren. Früher genügte es, einfach weder Radio noch TV-Gerät zu besitzen, heute wird selbst mein Handy als “neuartiges Rundfunkgerät” bezeichnet und gebührenpflichtig gemacht. Liebe ARD, liebes ZDF: Niemand hat euch darum gebeten, euren Mattscheibenmüll auch noch ins Internet zu kippen.

Normalerweise bin ich ja “links”, wenn es darum geht, dass wichtige Infrastrukturen wie z.B. die Bahn in öffentlicher Hand sein sollten – das Fernsehen ist jedoch keine solche Infrastruktur, das sind nur die Sendeanlagen. Der Staat hat sich aus dem Medien herauszuhalten. Das gilt auch für sein Staatsfernsehen mit Zwangsfinanzierungssystem. Die Großverlage haben durchaus recht, wenn sie sich beschweren, dass ARD und ZDF mit ihren Non-TV-Angeboten den Wettbewerb verzerren, was textlichen Journalismus betrifft. Die Sender allerdings zum “Depublizeren” von Inhalten zu zwingen, die wir alle zwangsweise bezahlt haben, ist dennoch pervers und zeigt so richtig schön, wie irrsinnig und anachronistisch das System “öffentlich-rechtliche Sender” mittlerweile geworden ist.

Hinter dieser Haltung “pro ÖR” steht übrigens dieses seltsame, vormundschaftliche Denken Altlinker, der Bevölkerung erklären zu müssen, was gut für sie ist. Im Print-Bereich dominiert auch die “Bild”, was trotzdem niemanden dazu veranlasst hat, öffentlich-rechtliche Zeitungen zu gründen. Es ist halt so: die Bevölkerung ist schon groß und kann alleine entscheiden, was sie gucken will. Lustig ist, dass die Kolumne von Jakob Augstein ausgerechnet bei Spiegel Online erschien – ein Portal, das schon lange beweist, dass die viel Medienkacke mit einigen wenigen Perlen drin auch privatwirtschaftlich funktioniert und keiner öffentlich-rechtlichten Organisation bedarf.

Einzige Rest-Legitimation der GEZ-Sender wäre übrigens, dass das Gebürensystem eine Antwort auf die durch das Web provozierte Medienkrise sein könnte. Bevor ich aber bereit bin, die GEZ als “Kulturflatrate” zu akzeptieren, müsste das gesamte System geöffnet werden. Die Sender, die derzeit wie Behörden top-down regiert werden, sind zu demokratisieren. Echte Bürgerbeteiligung bei der Programmgestaltung ist einzuführen. Das System ist für Künstler und Kulturschaffende zu öffnen. Leider gehen ARD und ZDF den entgegengesetzten Weg und spielen RTL. Solange das so ist, haben sie keine Existenzberechtigung.

4 Gedanken zu „ARD, ZDF und Spiegel Online: Viel Kacke und ab und zu eine Perle – ein Rant“

  1. Gerade weil die ÖR-Sender von den Parteien gesteuert werden, halten sie sich für demokratisch.

  2. Vollkommen richtig ist, das ich gern meinen Beitrag für unabhängige gut rechericherte Themen leiste (GEZ).
    Das sich die ÖR-Sender jedoch an das durchaus niedere Niveau der privaten annähren, gar schon bald auf der selben Stufe stehen ist einfach nur schlecht.

    Auf von unabhängiger Berichterstattung ist nicht viel zu merken. Es wird zwar das Wort Demokratisch ständig in den Mund genommen, trotzt dessen handelt es sich in vielen Fällen nicht um neutrale Berichte.
    Die für die Verdummung sorgenden Unterhaltungssendungen haben permanent ein unterschwellige politische Meinung und zum Teil kommerzielle Meinunge (lustig gemeinte Haribo Werbung von unserem sympatischen Goldlöckchen … etc.).

    Ich weiß bis heute nicht warum die ÖR-Sender auf Quotenfang gehen und sich auf ein Niveau mit den Privaten herablassen.
    Die primäre Aufgabe der ÖR-Sender ist es das Volk neutral zu informieren und zu Bilden.
    Unterhaltung sollte keinen bis sehr geringen Anteil ausmachen.

    Fazit:
    - viel weniger Unterhaltung und mehr Bildung in den ÖR-S.
    - neutrale Sendungen ohne Meinungsmache und Hetze auf politisch anders Denkenden

    Generelles Verbot und unter Strafe Stellung (Volksverrat) des Lobbyismus in der Politik (Volksvertretung)

  3. Ich habe meinen Fernseher vor ein paar Monaten rausgeschmissen. Es ist einfach Wahnsinn das die ÖR über 7 Milliarden Euro bekommen. Es müsste verboten werden Unterhaltungssendungen und Spielfilme zu produzieren und das auch noch parallel auf einem riesigen Rattenschwanz an Sendern.

    Aber bald dürfen ja alle zahlen…

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