Taugt noch nicht wirklich fürs Social Web: HTC Mozart mit Windows Phone 7 im Alltagstest (Teil 5)

Ein alter Witz lautet: Der Name “Windows” komme gar nicht von “Fenster” sondern sei Indianisch für “Weißer Mann, der auf Sanduhr starrt”. Das hat vermutlich Microsoft zu dem Werbefilm inspiriert, bei dem die Leute weltvergessen ständig nur in ihr Smartphone starren. Bei Windows-Geräten ist das leider auch nötig. Von Anrufen und SMS abgesehen machen sie sich nämlich nicht bemerkbar, wenn es etwas neues gibt.

Ganz stimmt das nicht: Man kann einigen Events wie eingehender Mail einen Ton oder eine Vibration zuordnen. Während bei Eingang eines Anrufs oder einer SMS auch ein stummgeschaltetes WinPhone unmissverständlich auf sich aufmerksam macht und anschließend ewig vor sich hinblinkt, muss man für alles andere tatsächlich aufpassen, dass man nichts verpasst und permanent nachsehen. Das schmälert den Nutzen in Sachen Social Web stark. Eigentlich könnte Windows Phone 7 das perfekte System für Social-Media-Telefone sein. Die Spaltenansicht Metro eigentlich hervorragend dafür, Inhalte aus Facebook oder Twitter darzustellen. Die Benutzung der entsprechenden Apps, die es kostenlos im Marketplace gibt, ist die reinste Freude.

Twitter hui, Facebook pfui

Besonders die Twitter-App ist mir sehr ans Herz gewachsen und stellt alles in den Schatten, was ich bisher auf einem Smartphone gesehen habe. Mit seitlichen Wischbewegungen wechselt man äußerst elegant zwischen Timeline, Mentions usw. Zunächst hielt ich die App noch für unpraktisch, weil man sich für vieles in ein extra Menü klicken muss, bis ich gemerkt habe, dass man Tweets ähnlich wie in der Mail-App einfach nur längere Zeit berühren muss, um zu antworten, retweeten zu faven oder zu löschen. Man merkt der App an, dass sie mit viel Liebe und Gespür für Twitter gestaltet wurde, wenn man zum die Information über einen Twitter-Account aufruft, die sogar Details wie das Beitrittsdatum aufführt. Einzig verbesserungswürdig: Gesendete und erhaltene DMs werden durcheinander angezeigt, wobei ich nachträglich nicht sehen kann, an wen die versendeten DMs adressiert waren, was ziemlich unübersichtlich ist. Hier fehlt neben dieser Angabe eigentlich auch eine Thread-Ansicht.

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Die Facebook-App macht zunächst ähnlich viel Spaß, wirkt aber insgesamt ziemlich hingeschludert. Im Gegensatz zu Twitter oder der Mail-App gibt es hier kein Kontext-Menü. Wenn man liken möchte, muss man so tun, als wolle man einen Kommentar schreiben, dann im Kommentarschreibedialog aufs “Gefällt mir”-Icon tapsen. Links, die an privaten Nachrichten angehängt wurden, zeigt die Facebook-App nicht an. Ich ließ mir dann den Link nochmals zuschicken – dieses mal aber innerhalb der Nachricht. Der Link öffnete dann aber Facebook im Browser, von wo aus es nicht weiter ging.

Places wird von der Facebook-App gar nicht unterstützt, was ich – ganz besonders auf einem Smartphone wie dem HTC Mozart – nicht akzeptabel finde. Stattdessen gibt es aber eine brauchbare Foursquare-App, die allerdings aussieht wie auf anderen Telefonen und der Mehrspalten-Bedienung von Windows Phone 7 nicht folgt, was natürlich nicht weiter schlimm ist. Ansonsten sind Apps (noch) äußerst dünn gesät. Gowalla? Qype? Fehlanzeige.

Jenseits der Facebook-App: Leider ist die Facebook-Integration in Windows Phone 7 nur optisch sehr schön, aber ansonsten vollkommen misslungen. Es mag nett sein, dass mir unter “Kontakte” die Status-Updates meiner Bekannten angezeigt werden, hilft mir aber nicht weiter, wenn ich Kommentare und an mich gerichtete Nachrichten nur über die eigentliche Facebook-App abrufen kann. (Jedenfalls habe ich bisher nicht herausgefunden, wie sonst.) Dass nebenbei mein Foto-Ordner auf dem Telefon mit dutzenden fremder Fotos meiner Facebook-Bekannten geflutet wird, empfinde ich schon als grenzwertig.

Problem Internet Explorer

Eigentlich sollten die Apps aber egal sein: Man kann ja Facebook & Co. auch im Browser nutzen. Leider jedoch nicht auf einem Windows Phone 7. Das größte Problem des Systems ist der Browser, der auf einer völlig veralteten Rendering-Engine basiert und nur relativ einfach gestrickte Webseiten anzeigen kann – Dienste wie touch.facebook.com oder die verschiedenen Google-Anwendungen von Docs bis Reader gehören leider nicht dazu. Ob man also als Failback seine liebstes soziales Netzwerk im Browser nutzen kann, ist Glückssache. Blogger interessieren sich dafür, von unterwegs zu bloggen, und sei es als Notlösung. Leider kommt der Browser auch mit WordPress nicht klar und eine entsprechende App gibt es noch nicht.

Bleibt noch Bloggers Liebling: der Newsreader. Dafür gibt es mehrere mehr oder weniger gelungene Apps, die sich an den Google Reader anbinden. Andere habe ich mir nicht angesehen, da ich schließlich nicht zuhause alles wieder als ungelesen angezeigt bekommen möchte. Am besten gefiel mir “g.news”, der sich als einziger Reader an meine vorgegebene Ordnerstrucktur hält und nebenbei die Inhalt äußert angenehm lesbar darstellt.

Leider kann man mit dem Reader nur Sternchen setzen – Empfehlen oder gar das Weiterbreiten via Twitter und Facebook aus dem Reader heraus gehen nicht. Außerdem unterschlägt die App Empfehlungen anderer Google-Reader-Benutzer, denen ich folge. Die kostenpflichtige App “Feed Reader” sollte das allerdings können. Links auf Twitter oder Facebook veröffentlichen – ein Standardfall längst nicht nur für Blogger – geht mangels Multitasking und Copy&Paste prinzipiell ohne besondere Apps nicht. Für Twitter gibt es nur einen Workaround: Man kann aus dem Browser heraus Webseiten per E-Mail versenden. In Kombination mit Diensten wie TwitterMail lässt sich daraus ein Workaround basteln, Links auch unter Windows Phone 7 zu twittern, ohne sie abzuschreiben.

Unterm Strich ist das alles ziemlich schade: Windows Phone 7 geriert sich als System für soziale Netzwerke und könnte tatsächlich die Konkurrenz von webOS über iOS bis Android in dieser Hinsicht in die Tasche stecken – es hapert lediglich an besserer Detailumsetzung der Software und den mangelnden Benachrichtigungen: Wenn ich eine DM auf Twitter erhalte oder einen Tick bei Foursquare, wird das noch nicht einmal auf der Kachel angezeigt, die doch eigentlich genau solch einen Zweck haben sollten? Vermutlich wird das alles in ein paar Monaten sehr viel besser, aber bis dahin werden Nutzer tatsächlich ihren Blick permanent aufs Telefon geheftet haben müssen wie in der Werbung.

5 Gedanken zu „Taugt noch nicht wirklich fürs Social Web: HTC Mozart mit Windows Phone 7 im Alltagstest (Teil 5)“

  1. Probier mal den BlogClient, gibt glaub ich auch noch andere die gut sein sollen fürs bloggen.
    Diverse RSS Reader gibts auch. Auch paar gute und das kostenlos.

    Gute Test wäre auch Drahtlos Sync mit Zune, geht nämlich nicht. Oder vergessene WLAN Keys nach jedem Softreset oder seit gestern Kontakte falsch mit Live gesynct. Plötzlich etliche Kontakte ohne Handynr. und im Live.com auch nicht mehr aufrufbar.

    Die Cloud ist zwar nett, nur schade wenn Hotmail Fehler hat und das an das Gerät gesynct wird. Was auch nicht reibungslos klappt. GSM Codes wo Eingaben vom Provider erwartet werden. zB. o2 mit der *104# kann man Packs buchen, muss dann mit 0-x bestätigen. Nur doof das WP7 keine Tastatur dafür aktiviert…

    Mal schauen was das erste Service Pack bringt wenn man es mal so nennen will. Sonst ist es trotzdem ein schönes Handy und OS.

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