Apple macht dicht

Natürlich wird Apple nicht dicht gemacht – wohl aber tendenziell das Betriebssystem Mac OS X. Das wirklich Interessante am “Back to the Mac“-Event waren nämlich nicht die Neuvorstellungen wie das neue Mac Book Air, sondern vor allem die nächste Version des Betriebssystems OS X 10.7 “Lion”. Sie kommen harmlos daher, die Konsequenzen werden es aber in sich haben.

Der Mac war nie etwas anderes als ein PC, ein Personal Computer. Natürlich lief kein DOS oder Windows drauf, aber das Konzept war dasselbe: Auf dem Betriebssystem laufen Programme, die man sich selber schreiben lassen konnte oder kauft und dann von einem Datenträger oder später dem Internet aus installiert. Das System ist offen: Der Anwender hat die maximale Kontrolle und Verantwortung darüber, welche Programme auf seinem Rechner laufen, was Viren und andere Schädlinge mit einschließt.

Dem steht diametral das Konzept des App Store gegenüber, das vermutlich von den Anwendern nur akzeptiert wird, weil sie ihr Telefon  nicht als Personal Computer begreifen: Das System ist nicht offen, so lange man es nicht hackt. Installiert werden kann nur, was Apple erlaubt zu installieren. Die Kontrolle, welche Software zum Endanwender gelangt, liegt allein bei Apple – und Software-Hersteller können ihre Produkte nicht mehr direkt an Endkunden verkaufen, ohne dass Apple die Hand für Wegezoll aufhält.

Als es hieß, “Lion” werde als erstes auch Apps unterstützen, die aus dem App Store stammen, gingen sofort die Überlegungen los, wann Apple die Möglichkeit, Software frei auf einem Mac zu installieren, einschränkt. Klingt krass und unglaublich? Geradezu wie Selbstmord? Ich wäre mir da nicht so sicher. Zunächst zur Akzeptanz: Was ist ein Tablet-PC? Begreifen wir ihn eher wie ein Telefon oder wie einen Personal Computer im neuen Gewand? Immerhin ist das iPad äußerst erfolgreich, obwohl auch darauf nur Apps laufen.

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Selbstverständlich würden die Anwender auf die Barrikaden gehen, wenn sie heute nicht mehr beliebige Software auf ihrem Mac installieren könnten. Was aber wäre, wenn man alle beliebten Programme von Photoshop bis hin zu Parallels oder VMware, um Windows auf dem Mac laufen zu lassen, aus dem App Store bekäme – und zwar preiswerter? Wenn dann die beiden Arten, Programme zu kaufen und zu installieren einige Jahre parallel liefen – wäre der AppStore bei den Kunden beliebter oder die Möglichkeit, frei zu installieren?

Natürlich, eines wäre der Mac dann nicht mehr: ein Personal Computer. Die Frage ist nur, wen das interessiert. Steve Jobs ziemlich sicher nicht. Mit der Einführung des App Store für den Mac (mit lächerlich eng gefassten Regeln) und der Ankündigung, dass weder Flash künftig nicht mehr mit Mac OS X ausgeliefert werde und Java nicht mehr von Apple weiter entwickelt werden wird, (wobei man beides natürlich manuell nachinstallieren kann), macht Jobs ziemlich klar deutlich, dass sein Endziel tatsächlich die volle Kontrolle ist. Der Mac wird zum iDevice, nicht umgekehrt.

Nur dauern wird das ganze vermutlich nochmal einige Jahre. Für 2015 herum sage ich voraus, dass die Entwicklung von OS X dann zugunsten von iOS eingestellt werden wird. Dass Steve Jobs willens und in der Lage ist, Zöpfe abzuschneiden, hat er seit Abschaffung der Diskette immer wieder bewiesen. Apple heißt schon seit einiger Zeit nur noch “Apple” statt “Apple Computer”. Schlimm ist das alles übrigens nicht, nur schade für die Anwender alter Schule. Den Kunden steht schließlich frei, Windows oder Linux einzusetzen und jede heute wichtige Mac-Software wird es vermutlich dann für iOS-Geräte geben – eher mehr.

7 Gedanken zu „Apple macht dicht“

  1. Angesichts der aktuellen Entwickung in Sache Cloud Computing, Webapps und dergleichen, kann man angesichts des vermeintlichen Horroszenarios, es gäbe Apps nur noch über den Store, lediglich milde lächeln.

  2. Ich sehe das nicht ganz so pessimistisch.

    Apple verfolgt die Strategie eines “walled gardens” weiter, da stimme ich zu. Funktioniert ja aktuell auch ganz gut, oder? Insbesondere wenn man monetäre Aspekte betrachet – und das ist wohl etwas, was bei einer profitorientierten Firma ziemlich weit vorne rangieren dürfte.

    Allerdings wird es am Mac weiterhin genügend Möglichkeiten geben, Programme auch anders zu erwerben. Insofern bleibe ich da ganz entspannt. Da braucht es ja weder einen Jailbreak noch ein Cydia.

    Seht doch bitte auch mal die positiven Seiten einer solchen Entwicklung.
    User, die vielleicht nicht ganz so technisch bewandert sind, können ohne großes Risiko Apps aus dem MacAppStore laden und müssen keine Angst vor Malware oder Beschiss etc. haben. Simpelste Einkaufsabwicklung und das Programm ist sofort da. Für Entwickler ebenso eine tolle Sache: sie brauchen keine eigene Vertriebsstruktur, kein Bezahlsysteme und das “ach so böse” DRM ist an dieser Stelle in Ordnung, weil ein ziemlich guter Schutz gegen Raubkopien. Programme sind einfach zu finden und durch User Ratings und Verkaufszahlen wird gute Software im Normal schlechtere ausstechen…

    Der MacAppStore WIRD EIN RENNER!

    Wie viele Bekannte gibt es in eurem Umfeld, die bereits an einem Update Ihres Office-Pakets scheitern? Bitte denkt nicht immer an die Techies, sondern an Leute, die Dialoge immer erstmal quittieren und sich danach fragen, was sie gerade bestätigt haben… ;-)

    Und zum Punkt mit Java: da gibt es zumindesten einen weiteren/anderen Grund, wie man in letzter Zeit schon vermehrt auf diversen Seiten lesen konnte. Apple hat sich in den letzten Jahren nicht gerade mit Ruhm bekleckert beim keep-up-to-date von Java Releases. Die kommen halt ab 10.7 – wie für andere Plattformen – wieder direkt von Sun (bzw. Oracle) – das war übrigens schon mal so, aber das weiss man nur, wenn man mit Macs VOR Mac OS X hantiert hat ;-)

    Wer aber die TOTALE Freiheit will und Jobs nicht mag ;-) sollte sich in der Tat aber besser schon mal mit Ubuntu anfreunden – aber auch damit, dass er dann wieder beim Frickeln und auf der Jagd nach Treibern und kompatiblen Libraries seinen Spass hat… und am besten aber keine Google-Apps verwenden. Und besser auch keinen Flash Player, weil wer weiss, was der bis dahin so an Benutzerdaten an Adobe schickt; und Silverlight schon gar nicht. Unser Geld UND unsere Daten wollen sie nämlich ALLE.

    Ich bevorzuge ein Auto, das einfach losfährt, wenn ich will. Und ich will auch gar nicht wissen, was sich alles unter der Motorhaube befindet. Es muss nur einfach funktionieren.

  3. Der App-Store wird zeigen, was er kann: Ich persönlich halte ihn für eine gute Idee, allerdings ist die momentane Lösung nicht Fisch und nicht Fleisch. Solange Apple die Möglichkeit gibt, andere Betriebssysteme auf dem Mac zu installieren – was übrigens auch schon vor dem Intel-Umstieg mit diversen Linux-Varianten möglich war – ist der Anwender nicht an diese Lösung gebunden. Nur Raubkopierer dürften es künftig schwer haben, was gerade bei Programmen mit hoher Raubkopier-Rate – etwa Photoshop – sicher traurig ist. Aus Entwickler-Sicht ist der Store aber ein Traum!

  4. @Tom Im Grunde habe ich dir im Artikel schon völlig zugestimmt – wenn auch viel knapper formuliert. Die (für Techies) spannende Frage ist halt: Wird OS X auch 2015 noch offen für beliebige Anwendungen sein? Es wäre ein kühner Schritt für Apple mit etlichen Vor- und Nachteilen und wird eine nicht enden wollende Diskussion auslösen. Ich weiß gerade selber noch nicht, ob ich das schlimm finde. Wie ich im Artikel schrieb: Es bleiben immer noch Windows und Linux.

  5. > Schlimm ist das alles übrigens nicht, nur schade für die Anwender alter Schule. Den Kunden steht schließlich frei, Windows oder Linux einzusetzen

    Oder auch nicht.

    Falls Apple mit dem App Store erfolgreich ist, dann macht das vielleicht auch bei Windows Schule. Firmenkunden gefaellt das Konzept sicher auch, denn dann hat sich das Problem mit von Endnutzern installierter Software auch erledigt. Google Chrome OS zielt ja wohl auch die selbe Richtung, und auch Android-Geraete die man mit gesponsortem Vertrag erhaelt werden vom Anbieter recht dicht gemacht.

    Selbst wenn Windows und Linux offen bleiben, stellt sich die Frage ob es angesichts der Verkaufszahlen der geschlossenen Plattformen noch einen Hardwaremarkt dafuer geben wird. Warum sollten sich die Hersteller von CPU, Speicher und sonstigen Komponenten, sowie der Einzelhandel mit ein paar PC-Freaks rumaergern, wenn sie ihren gesamte Produktion viel einfacher an das halbe Dutzend Geraetehersteller vom Schlage Apple, Sony, Dell, HP, Nintendo abgeben koennen.

  6. Die Idee mit dem Store ist nicht mal so schlecht. (Wenn man mal vom Profitgier absieht!) Apple hat so die möglichkeit Programme, komplett fehlerhaft sind, resp. die eigentlich was anderes anstellen als das sie sollten, “rauszufischen”. Das heist für den Enduser, er hat ein System, das Funktio…niert, zwar etwas Teuer und weniger Programmvielfalt, aber es läuft. In Ubuntu, hat man auch die Paketquellen, welche “saubere” Programme anbieten. Nur hat man dort meist die Wahl von mehreren alternativen. Und wie sieht es bei Windows aus? Wenn ich ein Programm suche und Installiere, hab weiss ich meist nie, wass ich bekomme. Habe ich dan rausgefunden dass das Program nicht macht wass ich eigentlich will ist es schon zu spät.

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