Südafrika 5 – Fangesänge in luftigen Höhen

Janine Lewerenz ist nach Südafrika ausgewandert. Die Kollegin schreibt, wie sie den Worldcup im Gastgeberland erlebt.

Zwei spielfreie Tage müssen wir plötzlich verbringen, und damit wir nicht in ein Loch fallen, widmen wir uns heute natürlich auch wieder der WM – allerdings am Rande. Denn natürlich bleiben wir beim Fußball, doch möchten wir Ihnen Kapstadt auch einmal abseits von Fanmeile und Stadion näher bringen.

Die Mother City ist nicht nur einer der neun Austragungsorte der WM. Sie ist das Aushängeschild der gesamten Westküste Südafrikas und für das Kap der Guten Hoffnung ebenso bekannt wie für ihre edlen roten und weißen Tropfen oder die historisch behaftete Gefängnisinsel Robben Island, auf der unter anderem Nelson Mandela jahrzehntelang inhaftiert war.

Allem voran aber und nicht zu unterschlagen: der majestätische Tafelberg. Geliebt, geehrt und respektvoll betrachtet von den Einwohnern der multikulturellen Metropole, gilt er als Wahrzeichen der Stadt. Und natürlich wollen auch Fußballfans nicht die Gelegenheit versäumen, neben einem Spiel ihres Teams auch das Bergmassiv zu besuchen und einmal näher in Augenschein zu nehmen. Auch wir haben uns zu ihm begeben, um die Atmosphäre der WM zur Abwechslung aus einem anderen Gesichtswinkel auf uns wirken zu lassen und die einzigartige Aussicht über die Stadt mit dem in ihrem Mittelpunkt liegenden Stadion zu genießen.

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So fanden wir uns nach einer windbedingt leicht schaukeligen Fahrt mit der Seilbahn schließlich in luftigen Höhen von 1067 Metern über dem Meeresspiegel auf der Spitze des Tafelbergs wieder und genossen den Anblick der Stadt aus der Vogelperspektive – inmitten zahlreicher Touristen in bunten Trikots. Denn wer gedacht hatte, hier oben ein wenig Abstand zu gewinnen vom WordCup, der sollte sich getäuscht fühlen: Fans aus aller Herren Länder, unabhängig, ob ihre Mannschaft den Turnierverlauf bislang überstanden hatte oder bereits zurück in die Heimat geflogen ist, stimmten neben uns ihre Hymnen an und feierten das sportliche Großereignis so, auch ohne die Spieler kicken zu sehen. Und – wie könnte es auch nicht so sein – Klänge der populären Vuvuzelas überall. Die sonstige Stille der Natur und ihre Betrachtung ganz in Ruhe, sind während des Word Cups anscheinend ein Ding der Unmöglichkeit. Doch ehrlich gesagt: Wir haben uns ziemlich gefreut, dass das Fußballfeeling sogar bis ganz nach oben getragen wurde. Sonst würden wir die beiden spielfreien Tage wahrscheinlich wirklich nicht überleben. Es ist uns bewusst, dass wir uns auch mit der Zeit nach dem 11. Juli auseinandersetzen müssen. Aber das werden wir tun, sobald es soweit ist.

Glücklicherweise stehen ja noch spannende Begegnungen ins Haus. Wir freuen uns schon jetzt auf morgen. Und darauf, Ihnen nach den Viertelfinal-Spielen wieder Eindrücke aus Kapstadt vermitteln zu können. Erneut definitiv von einer Fanmeile: Denn diese existiert bewiesenermaßen überall.

Wem der Berg nicht geheuer, der Ausblick von oben allerdings reizvoll erscheint, der kann auch auf das eigens zur WM aufgestellte Riesenrad zurückgreifen. Ein paar Runden in den bequemen Sitzpolstern lohnen ebenfalls. Und an bekennenden Fans wird es auch hier nicht scheitern!

Endspurt zum WM-Finale in Südafrika

Was machen wir eigentlich ab dem kommenden Montag? Definitiv eines: die Fußball-WM vermissen. Denn so spannende Momente, wie sie sich im Verlauf der vergangenen drei Wochen eingestellt haben und so fantastische Spiele, wie uns zu sehen vergönnt war, kommen so schnell nicht wieder.

Aber das macht sie ja gerade aus, die Einmaligkeit. Und noch ist er ja nicht vorbei, der Soccer World-Cup. Apropos fantastische Spiele: Wagen wir einen kurzen Rückblick. Zwei der Viertelfinalbegegnungen haben wir mit besonderer Spannung verfolgt, denn der Wunsch, Ghana als letztes afrikanisches Team ebenso wie Deutschland als unser Heimatland in die nächste Runde einziehen zu sehen, lag uns ganz besonders am Herzen.

Ghana hatte sich bereits am Freitagabend mit Uruguay zu messen, und dieses Aufeinandertreffen war an Dramatik kaum zu überbieten: Das 1:1 konnte trotz eines Handelfmeters in der letzten Minute der bereits erfolgten Nachspielzeit nicht von Ghana in einen Sieg gewandelt werden, und beim anschließenden Elfmeterschießen hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Leider gestaltete es sich nicht erfolgreicher für Ghana, das es somit nicht geschafft hat, den Gastgeberkontinent weiterhin auf dem Feld zu repräsentieren. Doch wie schon Südafrika, hat sich die Mannschaft mit einem grandiosen Spiel verabschiedet, und hat sie auch nicht den Titel gewonnen, so ganz bestimmt die Herzen der Zuschauer.

Am darauf folgenden Nachmittag nun zitterten wir umso mehr für Deutschland, aber zum Glück nicht vor Kälte. Denn obwohl wir einmal mehr das Glück hatten das Spiel im Cape Town Stadion live vor Ort anzugucken, empfingen Spieler wie Zuschauer wärmende Sonnenstrahlen – einer der Wintertage, die sich im Western Cape regelmäßig einstellen und einen die Kälte des Vortags vergessen lassen. Und dass sich unsere Unsicherheit im Laufe der eineinhalb Stunden immer mehr in ein Zittern vor Freude verwandelte, lag an dem wirklich außergewöhnlich überragendem Spiel der Deutschen, die Argentinien schlichtweg keine Chance ließen und verdient mit 4:0 ins Halbfinale eingezogen sind.

Wir freuen uns auf die letzten Begegnungen dieser WM und können es kaum bis zum Finale abwarten, auch wenn dieser Zeitpunkt mit dem Ende des sportlichen Großereignisses einhergeht. Aber die Erinnerungen werden so schnell nicht verblassen. Im Gegenteil: Wir gehen felsenfest davon aus, noch in Jahrzehnten mit Freunden die jetzige Zeit Revue passieren zu lassen und unseren Kindern mit nicht minder großem Enthusiasmus von unseren Erlebnissen und Eindrücken zu berichten. Und dazu kräftig in eine Vuvuzela zu blasen. Ayoba!

[Text und Bilder: Janine Lewerenz / preis.de]