Lebensmittel bei Amazon einkaufen – ein Erfahrungsbericht

Pia Ziefle ist Journalistin und Mutter. Sie bloggt unter Denkding.de amüsant über das Leben, ihre Kinder, und was die immer so treiben. Den Gedanken, Lebensmittel via Amazon zu bestellen, fand sie dermaßen praktisch und bestechend, dass sie gleich mal einen Testeinkauf machte und für uns dokumentierte. Leider entdeckte sie einen ziemlichen Haken: die Versandkosten.

20.30 Uhr

Es geht los. www. amazon.de klicken, auf „Lebensmittel und Getränke“ dann auf „Bio und Fairtrade“, das interessiert mich am meisten. Und ich kenne mich mit den Produkten aus, so dass ich das am ehesten mit einem Offline-Einkauf vergleichen kann. Die Startseite begrüßt mich mit einem fröhlichen „Guten Morgen“ aber sei es drum. Ich finde „beliebte Kategorien in Bio“ und freue mich auf Kaffee, Tee, Müsli, Koch- und Backzutaten, Früchte, Pasta und Nudeln… in dieser Reihenfolge und mit hübschen Produktbeispielen. Ich wage einen Einkauf im Freiflug, ohne Zettel. Wir brauchen Nudeln, Tomatensachen, irgendwas indisch/asiatisches, vielleicht Biofisch. Mal sehen, was Olivenöl kostet, wo es herkommt und was drin ist. Wie ich mich kenne, nehme ich noch Mehl mit, Hefe und Zucker. Grundsachen also.

20:46 Uhr

Klick auf „Müsli“. War nicht im Plan, aber macht ja nichts. Rapunzel Schoko Amaranth Müsli, für 3,99 /500g, das ginge ja. In den Warenkorb damit. Weiter zu den Nudeln. Hier werden als erstes Gebinde angeboten, zum Beispiel BioGourmet Rigatoni, Multikorn, 4er Pack (4 x 500 g Beutel) für 9,96 Euro. Das wären rund 2,42 Euro für eine Tüte, kommt mir aus dem Bioladen bekannt vor. Schon jetzt fällt auf, dass das Angebot recht weit aufgestellt ist, BioGourmet, Byodo, GEPA, um nur ein paar zu nennen. Ich kann mich auf einer einzigen übersichtlich gemachten Seite entscheiden, wie bio ich meine Nudeln gerne will. Sehr schön.

20:54 Uhr

Mein Blick fällt auf die Eingrenzungskriterien auf der linken Seite. Zwischen bio, lactosefrei, vegan, ohne Gentechnik, ohne Konservierungsstoffe kann ich noch wählen, was mir entgegenkommt, denn ich habe ein lactoseintolerantes Mitesserchen am Tisch. Ein Klick und das Ganze ist ohne lästiges Packungsstudium vorsortiert.

Ich weiß, dass all das was ich bisher „erlebt“ habe, auf alle Produktkategorien zutrifft, Amazon hat ja schon immer ein recht ausgefeiltes Filtersystem gehabt, trotzdem begeistert es mich gerade jetzt, weil es mir einen anstrengenden Teil beim Einkaufen abnimmt – die Suche nach den allergikerverträglichen Produkten. Auf diese Weise kommt das Kind zu Nahrungsmitteln, die wir vielleicht nicht ausprobiert hätten, weil mir manchmal zu anstrengend ist, jede neue Packung herumzudrehen und genau zu untersuchen. Fehlgriffe werden leider sofort durch mittelheftige Symptomatik bestraft und das muss ja nicht unbedingt sein.

20:59 Uhr

Ich tippe nebenher, sonst wäre ich schon weiter. Tomatensachen wollte ich, bleibe aber am 5 kg Eimer Ketchup von Byodo hängen. Etwas mehr als 25 Euro und ich fange an zu rechnen. Rentiert sich das? Will ich das? Ich merke wie ich unvernünftig werde und die Argumente für den Mitbewohner vorbereite, der sich 1. aus seiner Einkäuferrolle gedrängt fühlen wird, und 2. keinerlei Verständnis für solche Hamsterkäufe haben wird, wenn 3 der 5 Kilo eines Tages angeschimmelt in der Ecke stehen. Verführerisch ist es aber, ich muss es ja nicht schleppen. Wo nur sind die Tomatenprodukte? Bei Gemüse? Genau. Es werden 6 Dosen stückige Tomaten. Ist das vernünftig? Bisher kauften wir beim Gemüsekistenabo (mit angeschlossenem Bioladen). Dummerweise habe ich die Preise nicht im Kopf. Ich wage es doch nicht. 8 Mark Euro für Dosentomaten sind mir zu viel.

21.06 Uhr

Ich weiß überhaupt nicht mehr, was wir brauchen könnten. Was wirklich fehlt. So viele Sachen! Ich bin schon wieder kleben geblieben, jetzt an den Gewürzpäckchen von Sonnentor. Die verwende ich seit Jahren, bin hochzufrieden damit und liebe aus ganzem Herzen das Design.

Und dann bin ich doch platt. Ich kann hier 1 Kilo Tomaten kaufen. Frische. Für 2,02 Euro das Kilo. Nicht schlecht. Versandfertig in 1 bis 2 Werktagen. Wie können die da den Preis garantieren? Ich fange an mir über das Finanzierungsmodell Gedanken zu machen, da fällt mein Blick auf die Versandkosten. Eigentlich bin ich seit 12 Jahren Amazon-Kundin und einiges gewöhnt. Aber das ist dann doch zu viel: Die Versandkosten für 1 Kilo Tomaten betragen 4,95 Euro. Da bleiben keine Fragen mehr. Ich klicke sie dennoch an, denn mich interessiert, wie viel an Fremdversandkosten ich am Ende generiert habe. Immerhin: „Dieser Artikel wird mit Kühlverpackung versandt. Spezialverpackung und Kühlakkus im Preis bereits enthalten.“

21:12 Uhr

Ich lese den Haftungsausschluss und schiele inzwischen immer wieder nach den DVDs oder den Büchern. Ob ich mal eben kurz rüber klicken sollte? Ich schau mal rüber ins konventionelle Lager. Chips will ich und denke da an diese speziellen scharfen. Hier stoße ich schnell auf alte Bekannte. Der Süßigkeitensektor wird u.a. von Worldofsweets bedient. Das führt abermals zu 4,95 Euro Versandkosten bei einer Tüte Chips für eigentlich nur 1,99. Trotzdem „kaufe“ ich sie. Und noch eine andere Tüte mit einer anderen Geschmacksrichtung.

21:35 Uhr

Ich mag nicht mehr. Ich klicke mich durch meinen Warenkorb. Und da wird die Krux der Handelsplattform Amazon direkt offenbar: Die Versandkosten. Transparent ist anders, aber nach einer Weile hin und her rechnen ahne ich, dass ich wohl 7,95 Euro Versandkosten mit meinen beiden Chipstüten generiert habe. Oder nicht? Was war mit den Tomaten? Kommen die nicht vor? Egal. Jedenfalls sind das ein paar Euro zuviel um sie mit einem gesparten Fahrweg plus gesparten Parkgebühren aufzuwiegen. Irgendwo habe ich gelesen, dass einer der kooperierenden Anbieter versandkostenfrei liefert – ich bin zu müde jetzt um das nochmal neu rauszufinden.

Fazit

Man muss als Kunde gut aufpassen, nicht bei zu vielen verschiedenen Anbietern einzukaufen, sonst wird man bei den Versandkosten arm. Ich mag das Konzept trotzdem, weil ich das Sortiment von sehr vielen Anbietern auf einen Schlag sehen kann, ohne dass ich extra auf deren Seite gehen muss. Das Layout kommt einem entgehen, die Usability müsste allerdings enorm vereinfacht werden, wenn man wirklich den täglichen Einkauf ersetzen will, denn die vielen Klicks pro Produkt sind viel zu nervig. Beim Buchkauf mag das bisherige System ausreichen, bei einem Einkaufszettel mit bis zu 40 Produkten geht das gar nicht mehr.

Generell finde ich es notwendig, über mehr Online-Lebensmittelhandel nachzudenken, weil es mit Sicherheit umweltschonender ist, Lebensmittel nicht mehr in jede Stadt in zig Läden karren zu müssen, wo sie jeder Einzelne abholt (wieder mit dem Auto natürlich). Wir werden sehen. Ich werde mir das Amazon-Angebot sicher noch ein zweites und ein drittes Mal anschauen. Und halte meinem angestammtem Bio-Lieferanten jedenfalls die Treue.

18 Gedanken zu „Lebensmittel bei Amazon einkaufen – ein Erfahrungsbericht“

  1. Sehr schöner Erfahrungsbericht! Ein Update über die Qualität und Lieferzeit fände ich wünschenswert, da ich seit gestern auch viel über das ganze Thema nachgedacht habe. Grundsätzlich finde ich es eigentlich überflüssig, Lebensmittel im Netz zu kaufen, weil ich nicht der Meinung bin, die KAufentscheidung für Obst und Gemüse basierden auf Rezensionen fällen zu müssen. Allerdings bin ich durch den Beitrag auf einige Aspekte aufmerksam geworden, die ich zuvor nicht bedacht hatte. Die Transparenz beim Verbraucher wird so teilweise mit ziemlicher Sicherheit erhöht und eben durch das sehr ausgefeilte Filtersystem hergestellt. So muss man sich nicht erst durch das Fachchinesisch auf der Verpackung schlagen, um zu erkennen, ob ein Produkt beispielsweise laktosefrei ist. Ich war mal so frei und habe nen kleinen Poll zu dem Thema geschaltet:

    http://twtpoll.com/2ua6q7

    Beste Grüße, Felix

  2. 16 Mark? Hab ich da was verpasst oder lebt der Autor im falschen Film?

    Wäre schön gewesen, wenn man sich die Mühe gemacht hätte die Versandkostenzusammensetzung zu recherchieren und aufzubereiten, so bleibt nicht mehr als ein sehr subjektiver Eindruck übrig.

  3. @Andreas Beer: Irgendwer muss da in ner Zeitblase verschwunden gewesen sein. Kein Wunder, lief ja gestern grad erst “Zurück in die Zukunft” ;-)
    “Mark” sind nun “Euro”

  4. Also, ich bin ja die Autorin des Artikels, und habe inzwischen ein paar Stimmen (unter anderem über twitter von @wimbauer, einem ausgewiesenen Onlinehandels- und Bioexperten) zur Versandkostenfrage bekommen. Er hat mich auf die Versandkostenpauschalen hingewiesen, die auf den ersten Blick für mich als Verbraucherin schwer zu finden waren. (Man muss auf die einzelnen Anbieter klicken und bekommt dann sofort in der ersten Zeile einen Link mit den Versandbedingungen.)
    Ich liefere die Recherche also hier nach.
    Wie es aussieht, bietet zum Beispiel froodies auf amazon ab 20 € Bestellwert kostenfreien Versand an.
    amorebio verlangt pro Bestellung 4,95 Euro, samyo erhebt 3,00 Euro /Artikel bzw. 5,95 Euro/ Bestellung. natur.com staffelt den Versandpreis nach Bestellwert von 3,00 Euro / Artikel bis 0 Euro ab 50 Euro Bestellwert. Food-shop24 möchte gerne 6,95 pro Bestellung haben oder auch 3,00 Euro / Artikel.
    Chefgourmet verlangt entweder 3,00 / Artikel oder 4,95 Euro pro Bestellung, gourmondo staffelt zwar die Bestellwerte, nicht aber die Versandkosten und möchte 4,95 / Bestellung beziehungsweise 3 Euro / Artikel.
    Man sieht, sobald man sich in den Unterebenen der einzelnen Anbieter bewegt, werden Kosten transparenter. Sucht man aber innerhalb von Produktgruppen, muss man sehr gut aufpassen, nicht aus Versehen nur einen einzigen Artikel von einem Anbieter erworben zu haben und damit die Versandkosten in die Höhe zu treiben.

    PS: Um deutlich zu machen, dass ich Preise für deutlich zu teuer halte, gleite ich gern in die Umrechnung in D-Mark ab. War nicht klar genug für hier.

  5. Was ich mich frage, ist, ob Amazon die richtige Adresse für den wöchentlichen Einkauf sein kann – eher nicht. Spezielle Dinge einzukaufen, ist eine Sache, aber die normalen Einkäufe im Supermarkt wird ein Einkauf bei einer ganzen Reihe von Spezialisten auf der Plattform von Amazon nicht ersetzen können.

    Um die Versandkosten auf ein vernünftiges Maß zu drücken – und auch den Aufwand für den Versand zum Kunden auf ein ökologisch vernünftiges Maß zu begrenzen – muss man an einer Quelle einkaufen.

    Deshalb sollten die Betreiber der Supermärkte jetzt doch noch einmal verstärkt über den Onlineverkauf nachdenken. Inzwischen sind nicht nur die Kunden mit ihren Erfahrungen weiter, sondern auch die Technik.

    Kann alles mit einmal Mal ausgeliefert werden und werden gleich mehrere Kunden in einer Wohngegend bedient, schrumpfen die Transportkosten und sinkt die Umweltbelastung tatsächlich.

    Um die Kosten am Anfang klein zu halten könnte man mit ein oder zwei Tagen in der Woche beginnen, an denen man sich die Waren für den “großen Wocheneinkauf” liefern lassen kann.

  6. @Pia In Mark umrechnen ist aber reichlich “old school”, schließlich war da auch ein himmelweiter Unterschied, was ich mir für ne Mark 1990 kaufen konnte und was 2000. Seit dem Euro hat sich das Preisgefüge ziemlich verschoben, z.B. sind Mieten überdurchschnittlich stark teurer geworden, während Grundnahmrungsmittel teilweise extrem billig sind.

    @Oliver Du sagst es: besondere Sachen. In Hamburg in der Nähe vom Ikea Billbrook gibt es einen tollen Großhändler mit italienischen Spezialitäten. Da habe ich mich immer gerne mit scharfen Nudeln eingedeckt. Habe den genauen Namen vergessen, aber sie sind teils gründlich und teils rötlich gefärbt und schreien danach, mit Pesto verzehrt zu werden. :) In Berlin habe ich sie bisher nicht gefunden, weder in Supermärkten noch bei den zwei kleinen italienischen Läden, die ich bisher entdeckt habe. Leider hat Amazon sie aber auch nicht.

  7. @enno
    da bin ich doch gern oldschool. Wobei du natürlich Recht hast, dass die Kaufkraft nicht mehr vergleichbar ist. Trotzdem.

    @oliver
    in meinem Ursprungsposting auf denkding.de hat eine Kommentatorin einen ganz anderen Aspekt genannt, nämlich Einkaufen auch für Menschen mit Handicaps zu ermöglichen. Ihr Beispiel war ein blinder Freund, der nicht ohne Assistenz einkaufen gehen kann im Laden. Online schon.
    Ich denke aber auch an die Zukunft und daran, wie wenig mobil wir sein könnten eines Tages und wie ausgedünnt die kleinen Läden schon jetzt auf dem Land sind. Aber auch in der Stadt in der ich jetzt lebe (mit rund 20 000 Einwohnern) gibt es viele Viertel gänzlich ohne Laden, weil die großen Märkte am anderen Ende sind. Ohne Auto keine Chance auf Einkauf. DAS kann nicht gesund sein und ich bin sicher, dass sich irgendwo Berechnungen finden lassen zur Ökobilanz von onlineshopping inklusive Lebensmitteln. Ganz neue Dimensionen.

  8. Ich muss sagen, dass ich mir am Wochenende in aller Ruhe die ganzen Werbeblätter der Supermärkte und Discounter durchlese und die Preise vergleiche. Ich lebe zwar nicht von der Hand in den Mund, aber man muss auch nicht unbedingt mit seinem Geld um sich schmeißen. Preise vergleichen lohnt sich oft und rentiert sich. Tipp: Einfach das Gesparte in die Reisekasse für den nächsten Urlaub schmeißen :)

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