Gerüchte um Jailbreak-Sperre und FaceTime-Lauscherei bei Apple: Alles Unsinn

Kürzlich berichteten wir über Gerüchte, wonach Apple angeblich versuchen will, FaceTime-Gespräche mitzuschneiden und iPhones zu sperren, die sich im falschen Netz befinden oder per Jailbreak befreit wurden. Max Winde schreibt, warum diese Gerüchte Unsinn sein müssen.

Alle Angaben sind extrem vage. Der Blogger Nakodari behauptet, es gebe eine Zeile (!) im iOS4-Code, der ein OTA-Update zum Telefon sendet, dass das Telefon lahm legt, falls ein Jailbreak vorliegt: iOS ist nicht in der Lage, Updates zu senden, sondern bestenfalls zu empfangen. Ich bezweifle, dass dies mit einer Zeile Code geändert werden kann. Wenn es solchen Code gäbe, dann also nicht im iPhone, sondern irgendwo außerhalb des iPhones, z.B. bei Apple oder AT&T.

Nakodari behauptet auch, dass AT&T ein Update rausschicken würde, dass alle US-iPhones an AT&T bindet. Dies ergibt überhaupt keinen Sinn, weil alle US-iPhones eh an AT&T gebunden sind. iPhones, die durch ein Unlock nicht mehr im Netz von AT&T sind, kann AT&T sowieso nicht erreichen, weil sie eben nicht mehr im Netz von AT&T sind. Angeblich habe AT&T für 6 Monate OTA Updates rumliegen. Werden die danach schlecht? Entweder die schicken alle 7 Tage das selbe raus, oder die brauchen gegen neue Unlocks neue Updates, die aber sicher nicht 6 Monate im voraus geschrieben werden.

Es gibt zwar einen Jailbreak für iOS 4, aber den muss Apple erst einmal analysieren und würde so noch lange nicht den nächsten oder übernächsten Jailbreak identifizieren können. Außerdem wäre es eine Leichtigkeit OTA Updates zu deaktivieren, wenn man einmal mit einem Jailbreak im System ist. Der einzige Beweis fürs die abwegig steile These: ein Screenshot von einem iPhone, das nach einem Carrier-Update fragt. Von diesen Carrier Updates gab es schon diverse, ich hab mal eins auf meinem iPad gemacht.

Mittendrin schreibt Nakodari, dass ein Telefon gelockt wird, wenn es kein Carrier-Update empfängt. Das klang am Anfang des Artikels noch anders. Darüber, wie das gehen soll, schweigt er sich aus. (Was passiert, falls das Telefon gerade keinen Empfang hat, während dieses ach so wichtige Update kommt, schweigt er sich auch aus.)

Nakodari behauptet, das iPhone 4 wäre von AT&T verfrüht verschickt worden, um das System testen zu können und damit das Netz von AT&T nicht überlastet wird. Warum die Kontrolle über die iPhones verloren gehen sollen, wenn das AT&T System überlastet gewesen wäre, schreibt er nicht. Und: es wurden keine iPhones zu früh geliefert. Ich glaube, ich hätte das mitbekommen. Es hätte garantiert auf einem der 500.000 Apple Blogs gestanden. Die 1-2 Tage, die Packetdienste einige wenige iPhones zum zur früh ausgeliefert haben, sollten für solche Tests kaum eine Rolle spielen.

Zur Behaputung, Apple würde Userdaten stehlen: Zunächst geht’s um unverschlüsselte WLAN-Verbindungen und dass das Video-Telefonat nicht verschlüsselt sei. Kann ich nichts zu sagen, hab kein iPhone 4 um es zu testen. Dann wechselt er spontan das Thema, und schreibt, dass Apple Informationen über Telefonate an sein Büro senden würde. Ich dachte, unser lustiger Informant arbeitet bei Apple? Oder wo arbeitet er plötzlich, dass Apple ihm Informationen schickt? Und die wissen dann nicht, was sie mit diesen Informationen machen sollen?

Er sagt, dass viele bei Apple kein Update auf iOS 4 machen würden, wegen der Privacy-Probleme des neuen OS. Leider erklärt er nicht wirklich, welche das sein sollen. Die OTA-Update wären ja kein Privacy- sondern ein Netz-Problem, und das FaceTime-Problem kann auf einem alten iPhone ja offensichtlich nicht auftreten, weil sie kein FaceTime haben.

Nakodari behauptet, einen Beweis für seine FaceTime-Verschwörung zu haben (zweiter Artikel). Dieser Beweis ist ein Screenshot einer Support Mail, die offensichtlich Servicemitarbeiter darauf hinweist, dass zur Aktivierung der FaceTime-Funktion eine SMS verschickt werden muss. Die Sache mit der SMS ist bekannt, Apple weist sogar darauf hin, dass dadurch eventuell einmalige Kosten auftreten könnten.

Die Aussage “This confirms that Apple has no opt-out in place. To activate FaceTime, your iPhone must be able to send an SMS to Apple which will contain your iPhone’s information and location.” ist so dämlich wie es nur geht. Also: 1. Um FaceTime zu aktivieren, muss eine SMS an Apple geschickt werden: ja, stimmt, allseits bekannt. 2. In dieser SMS stünde “your iPhones Information” und Location. Welche Information? Wieso schreibt er es nicht etwas genauer? Mein Telefonnummer, meine iphone Farbe, meine Penislänge? Weiß er es nicht? Woher weiß er, dass da die Location drin steht? 3. Das beweise, dass Apple kein Opt-Out hätte? Die SMS wird bei der ersten Benutzung von FaceTime verschickt. Der Opt-Out ist also offensichtlich: FaceTime nicht benutzen! Wer wird da wie in welcher Weise ohne Opt-Out ausspioniert? Diese SMS Email soll auch beweisen, dass Apple Videotelefonate mitschneiden könne. Wie sie das tut? Weiss keiner, ist ja auch egal.

Dann schwadroniert er ein wenig darüber, wer denn die SMS bezahlt. Und behauptet, dass man für FaceTime-Telefonate im “SMS-Range” sein müsse. Was ist ein SMS Range? Nahe an einem Briefschlitz? Falls er damit GSM-Empfang meint: nein, muss man nicht, man kann FaceTime-Teleofnate auch im Flugmodus nur mit WLAN führen.

Im Update 4 schreibt er, dass weder Apple noch AT&T das Telefon deaktivieren könnten, wenn es einmal geunlockt sei. Wie bitte? Das ist aber der Inhalt exakt des Artikels, unter dem dieses Update steht. Darum geht der Artikel überhaupt, dass Apple und AT&T jederzeit das Telefon abschalten könnten und OTA-Updates dringend installiert werden müssen oder auf keinen Fall installiert werden dürfen weil sonst das Telefon gelockt wird. Plötzlich heißt es nur noch, man verlöre seine Garantie. Aber um nicht etwa auf dem Boden der Realität zu landen, versteift er sich noch auf die These, man könne ein gejailbreaktes iPhone nicht bei Ebay versteigern.