Photoface: Zeig mir Deine Nase und ich sag Dir wer Du bist

Neben dem Thema des Identitätsdiebstahls spielt der Erhalt unserer Privatsphäre eine große Rolle. Was ist aber, wenn an jeder Ecke unseres Lebensraumes Kameras stehen und wir auf Schritt und Tritt beobachtet werden? Ein Forscherteam aus Bristol, England, arbeitet zudem gerade an einer Möglichkeit unsere Identität per Kamera aus der Ferne festzustellen – und zwar anhand unserer Nasenform.

Zur Identifikation von Menschen gibt es ja bereits eine Vielzahl an Möglichkeiten. Sei es der klassische Finderabdruck, die Gesichtserkennung oder der Ohrabdruck. Es existieren viele Faktoren,  die eine Person unverwechselbar machen. Nun haben ein paar kluge Köpfe sich ein weiteres Mal mit einer Methode zur eindeutigen Feststellung der Identität beschäftigt. Herausgekommen ist bei der Forschung unter der Leitung von Dr. Adrian Evans, dass weder die Augen, noch die Ohren bei den körperlichen Merkmalen bei einer Identitätsfeststellung durch eine Kamera funktionieren können. Denn die Augen ändern sich je nach Gesichtsausdruck und die Ohren lassen sich beispielsweise unter einer wallenden Haarpracht oder einer Mütze verstecken. Was liegt nicht näher als alternativ das Zentrum des Gesichts zu wählen? Die Nase läuft nicht weg, selbst wenn man erkältet ist, sie bleibt wo sie ist und verändert sich nicht in ihrer Form.

Selbstverständlich wird zur Erkennung, wie oben bereits erwähnt,  kein Nasenabdruck gemacht, sodass man nachher mit einer blau vertinteten Nase herumläuft. Stattdessen wird ein dreidimensionales, fotografisches Abbild des Gesichtserkers vorgenommen. Die Technologie, die dabei verwendet wird, nennt sich Photoface. Dabei werden vier Fotografien aus verschiedenen Blickwinkeln gemacht und anschließend jeder Punkt des Gesichts mithilfe einer speziellen Software nach Schattierungen, Farben, Oberflächenausrichtung und Tiefe analysiert. Durch dieses Verfahren entsteht ein Bild mit sehr hoher Detailschärfe.

Um das Datenaufkommen bei den Scans nicht zu überspannen fokussierten die Forscher sich auf das Profil des Nasenrückens, die Nasenspitze und den Nasenwurzelpunkt. Durch die Analyse des Nasenrückens und der Vermessung der Nase von der Spitze zur Nasenwurzel können die sechs bekannten Nasentypen (s.o.) ausgemacht werden. Diese Technologie konnte nach ersten Tests bereits eine sehr gute Genauigkeit bei der Erkennung erzielen.

Zwar befindet sich das Projekt noch in der Entwicklungsphase doch diese Technologie kann in Kombination mit anderen Erkennungsverfahren Menschen bestimmt mit einer hohen Genauigkeit identifizieren. Sicherlich ist das ein toller Fortschritt für die Überwachenden, besonders in England, dem Land mit der wohl höchsten Kameradichte in Europa. Hier kann man sich so richtig auslassen,was die erkennungsdienstliche Behandlung aus der Ferne angeht. Doch vielleicht können wir die Software ja auch, sobald sie fertig ist, zur Anmeldung für Facebook benutzen oder uns bei unserer Bank per Webcam einloggen.

Allerdings hat für mich die Vermessung von Körperteilen, vor allem der Nase und des Kopfs einen irgendwie faden Beigeschmack. Woher kommt das nur?

[via Gizmodo]

5 Gedanken zu „Photoface: Zeig mir Deine Nase und ich sag Dir wer Du bist“

  1. Naja die Nase des Mannes… Ok den Rest wolltest Du ja auch nicht schreiben. Stellt sich die Frage, was den eigentlich mit dem Wörtchen “Wahrscheinlichkeit” oder wie es bei Dir im Text sich nennt “hohen Genauigkeit” in den nächsten Jahren geschehen wird.

    Im Moment sind wir doch sehr stark darauf geeicht in digitalen Mustern zu denken. Schwanger/Nicht schwanger. Schuldig / Unschuldig. Auch wenn man bei solchen Analysen immer dazu sagt, dass es eine Fehlermenge gibt. Zeigt doch die Praxis (zum Beispiel das Scoring bei der Kreditvergabe), dass dieses Wissen schnell vergessen wird und man sich stark auf das verlässt, was da als Analyseergebnis (hier Identifikation) vom System ausgespuckt wird.

    Nach der Einführung des Autopiloten in der Luftfahrt musste diese Erfahrung auch gemacht werden. Wie lange dauert diese Lernkurve wohl in anderen Lebensbereichen?

  2. @Thorsten: Auf die Nase des Mannes wollte ich nicht anspielen. Sondern auf die Vermessungstechniken vor 70 Jahren. Es werden von den Forschern nämlich ganze Datenbanken aneglegt und wer weiss,was damit so alles angestellt wird. Allerdinmgs fand ich das dann zu weit hergeholt und zu krass es zu schreiben. Zudem sind diese Methoden mittlerweile wissenschaftlich widerlegt worden. Und zur vermessung des anderen, zumeist verdeckten Geschlechtsteils, gibt es ja nun die Nacktscanner ;-). oder Chatroulette
    @Karteleiche: ein wenig trollig oder?

  3. @Andreas och Spaß. ;) Was “vor 70 Jahren” betrifft, ist gar nichts zu abwegig. Damals hätte vieles so gar nicht stattfinden können, wenn man nicht vor 150 Jahren auf den neu eingeführten Meldeämtern nach der Religonsangehörigkeit gefragt hätte.

  4. Würde mich freuen, wenn das alles klappt. Dann könnte man Verbrecher doch noch schneller dingfest machen? :-)

    Mich selbst stört es herzlich wenig, wenn überall Kameras wären, welche mich beobachten. :-)

Kommentare sind geschlossen.