Mit Caffeine in Echtzeit googeln

Seit kurzem ist das im Dezember vorgestellte Google Caffeine auch in Deutschland online. Nachrichten, Blogartikel, Tweets, Status-Updates auf Facebook oder MySpace: All das soll jetzt mit nur wenigen Sekunden Verzögerung, also quasi in Echtzeit, angezeigt werden.

Um die Echtzeitsuche auszuprobieren, wählt man auf Google „Optionen anzeigen“ und dann in der soeben geöffneten Sidebar unter „Jederzeit“ die Option „Neueste“. Mein Aufenthalt auf dem Politcamp kommt wie gerufen, das einmal zu testen. Hier finden gerade allerlei Sessions zu verschiedenen (netz)politischen Themen statt. Eine normale Google-Suche nach „Netzpolitik“ fördert das gleichnamige Blog zu Tage. Wechsele ich in die Echtzeitsuche, bekomme ich tatsächlich Tweets und Blogposts, die das betreffende Stichwort enthalten und wenige Minuten alt sind. Besonders schick: Sie aktualisieren sich auch automatisch, ohne dass man die Google neu laden müsse.

Allerdings hat diese Art der Suche noch Kinderkrankheiten: Es tauchen auch Webseiten wie Spiegel Online auf, die das Wort „Netzpolitik“ enthalten und vor kurzem etwas neues veröffentlicht haben, aber eben nicht unbedingt zum Stichwort. Vielleicht sollte ich auch spezieller suchen, also nehme ich das offizielle Hashtag „#pc10“. Wenig überraschend liefert die normale Google-Suche hier nur Daten zu veralteten Computermodellen, während die Echtzeitsuche im Sekundentakt neue Tweets ausspuckt und wie ein Newsticker funktioniert. Zusehen ist faszinierend.

Allerdings tauchen zu vielen Suchbegriffen neue Treffer wohl eher alle paar Stunden oder sogar Tage auf. Hier würde ich mir eine Alarmfunktion wünschen, um den Ticker nicht ständig im Blick behalten zu müssen. Suchen wird zum Monitoring, und wenn man Caffeine schon zum Überwachen von Inhalten nutzt, fehlt noch die Möglichkeit verschiedene Suchen gleichzeitig laufen zu lassen. Das erste Monitoring-Tool, das auf Google aufsetzt und diese Funktionen bietet, wird aber sicher nicht lange auf sich warten lassen.

Technisch gesehen verzichtet Google aufs Crawlen und Ranken der Suchergebnisse: Sie werden nur noch indexiert. Natürlich kennt Google nicht das gesamte Web in Echtzeit, weshalb die Suche nur große Webseiten, wichtige Blogs usw. betreffen wird, während viele Inhalte auf kleinen Webseiten weiterhin erst dann aktualisiert werden, wenn der Google Crawler mal wieder vorbeikam.

Der Verzicht aufs Ranking leuchtet auch ein: Kein Algorithmus entscheidet anhand irgendwelcher Relevanzkriterien, was an erster Stelle ausgespuckt wird. Es gilt einfach: das Neueste zuoberst. Wenn Geschwindigkeit mehr zählt als Relevanz, dürfte das auch die Suchmaschinen-Optimierer auf den Plan rufen. Inhalte werden ja jetzt schon auch in Echtzeit auf Twitter & Co. abgeladen. Black-Hat-SEOs könnten versucht sein, ihre Seiten automatisiert sehr häufig zu ändern und die sozialen Netzwerke mit Spam zu fluten, um bei Caffeine immer ganz oben zu schwimmen. Ich bin gespannt, wie Google solchen Versuchen begegnen wird.

3 Gedanken zu „Mit Caffeine in Echtzeit googeln“

Kommentare sind geschlossen.