Zukunft der Berichterstattung: Der Tag, an dem absolut nichts passierte

Doch, sicher, es gibt heute schon ein paar Themen, die sich zu einer Meldung aufpusten ließen. Aber ein richtiger Knaller ist nicht dabei. Ein Zeichen dafür, dass der Journalismus sich ändern muss – nur dann müsstet auch ihr als Leser mitspielen.

Es ist nicht so, dass gar nichts los wäre. Es gibt weitere Meinungen zum Thema Vorratsdatenspeicherung, aber darüber habe ich ja gestern schon berichtet. Apple verklagt Nebenbuhler HTC wegen vermeintlich gestohlener Patente. Kurios daran ist vor allem, dass HTC davon offenbar aus den Medien erfuhr. Haben Engadget und fscklog aber schon schön aufgeschrieben und ist sehr technisch und damit für eine breite Masse auch kaum interessant. Das Erdbeben in Chile hat die Erdachse ein wenig verschoben, Sipgate ermöglicht VoIP auf dem iPhone, Nokia lässt Skype via UMTS zu.

Es geht auch anders

Nachrichtenjournalismus ist ein hartes Geschäft, vor allem, wenn man jeden Tag dazu gezwungen ist, irgend etwas zu bringen. Dann werden dann schon einmal Mücken zu Elefanten gemacht, oder Boris Beckers Nachwuchs landet auf der Titelseite einer großen deutschen Boulevardzeitung. Tageszeitungen müssen nun einmal täglich erscheinen. Das verlangt nicht nur ihr Name, sondern auch ihre Abonnenten und ihre Geldgeber wollen das. Das Internet bietet Redaktionen theoretisch die Chance, einen anderen Weg zu gehen.

Jan Tißler ist ihn gegangen. Der Herausgeber des geschätzten Upload-Magazins hat vor einigen Wochen einen Achtungserfolg gelandet, als er aufdeckte, wie Sueddeutsche.de Blogger für positive Meinungsmache bezahlt. Der Beitrag habe alle Besucherrekorde gebrochen, schrieb Jan einige Tage später. Das habe ihn veranlasst umzudenken: Weg vom täglichen Nachrichtenjournalismus, hin zu Themen mit längerer Recherche – und damit zu deutlich weniger Meldungen.

Das halte ich für das Modell für die Zukunft. Es gibt Tage, an denen so viel los ist, dass man auch vier Meldungen schreiben könnte. Und es gibt halt Tage wie heute, an denen einfach nichts passiert, was man für berichtenswert hält.

Journalisten auf Dauerabruf

Nicht ganz einfach ist es, sich auf diesen Wandel einzustellen. Danach zu leben, würde für Journalisten bedeuten, jeden Tag ins Blaue zu arbeiten. Eigentlich hat man frei, aber jede Stunde grast man Tweets, Feeds und Mails ab und setzt sich spontan an die Arbeit, wenn es etwas zum Schreiben gibt. Wenn nicht, urlaubstagt man halt weiter. Dann wäre ein Journalist nichts anderes mehr als ein Springer, der über keinerlei zeitliche und finanzielle Sicherheit verfügt. Keine besonders schöne Vorstellung.

Die Frage ist aber, was ihr als Leser möchtet: Wollt ihr lieber jeden Tag eine gewohnte Zahl von Meldungen, auch auf die Gefahr hin, dass mal ein paar schwächere dabei sind? Oder wollt ihr lieber nur dann Infos, wenn wirklich was passiert, auch wenn das bedeutet, dass es an manchen Tagen gar keine Neuigkeiten gibt? Stimmt mit ab!

3 Gedanken zu „Zukunft der Berichterstattung: Der Tag, an dem absolut nichts passierte“

  1. “an Tißler ist ihn gegangen. Der Herausgeber des geschätzten Upload-Magazins hat vor einigen Wochen einen Achtungserfolg gelandet, als er aufdeckte, wie Sueddeutsche.de Blogger für positive Meinungsmache bezahlt.”

    Naja, bei Trigami steht unter jedem Blogbeitrag drunter, dass der Auftraggeber dafür gezahlt hat. Die Enthüllung hält sich da IMHO in engen Grenzen. Vermutlich haben damals einfach viele zum ersten Mal von Trigami gehört.

    Abgesehen davon, dass Advertorials grundsätzlich eine Plage sind, habe ich die Aufregung nicht verstanden. Muss wohl der “Holzmedium”-Faktor sein.

  2. Die Frage, die du da aufwirfst, ist sehr interessant, schließlich ist einem Medium (Zeitung, Website oder Blog) mit einem gut recherchierten Knaller-Artikel die Aufmerksamkeit sicher, aber es braucht (nicht zuletzt, um die User auf der Seite zu halten und auch für die Google-Bewertung) auch ein gewisses Backend, also Content, auch wenn er mal nicht so knallermäßig ist..Ich habe mich beim Voting also für die 3. Antwortmgl. entschieden..Ich surfe z.B. meine Favoritenseiten täglich an, wenn jetzt eine mehrere Tage nichts Neues hat, fliegt sie erst mal aus meinem Radar..Ist die Frage, ob ich dann jeden Knaller-Artikel mitbekomme. Interessantes Thema, aber auch schwierig..

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