Kein Flash auf dem iPad: Adobe sieht nur politische Gründe für Apples Vorbehalte

Neben vielen Technikfans hat sich auch Flash-Erfinder Adobe – erwartungsgemäß – enttäuscht darüber gezeigt, dass Apples Tablet-Rechner iPad offenbar ohne Unterstützung der Technik auskommen soll. iPad-Nutzer würde damit der Zugang zu 70 Prozent der Online-Spiele und 75 Prozent der Videos im Web verweigert, schreibt Adobe im eigenen “Flash Platform Blog”.

Hulu, Miniclip, Farmville – all diese Anwendungen seien ohne Flash-Unterstützung auf dem iPhone nicht möglich, moniert Adobe-Blogger Adrian Ludwig. Flash ist zum Quasi-Standard für das Abspielen von Videos im Web geworden. Von vielen Webdesignern wird erwartet, dass neue Funktionen in HTML 5 einen Einsatz von Flash überflüssig machen. Auch Apple scheint das offenbar zu hoffen.

HTML 5 ist noch nicht so weit

Zu einer Verabschiedung des HTML-5-Standards und vor allem den Einsatz in allen gängigen Browsern, ist aber in nächster Zeit nicht zu rechnen.

Noch dazu ist fraglich, ob HTML 5 Flash in absehbarer Zeit gänzlich wird ersetzen können. Vor allem Werbung in Videos, mit denen die Videoplattform YouTube zunehmend gutes Geld verdient, ist mit Flash verknüpft. Werbung, die mit HTML 5 funktioniert, gibt es praktisch noch nicht. YouTube testet derzeit einen HTML-5-Videoplayer. Dieser funktioniert allerdings nur mit den Browsern Chrome und Safari. Der Codec H.264 wird von Firefox, Opera und Internet Explorer nicht unterstützt.

Apple gefällt es nicht, im Falle der Flash-Technik nicht die Kontrolle über die Technik zu haben, vermutete Mashable-Autor Barb Dybwad am Mittwoch. Ein weiterer Grund könnte sein, dass Flash als Hauptverursacher gilt, der Apple-Rechner mit Mac OS X-Systemen zum Absturz bringt.

Apple iPad
Geschlossenes System: Apple lässt neben Flash auch andere Software nicht auf Tablett.

Was könnten bloß die Gründe sein? Fünf Fragen, fünf Antworten

Adobe schlägt aber noch weiter in die Kerbe, stellt in einem weiteren Blogbeitrag fünf Fragen nach den Gründen für Apples Abscheu vor Flash und beantwortet sie gleich selbst: Dass die Flash-Technik nicht offen sei, stimme nicht. Ebenso wenig die Vermutung, dass Apple für die Nutzung der Flash-Technik zahlen müsse. Apple könne iPad und iPhone mit Flash ausstaffieren und müsse dafür keinen Cent zahlen, schreibt Ludwig.

Viele Nutzer würden kein Flash auf ihrem iPad wollen – das sei kein Grund, die Technik nicht generell abzulehnen. Es werde ja keiner gezwungen, Flash auch zu benutzen. Dass der Prozessor des iPad nicht zu langsam sei, um mit der angeblich ressourcenhungrigen Flash-Technik fertig zu werden, hätten andere Smartphones bewiesen. Flash komme erfolgreich auf den Mitspielern der Konkurrenz zum Einsatz: Googles Nexus One, dem Palm Pre und dem Motorola Droid.

Die wahren Gründe, die gegen Flash auf dem iPad sprechen, weiß wohl nur Apple selbst. Allerdings ist es nicht unmöglich, dass Flash zu einem späteren Zeitpunkt noch via eines Software-Updates auf das iPad kommt – ebenso wie das genauso schmerzlich vermisste Multitasking.