Am Empfänger vorbei: Jörg Kachelmann gegen den Deutschen Wetterdienst

Prima Realsatire am Montagmorgen: Wettertainer Jörg Kachelmann darf in einem Gastbeitrag im Blog von Stefan Niggemeier über seine wirtschaftliche Konkurrenz vom Deutschen Wetterdienst herziehen. Weil er sich dabei verrennt, wird er von den Kommentatoren genüsslich zersägt. Schuld daran ist das Tief Daisy, das weit weniger Schneeverwehungen gebracht hat als versprochen.

Kachelmann kritisiert in dem Beitrag seine Konkurrenz vom Deutschen Wetterdienst (DWD), der vor Blizzards und Schneeverwehungen gewarnt hatte. Außerdem beklagt er sich über “die obersten Wetter- und Katastrophenschutzbehörden”, die die Menschen zu Hamsterkäufen veranlasst hätten.

Am Ende kam es überall nicht einmal halb so schlimm wie es in den Warnungen klang, nicht einmal im äußersten Norden und Nordosten Deutschlands, wo es tatsächlich unterspülte Deiche und Verwehungen bestehender Schneemassen gab. Kachelmann hat bei seiner Kritik aber zu wenig zwischen den Beteiligten differenziert – und offenbar vergessen, dass sein eigener Wetterdienst für später nicht betroffene Regionen ebenfalls eine Unwetterwarnung mit höchster Warnstufe herausgegeben hat. Die Kommentatoren zu seinem Beitrag zerpflücken ihn dafür zu Recht.

Schneeverwehung

Die eigentlichen “Täter” lässt er laufen

Kachelmann leistet in seinem Beitrag PR für seine eigene Firma und gegen den Mitbewerber Deutscher Wetterdienst. Kritik an den eigentlichen Protagonisten der Geschichte äußert er allenfalls am Rande: An den Medien, die alle Zweifel und jeden gesunden Menschenverstand bewusst in den Wind schlugen, um die mögliche Katastrophe herbeizuberichten. Im Falle von “Bild” und “Bild an Sonntag” sieht man sich sogar im Recht. Es seien ja immerhin ein paar LKW liegen geblieben und Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten.

In einem Kritikpunkt hat Kachelmann nämlich Recht, auch wenn er um den Adressaten seiner Kritik herumkrakelt:

Bei drohenden Hurricanes weiß jedes amerikanische County, welche Straße rechtzeitig gesperrt wird, Deutschland weiß es irgendwie nicht. Ist es der Wunsch nach selbsterfüllender Prophezeiung oder schiere Ignoranz? Straßen werden erst gesperrt, nachdem Autos und LKWs liegenbleiben, nicht vorher.

Dass der Deutsche Wetterdienst seine Unwetterwarnung da schon zurückgezogen hat, lastet Kachelmann ihm plötzlich als schweren Fehler an. Einziger namentlich genannter Sündenbock in seiner Argumentation ist der DWD. Das haut nicht hin!

Ein Gedanke zu „Am Empfänger vorbei: Jörg Kachelmann gegen den Deutschen Wetterdienst“

  1. Die Frage ist schon auch, warum ein solch unausgegorener und anscheinend aus einer Emotion übereilt “herausgeschossener” Beitrag bei Niggemeier erscheinen muss. Ich dachte, Werbung sollte als solche kenntlich gemacht werden?

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