Wir werden alt werden, aber werden wir auch gebrechlich?

Mein Chor probt einmal die Woche in einem Bonner Altenheim. (So alt sind wir im Durchschnitt zwar nicht, aber wir mieten dort einen Raum.) Als ich dort neulich an einem eher gebrechlichen Pulk älterer Herrschaften vorbei kam, fragte ich mich, ob wir wohl genauso werden. Das ist möglich, aber unwahrscheinlich. Man wird uns gar nicht lassen.

Das dürfte dem maroden Gesundheitsfürsorgesystem geschuldet sein, das kaum noch Geld für uns ausgeben mag. Wer heute 80 Jahre alt ist, hatte seine beste Zeit während Wirtschaftswunder und Vollbeschäftigung, als man immer mal zum Arzt gehen konnte, um sich gesund pflegen zu lassen.

Heute sind Krankenkassen und Gesundheitsministerium eher dazu bestrebt, uns von Ärzteschaft und Krankenhäusern fernzuhalten. Wir müssen uns eine Art Eintrittskarte kaufen, für die meisten Medikamente und Tests selbst zahlen.

Die Kassen halten sich raus

Fühlte man sich früher krank, dann ging man zum Arzt, ließ sich etwas verschreiben, fühlte sich besser. Das war auch in unserer Jugend noch so. Heute sind Ärzte Lebensberater, die ihre Patienten zu einem gesunderen Lebenswandel verhelfen wollen, ja müssen: ausgewogene Ernährung, Sport, Muskelaufbau – und zwar auf unsere eigenen Kosten. Wir selbst sind dafür verantwortlich, uns gesund zu halten. Teurere Ernährung und Fitnessstudio gehen in den meisten Fällen auf unsere eigenen Kosten. Kuraufenthalte werden nur noch selten verschrieben. Die Kassen halten sich raus.

Aber es geht um mehr als die körperliche Gesundheit. Einmal eine Ausbildung machen und danach nie wieder lernen, ist längst passé. Wir werden uns unser Leben lang fortbilden und einen beträchtlichen Teil unseres Einkommens in Bildung stecken müssen, um fachlich auf dem neuesten Stand und auch geistig gesund zu bleiben.

Wird es dann noch so etwas geben wie Altenheime, in denen die Patienten – wie heute leider vielfach gang und gäbe – vor sich hinvegetieren? Das lohnt es sich zu beobachten. Klar werden auch wir älter, leistungsunfähiger und gebrechlicher. Aber in dem Maße wie die heutige Rentnergeneration? Das ist eben die Frage, und es wird sich lohnen, das in den kommenden Jahrzehnten zu beobachten.

Foto: JonRawlinson via Flickr.