German Way of Life und Globalisierung: Weltfrieden dank der Konsumgesellschaft?

Warum gibt es McDonald’s und Burger King überall auf der Welt? Damit sich der Amerikaner wie zu Hause fühlt, wenn er mal im Ausland ist, behaupten böse Zungen. Filialen von Pizza Hut, Starbucks und Dunkin’ Donuts machen es ihm noch leichter. Doch kein Grund, immer auf die Amis zu schimpfen. Auch der Deutsche exportiert seinen Way of Life ins Ausland. Obwohl: Gibt es den Deutschen eigentlich noch?

Aldi sei Dank: Der Supermarktdiscounter ist neben seinem Herkunftsland Deutschland inzwischen in 28 weiteren Ländern präsent, darunter auch Australien. Während Wal Mart nach dem Sprung über den großen Teich in Deutschland nicht landen konnte, scheint Aldis Strategie in den USA aufzugehen. Aldi-Filialen gibt es bereits in fast allen Staaten im dichter besiedelten Osten der USA. Und der Discounter bringt dort den German Way of Life gleich mit: Plastiktüten, die Geld kosten, Einkaufswagenchips, Maestro statt Kreditkarte. Exportieren wir doch zur Abwechslung mal etwas von unserer Kultur rüber in die Staaten, dachte man sich wohl bei Aldi.

ALDI USA
Aldi-Filialen in den USA.

Aldis Konkurrent Lidl hat derweil Filialen in 25 Ländern Europas, darunter Malta, Griechenland und die Schweiz. In Großbritannien ist der Discounter seit Ende der 1990er Jahre präsent. Das Satire-Blog Newsarse witzelt bereits, Lidl würde die erste Filiale im seit kurzen nicht mehr ganz so reichen Wüstenemirat Dubai eröffnen.

Gleich nebenan in Katar soll man tatsächlich bald mit der Deutschen Bahn fahren können. Der nach dem Börsengang lechzende Konzern baut dem Wüstenstaat eine Metro und ein nationales Schienennetz, das anschließend auf eine Brückenverbindung zum benachbarten Inselstaat Bahrain ausgedehnt werden soll: mit geplanten 40 Kilometern die dann längste Brücke der Welt.

Unseren Transrapid gibt es zwar nicht hier, aber in China, unsere Schokolade (Ritter Sport) in Südostasien, unsere Kindergärten in Mexiko, unsere Oktoberfeste in den USA, unsere Autos überall auf der Welt. Wird es so weit kommen, dass wir uns auch überall wie zuhause fühlen können, wie die – trotz allem vielerorts ungeliebten – US-Amerikaner?

Lidl Griechenland
Lidl-Werbung auf Griechisch

Fragt uns zum Beispiel ein Belgier nach unserer nationalen Identität, dann könnten wir also neben unserer Sprache und der ewigen Bürde Nationalsozialismus vor allem auf Marken und Produkte verweisen. Eine nationale Identifikation über die Produkte, die wir exportieren? Aber wie viel von dem, was wir täglich essen, benutzen oder wo wir einkaufen, erscheint uns schon deutsch, obwohl es aus dem Ausland kommt? Ikea und H&M aus Schweden, Zara aus Spanien, Kraft aus den USA, Maggi und Nestlé aus der Schweiz, Lavazza-, Illy-Kaffee und Kinder-Schokolade aus Italien.

Wenn wir uns zunehmend über Marken definieren, unsere Marken aber international sind, worüber definieren wir uns dann noch? Vielleicht definieren wir uns in der globalisierten Welt allgemein einfach weniger. Wir sind Europäer, Weltenbürger, Menschen und hätten mit dieser Einstellung noch weniger Gründe als bisher, anderen aufs Maul zu hauen, nur weil sie anders aussehen oder von woanders kommen. Können Globalisierung und Konsumgesellschaft also den Weltfrieden bringen? Sie schaffen ganz neue Probleme, aber zumindest Kriegen könnten sie in der Tat auf absehbarer Zeit ein Ende bereiten.

Oder was meint ihr?

5 Gedanken zu „German Way of Life und Globalisierung: Weltfrieden dank der Konsumgesellschaft?“

  1. Hallo Jürgen,

    Nach 2 Monaten in Miami haben uns unsere dortigen Nachbarn Abends zum Essen eingeladen!
    Ich schöne sache – eigentlich – Nach 30 min Fahrzeit mit dem Auto (in Miami ja ganz normal) wurde uns gesagt man würde uns gerne zum Weißwurst Essen Einladen!!! -> Für ein paar Heimatgefühle ;-)
    So viel zu Deutschen Produkte im Ausland…

    P.s. Vergleichbar mit Bayrischen Weißwürsten waren Sie natürlich nicht!

    Schöne Grüße
    Felix

  2. Eine Definition über Marken muss ja keine Abgrenzung zwischen Nationen bedeuten.

    Viel spannender ist doch, dass Marken wie Starbucks es schaffen, dass sich Menschen aus allen Teilen der Welt darin wiederfinden.

    Nebenbei: Der Globalisierung sorgt für Frieden zwischen den Nationen, für Verbindungen und Gemeinsamkeiten, wo früher Grenzen waren.

  3. @ Oliver: Der Knüller schlechthin ist ja der, dass Starbucks aus einem Staat kommt, in dem man dank Mormomonentum an der Uni keinen Kaffee trinken darf. Dass der Unfug dieser Ketten Verständigung und gar Frieden stiftet ist ja wohl ausgemachter Blödsinn und hoffentlich nicht ganz ernst gemeint gewesen. Denn leider setzt sich ja damit nur das durch, wohinter massenhaft Kapital steht, und nicht was regionalen Charme besitzt. Wozu soll ich US-Kaffee in Wien trinken??? Dafür macht Delhaize seine deutschen Filialen dicht, wo man wirklich gute belgische Biere und Meeresfrüchte kaufen konnte.

    @ Jürgen: Wozu soll sich der US-Amerikaner eigentlich anderswo wie daheim fühlen? Die verlassen ihr Land doch eh nie – und wenn dann nur zur “Donkey Show” in Mexiko.

  4. @kauz: Das war mein voller Ernst. Ich setz noch eins drauf: Ohne die Globalisierung wären wir vermutlich längst tot. Der globale Handel hat Stabilität und Frieden gebracht.

    Natürlich hat die Globalisierung auch Probleme gebracht und selbstverständlich ist unsere Welt noch lange nicht so friedlich, wie wir uns das wünschen. Aber ohne die Globalisierung könnten wir über die heutigen Probleme gar nicht sprechen.

    Starbucks hat ganz klein angefangen, und ist immer größer geworden, ohne dass viel Kapital zur Verfügung stand.

    Du widersprichst Dir in Deiner Argumentation: Wenn Du in Wien keine Kaffee-Kette aus den USA möchtest, wieso möchtest Du belgisches Bier in Deutschland?

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