Genug gespielt, Web-2.0-Freaks! Zeit, die wirklichen Probleme des Alltags anzugehen!

Schön, was in den letzten Jahren dank dem Internet alles möglich geworden ist: E-Shopping, Banking, Online-Einchecken, Bahntickets kaufen, den besten Handwerker finden und direkt beauftragen. Und doch hat Web 2.0 mit seinem Community-Gedanken maßgeblich Spielereien hervorgebracht. Wesentliche Dinge, die das Leben einfacher machen, sind noch nicht erfunden worden.

Es hat sich was getan, aber noch nicht genug

Die Städte haben inzwischen ganz gut aufgeholt und viel unnötigen Papierkram überflüssig gemacht: Meine Briefwahlunterlagen habe ich online beantragt. Ich darf online Termine vereinbaren, um mich beim Bürgeramt vorzustellen. Ich konnte meinen Hund online anmelden – mein Auto allerdings nicht.

Meine Pizza kann ich online bestellen. Teilweise über eigene Seiten, teilweise über Seiten wie Webimbiss, Mjam und Justhunger, die dem Pizzamann ein Fax schicken.

Auch einkaufen kann ich neben Lebensmitteln eigentlich alles in Internet. Und das meist günstiger und mit größerer Auswahl. Ich liebe das – denn tagsüber, zu Öffnungszeiten von Geschäften und Behörden, habe ich selten Zeit, Wichtigeres zu tun oder einfach keine Lust, mich mit einer kleineren Auswahl als bei Amazon zufrieden zu geben.

Unmöglich, einen Arzttermin online auszumachen

Aber eine ganze Menge fehlt noch für die schöne, komfortable Online-Welt, und manchmal fragt man sich einfach, warum ausgerechnet das noch niemand umgesetz hat. Zum Beispiel gibt es keinen Grund, warum ich meinen Zahnarzt-Termin nicht online ausmachen kann. Wenn ich da anrufe, dann guckt die Sprechstundenhilfe in den digitalen Kalender und sucht mir den nächsten freien Termin raus. Das könnte ich auch selbst und zwar dann auch rund um die Uhr. Offenbar fehlt da nur ein Webservice, den alle Arztpraxen gemeinsam verwenden können. Eine Marktlücke?

Bitte erfinden: Webservices für Lagerbestand B2C und Zugauslastung

Richtig krass ist das bei meiner Frauenärztin. Drei Stunden am Tag hat man Zeit, dort anzurufen, und in genau diesen drei Stunden ist die Leitung natürlich dauerbesetzt. Hat man kein Telefon mit automatischer Wahlwiederholung, braucht man sich an dem Tag für die drei Stunden nichts anderes vorzunehmen und muss es mit etwas Pech sogar am kommenden Tag erneut versuchen.

Alles, was nicht Lebensittel-Einkauf oder Drogeriemarkt ist, erledige ich bereits online. Bankgeschäfte sowieso. Meine Versicherungen auch. Aber:

Ich will im Restaurant online meinen Tisch reservieren können. Alle Termine bei Ärzten und Behörden online machen. Will mir meine Lebensmittel liefern lassen, will auch außerhalb von Berlin mit dem iPhone herausfinden können, wann mich der nächste Bus nach Hause bringt. Ich will am Rechner lesen können, wie viel Strom ich gerade verbrauche und wieviel ich dafür zahle, wenn ich die Heizung aufdrehe.

Noch viel zu tun

Ich finde es interessant zu sehen, wo alle Schiffe und Flugzeuge der Welt sich gerade aufhalten. Ich will aber auch vor der Abfahrt schon wissen, wie voll der Zug ist, mit dem ich in die Nachbarstadt fahre und zu welchen Tageszeiten er allgemein am leersten ist. Ich will wissen, ob der Bäcker mein Lieblingsbrot noch vorrätig hat oder ob ich mir die zehn Minuten Fußweg sparen kann.

Wie oft stehe ich im Hallenbad am Beckenrand und ärgere mich, dass wieder alle Bahnen belegt sind. Davor hätte man mich doch schon via Websservice warnen können, bevor ich die 3 Euro Eintritt bezahlt habe, oder am besten noch, bevor ich mich überhaupt auf den Weg ins Hallenbad gemacht habe.

Also, Webentwickler: Genug der Spielereien mit Reisecommunitys, Freundesnetzen und Katzendating-Sites. Es gibt noch viel zu tun und in vielen Branchen wie der öffentlichen Hand sogar gutes Geld zu verdienen. Packt es an!

Und euch, geschätze Leser: Welcher Webservice fehlt euch noch zum Glücklichsein?

5 Gedanken zu „Genug gespielt, Web-2.0-Freaks! Zeit, die wirklichen Probleme des Alltags anzugehen!“

  1. Schöne Vorschläge. Das Thema mit den Arztterminen habe ich neulich auch diskutiert. Aber es gibt für die Ärzteschaft leider mindestens einen Grund, das nicht per Web-App zu machen: Termine werden häufig danach vergeben, ob man gesetzlich oder privat versichert ist.

    Schön wäre eine Skilift-App die mir an der Pistenkreuzung die aktuellen Wartezeiten der verschiedenen Liftanlagen meldet. Oder wie wärs mit einem wirklich funktionierenden Stauwarner, der der Realität nicht Stunden hinterherhinkt.

  2. In Bonn kann man seine Termine bei der Stadt online machen, sehr komfortabel, nie wieder stundenlang mit frustrierten Menschen im Stadthaus mit 70er-büro-look rumhängen. Strom und Gaszähler mit Netzanbindung werden schon in großen Mengen installiert, und bei bahn.de kannst du vorher sehen ob der Zug Verspätung hat. Wie voll oder leer kann man nicht vorhersagen, ist ein chaotisches System, im Zweifelsfall immer Berufsverkehrszeiten…

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