Früher der Sportverein, heute die Uni: Studieren als Hobby
20. Dezember 2009 - Jürgen Vielmeier
Spiegel Online schreibt heute über die 93-jährige “Dottoressa” Adriana Jannilli, die gerade ihren Doktortitel gemacht hat. Studieren aus Spaß am Lernen, lebenslang und nicht des Jobs wegen. Das wird ein Modell für die Zukunft sein.
Dass wir lebenslang lernen, bringt schon der Arbeitsplatz mit sich: Fortbildungen, Schulungen, um neue Software, neue Arbeitsmethoden zu erlernen. Haben wir gerade keine Arbeit, schickt uns die Agentur für Arbeit unter Umständen auf einen Kursus, der uns weiter qualifiziert.
In den letzten Monaten liefen mir aber auch sehr viele Menschen über den Weg, die nicht mehr nur deswegen lernen, weil ein Arbeitgeber es verlangen könnte. Viele machen einen Master, obwohl sie schon einen Bachelor-Abschluss haben, viele einen Doktortitel allein der Interesse halber, obwohl ein Magister oder Diplom als Qualifikation für ihren Job eigentlich ausreicht.
Nicht für den Chef, für uns selbst
Es ist das Interesse am Lernen. Der Wunsch, die eigenen Lücken des Wissens und der Fähigkeiten zu schließen und am Zahn der Zeit zu bleiben. Das sind erst die Vorboten zu einem Trend, der im Weiterverlauf des 21. Jahrhunderts zum Volkssport werden könnte: Lernen, Studieren, Kurse besuchen, immer mehr wissen. Ein Hobby: So wie man früher in einen Sportverein gegangen ist, geht man dann in die Uni, an die Volkshochschule oder nimmt Online-Lernkurse zuhause.
Das kann für einen Traumberuf bestimmt nicht schaden. Allerdings würde ein 50-jähriger, der in seinem Alter erst beginnt, Computer- oder Fremdsprachen zu lernen oder gar ein weiteres Studium zu absolvieren, trotzdem seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt kaum erhöhen. Allein schon seines Alters wegen.
Umdenken. Freiberuflichkeit für alle?
Auch viele Frauen traf ich, die ihre Doktorarbeit schreiben – und mir im nächsten Atemzug von ihrer Familienplanung erzählten. Besonders Ihnen unterstelle ich einfach mal, dass sie sich in erster Linie der Interesse halber so weit qualifizieren, vielleicht auch im zu zeigen, dass sie es können. Nicht aber um einem Arbeitgeber zu gefallen, der sie insgeheim weniger gerne beschäftigen würde als einen Mann gleichen Alters.
Also müssten die Arbeitgeber und Personaler irgendwann einmal beginnen umzudenken. Ein langer und steiniger Weg. Die Lösung: Freiberuflichkeit für alle? Gut möglich, dass das ein weiterer Trend des 21. Jahrhunderts wird.






















[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Patrick, YuccaTree Post erwähnt. YuccaTree Post sagte: Früher der Sportverein, heute die Uni: Studieren als Hobby könnte ein Modell für die Zukunft sein. http://bit.ly/5TlOyW [...]
Studieren als Hobby könnte ein Modell für die Zukunft sein…
soso, anscheinend ist vielen nicht klar das es kein “hobby-studium” mehr gibt. die gesammte rige der bachelor studiengänge ist auf den arbeitsmarkt ausgerichtet. freiräume die ja nötig sind um wissen zu vertiefen wurden auch schon wegrationalisiert.
was ihre anmerkung zum zusätzlichen master betrifft kann man nur sagen das oftmal ein bachlor nicht ausreicht, es ist sozusagen ein grundstudium und erst mit dem master hat man dann einen wirklichen akademischen abschluss.
da der text eh nie gelesen wird ists mir egal mit groß und kleinschreibung und satzbau usw. sowieso ;)
gruß andre
@andre: Mir ging es eher um den zweiten Bildungsweg. Da gibt es aber immer mehr berufsbegleitende Studiengänge und es sinkt die Hemmschwelle, einen Master oder noch ein anderes Bachelor-Studium berufsbegleitend oder vollzeit nachzuholen. Oder andere Arten von Fortbildung. Dass der Bachelor im Vergleich zum Diplom entwertet wird, bestreite ich nicht. Die Zeiten haben sich da erheblich geändert. Aber damit sind wir uns im Grunde einig, dass es sich oft lohnt, noch einen zweiten Bildungsweg einzuschlagen – man es oft sogar muss.
P.S. Hier geht kein Kommentar unter! ;)