Fast getwittert

“Stinken deine Klamotten auch alle so nach Rauch?”, fragte mich meine beste Freundin nach einem gemeinsamen Kneipenabend. “Und wie!”, antwortete ich. “Ich hätte auch schon fast darüber getwittert.” Fast.

Hier soll es jetzt mal nicht darum gehen, warum das Rauchverbot in NRW faktisch nicht mehr gilt. Der Mensch ist faul – darum soll es gehen.

Während meiner Wehrdienstzeit in den späten 90ern habe ich noch Briefe und Postkarten an Freunde und Familie geschickt. Kurze Zeit später kamen für mich die kürzeren und schnelleren E-Mails und SMS, was im Großen und Ganzen das Ende des Briefeschreibens bedeutete.

E-Mails schreiben, um Freunden von Neuigkeiten zu erzählen, macht man auch kaum noch. Da ist Chatten per Skype, ICQ oder Facebook schneller und einfacher. Und eine StudiVZ-Meldung ist noch bequemer verschickt.

Neuer ist, gar keine Nachrichten mehr zu schreiben, sondern nur noch den Status auf Facebook oder Twitter zu aktualisieren, den die Freunde ja lesen: “War gerade in München einkaufen.” 140 Zeichen oder auch mal etwas mehr, meistens weniger.

Den Status selber schreiben ist sowas von von heute!

Und nun stehe ich hier, sogar meine Socken stinken nach Rauch. Es gäb mehr als Grund genug, sich bei Twitter darüber zu beschweren, und nun mache ich noch nicht einmal das, weil ich zu bequem dazu bin.

Ich bin nicht der einzige, der das nicht tut. Bei Twitter ist in letzter Zeit auffallend wenig los, ein Retweet kostet Arbeit, ein eigener Tweet gar noch viel mehr. Und der Mensch ist faul und mag nichts tun. Aber wie faul kann er noch werden?

Bei Facebook werden die eigenhändig verfassten Statusmeldungen in letzter Zeit weniger. Es häufen sich die automatischen à la “Jürgen found a lonely sheep on his farm. Oh no!” von Facebook-Spielen wie Farmville.

Geht dahin also der Trend? Gar nichts mehr selbst schreiben, sondern Dienste für uns schreiben lassen. Das ließe sich mit ein paar Wahlmöglichkeiten fast automatisieren:

  1. Lokalisiere Ort,
  2. Erfrage Befinden (gut/schlecht),
  3. Ermittle Aktivität (Shopping/Kneipentour/Abendessen),
  4. Füge zufällig gewählten Spruch hinzu (“Supergeil”/”Kommt cool”),
  5. Poste Status.

Ergebnis: “Jürgen ist durch München durchgefahren ohne anzuhalten oder was zu essen. Krass cool hier! Geht ihm schlecht.”

Das ist Web 3.0.

3 Gedanken zu „Fast getwittert“

  1. In gewissem Umfang wird solche Kommunikation künftig sicher automatisiert ablaufen. Also die Info, dass man sich überhaupt an einen bestimmten Ort begibt, man bestimmte Waren gekauft hat oder sich einen bestimmten Film ansieht.

    Selbst wenn man es damit nicht übertreibt, kommt dabei jedoch eine Menge an Infos zusammen, die umso schwieriger zu bewältigen ist, je mehr Menschen man “folgt” bzw. je mehr Infos man abonniert hat. Das helfen auf Dauer auch keine Listen oder einfachen Filter.

    Das Problem sehe ich daher weit weniger auf Sender-Seite als auf Empfänger-Seite. Das Problem haben wir ja heute schon, je mehr Informationsquellen wir abonnieren, desto eher versinken wir in den Informationen.

    Was wir wirklich brauchen, sind richtig gute Filter, die uns aus der großen Flut an Informationen das geben, was für uns wichtig / interessant ist.

    Diese Filter könnten Informationen über den eigenen Aufenthaltsort und sonstige Daten zur Person einbeziehen, um uns nicht nur die richtigen Informationen zu liefern, sondern sie uns auch zum richtigen Zeitpunkt zu präsentieren.

    Ein menschlicher Assistent macht das ganz selbstverständlich.

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