Goldmine Websuche: Twitter verhandelt mit Google und Microsoft

Twitter steht offenbar in separaten Verhandlungen mit Google und Microsoft über eine Einbindung von Tweets in die Suchmaschinen der Webriesen. Für den Zwitscherdienst könnte es einen warmen Geldregen bedeuten. Treibende Kraft könnte übrigens Google sein.

Das “Wall Street Journal” und das Blog “All Things Digital” berichteten gestern übereinstimmend über die Verhandlungen. Demnach wäre eine Einmalzahlung an Twitter in Höhe mehrerer Millionen Dollar möglich. Besser würde Twitter langfristig aber wohl mit einer Umsatzbeteiligung an den Sucheinnahmen fahren. Auch beides ist möglich: Eine Umsatzbeteiligung nach einer einmaligen Vorab-Zahlung. So oder so könnte es Twitters lange erwartetes Geschäftsmodell sein.

Relativ ausgeschlossen ist offenbar ein Exklusivdeal mit einem der Suchriesen: Twitter hatte in der Vergangenheit oft betont, seine Unabhängigkeit wahren zu wollen. Bestätigen wollte übrigens keins der beteiligten Unternehmen die Gerüchte.

Google hätte großes Interesse an einer Twitter-Integration

Ich muss zugeben: Als ich die noch recht unkonkreten Überschriften der US-Techblogs überflog, dachte ich zuerst: Klar, der Twitter-Hype geht langsam zuende, aber sind die jetzt völlig verrückt geworden, Geld dafür zu zahlen, dass sie bei Google und Bing auftauchen? So kann man sich täuschen: Statt Geld zu bezahlen, soll Twitter also viel Geld dafür erhalten, seine Suche outzusourcen.

Warum mich das wundert? Weil Twitter jüngsten Ergebnissen zufolge nicht so groß ist, wie die Macher sich das erhofft haben und wie astronomische Zuwachszahlen Anfang des Jahres es erwarten ließen. Weil Facebook dem Konkurrenten ganz schön zusetzt und weil vielleicht sogar Google Wave den Zwitschervögeln die Brutplätze steitig machen könnte.

Ben Parr von Mashable vermutet, dass Google die treibende Kraft hinter den Suchdeals mit Twitter sein könnte – und das aus eigenem Antrieb. Denn die Such-Konkurrenz von Bing, Facebook, anderen Echtzeitsuchen und auch Twitter selbst setzt Google zunehmend zu. In Sachen Echtzeitsuche – dem neuen Buzzwort im Web – ist Google fast schon ein Fossil. Der eigene Kurznachrichtendienst Jaiku ist gefloppt. Da erscheint eine schnelle Integration von Twitter wohl als das probateste Mittel, um sich technisch gesehen wieder an die Spitze zu setzen.

Sollte das funktionieren und sollten die Gespräche fruchten, dann dürften wir uns wohl bald auf eine Google-Echtzeitsuche freuen, und das klingt sehr interessant.

2 Gedanken zu „Goldmine Websuche: Twitter verhandelt mit Google und Microsoft“

  1. Ich denke nicht, dass Google oder Microsoft Geld an twitter zahlen werden. Twitter profitiert genauso sehr von dem Traffic, den Google und Bing liefern, wie die Suchmaschinen von den Twitter Inhalten profitieren. Ist doch das gleiche Spiel wie mit den Verlagen, die sich am Ende doch nicht trauen Google (News) von ihren Websiten zu sperren.

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