Wochenendgezwitscher: Wo wart ihr am 11. September 2001?

Wir starten das Wochenende passend zum Datum heute schon mal einen Tag früher. Heute, am achten Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center in New York, interessiert uns, wie ihr euch an den Tag erinnert. Wo wart ihr und wie habt ihr davon erfahren?

Ich werde den 11. September 2001 schon deswegen nicht vergessen, weil ich damals auf dem Weg nach Bonn war, um für mein beginnendes Studium eine Bleibe zu suchen. Im Zug auf dem Weg nach Bonn hörte ich den Mann, der vor mir saß, mit irgend jemandem auf dem Handy telefonieren. Er redete sehr laut und benutzte Vokabeln wie “World Trade Center” und “Pentagon”. Was für ein Wichtigtuer, dachte ich.

In Bonn angekommen war an eine Wohnungssuche nicht mehr zu denken. Bei den WGs, in denen ich mich vorstellte, starrte alles gebannt auf die Fernsehschirme. “Was studierst du nochmal?”, fragte man mich rhetorisch, geistesabwesend. “Wie hießt du nochmal? Äh sorry, ich muss mal wieder auf den Fernseher gucken. Das World Trade Center ist gerade eingestürzt.”

Was ist eure Geschichte? Wo wart ihr am 11. September 2001 und wie und wo habt ihr von den Anschlägen erfahren? Habt ihr oder hat irgend jemand da noch an Arbeit denken können? Teilt mit uns eure Erlebnisse und zwitschert mit! Hier in den Kommentaren oder auf Twitter @yuccatree.

29 Gedanken zu „Wochenendgezwitscher: Wo wart ihr am 11. September 2001?“

  1. Ich war im Büro, als mein Chef plötzlich meinte: Da behauptet jemand, da wären Flugzeuge in die Twin Towers in New York gestürzt. Wir haben dann versucht, übers Netz was zu erfahren, aber da war unser Firmennetz schon hoffnungslos überlastet. Irgendwann haben sie dann die Nachrichten Webseiten auf unserem Proxy zwischengespeichert, so daß wir wenigstens die ersten Infos bekommen konnten. Ich hab sofort zu hause angerufen. Meine Frau wusste noch von nix und hat dann gleich erst mal das TV eingeschaltet und uns die Info bestätigt. An dem Tag haben wir bis spät voll ungläubigem Entsetzen die Berichte und Aufnahmen verfolgt.

  2. Wir haben die Einschulung unserer Tochter gefeiert, als wir durch einen Anruf auf den Anschlag aufmerksam gemacht wurden. Ab diesem Zeitpunkt hingen alle vor dem Fernseher und die Feier war vorbei…

  3. Ich war am Arbeiten und gerade auf dem Weg in den Pausenraum als das erste Flugzeug in den Tower krachte. Der einzige Fernseher damals im Geschäft lief auf CNN und auf dem Rückweg von der Pause bildete sich um den Fernseher eine Menschentraube. Leider musste ich nach einer gewissen Zeit wieder in meine Abteilung zurück und dort interessierte sich absolut niemand für die Breaking News aus New York. So versuchte ich via CNN Website auf dem laufenden zu bleiben, aber die war fast die ganze Zeit down wegen dem Ansturm.

  4. Hallo,

    ich war im Büro einer SW-ENtwicklungsabteilung.
    Gespannt saßen wir an den Monitoren der Computer und versuchten Neuigkeiten zu erhaschen.
    Bis, ja bis das Internet zusammenbrach und wir dann alle ziemlich geschockt von den Ereignissen regungslos in unseren Stühlen verharrten.

  5. Ich war beim Klavierunterricht. Als ich nach Hause kam, saß meine Mutter mit meinem Bruder wie gebannt vor dem Fernseher. Als ich nach Hause kam stürzte gerade der erste Turm ein.
    Ich habe den ganzen Tag bis in die Nacht vorm Fernseher gesessen und am Tag drauf rund um die Uhr die Berichterstattung bei WDR 2 gehört. Diese beiden Tage werde ich nie vergessen.

  6. @le_bloc_vert
    Der erste Absatz genau wie bei mir.. ersetze nur Klavierunterricht mit Berufsschule und Bruder mit Schwester…

  7. Ich hab mich gerade mit meiner Mum beim Fernsehen unterhalten (sie hat “Reich und Schön” geschaut), und auf einmal wurde die Sendung unterbrochen wegen einer wichtigen Meldung…

    von da an war der ganze Tag nur noch vom WTC & Pentagon geprägt…

    -RaveKev

  8. Ich war gerade auf einen Sprung in meiner ehemaligen Agentur, da lief schon der Fernseher. Ich hatte vorher schon im Radio gehört, dass ein Flugzeug ins WTC geflogen sein soll. Ich dachte da noch “na und?”, weil ich mir so eine kleine cessna vorstellte… Als ich dann die Bilder im Fernseher konnte ich gar nicht glauben, was da passierte. Den entsetzten Kommentare der Kollegen habe ich keine großen Bedeutung zugemessen, was sich aus dem Tag ergeben würde konnte ich mir mit Anfang 20 schlichtweg nicht vorstellen…

  9. Ich bin gerade aus der Schule gekommen – es war der erste Schultag nach den Sommerferien – mein erster Tag in der Realschule. Ich hab die Glotze angemacht – und da sah ich Peter Klöppel auf RTL mit Tränen in den Augen. Ich kann mich noch ganz genau an diesen – und die folgenden Tage – erinnern.

  10. Ich saß mit Kollegen im Büro. Dort gab’s keinen Fernseher, nur Internet. Ich habe alles nur über Spiegel Online verfolgt. Die Server brachen zum Glück bei uns auch nicht zusammen. Da gab es auch schon ein paar Video-Clips. Auch ich habe das Ganze noch nicht sooo ernst genommen, als zunächst noch nur von einer kleinen Propellermaschine die Rede war. Als dann die ersten Zeilen darüber rüberkamen, dass der erste Turm gerade eingestürzt sei, hielt ich das für eine Ente. Ich war nicht lange vorher selbst noch in New York und auch auf den Türmen, und ein Einsturz dieser Türme, von denen einer allein schon so groß war, dass er nach meiner Einschätzung die gesamte Innenstadt von Dortmund mit allen Büros, Museen, Bibliotheken, Ämtern, Hotels, Restaurants, Wohnungen und sonstigem hätte fassen können, war völlig außerhalb meiner Vorstellungskraft. Das war schlicht unmöglich, und ich war in dem Moment 100% sicher, dass irgend ein Witzbold das Datum des 1. April verwechselt hatte. Erst als die dann auch noch behaupteten, auch der zweite Turm sei eingestürzt, und dies auch nun über andere Medien durchsickerte, musste ich wohl oder übel meine Vorstellungskraft erweitern – mit Tage lang nur noch offen stehendem Mund und mit schüttelndem Kopf. Übrigens stand ich 1973 auch schon vor den Türmen, wurde aber noch nicht rein gelassen, weil sie noch nicht ganz fertig/noch nicht eingeweiht waren. Damals war offiziell das Empire State Building noch das höchste Gebäude von New York. Dass dies so bald wieder der Fall sein würde, hätte ich mir damals und auch bis zum 10. September 2001 ebenfalls nicht vorstellen können.

  11. Es gibt dazu schon eine Handvoll Tweets mit dem Hashtag #whereiwason0911

    Für mich war es ein normaler Arbeitstag in meinem Büro. Ich erstellte gerade ein paar neue Benutzerkonten. Benutzergruppen, Arbeitsverzeichnisse, Zugriffsrechte, den üblichen Kleinkram. Nebenher hatte ich auf einem meiner Monitore eine Telnet-Verbindung zu Unitopia.de offen, ein textuelles Online-Rollenspiel, auf das ich ab und zu einen flüchtigen Blick warf.

    Irgendwann bemerkte ich, dass mit den Shouts dort etwas nicht stimmte. Einstürzende Türme? Wovon sprachen die da? Nach einem Blick in den Puffer wusste ich es. Nicht nur die Webseiten der Nachrichtenblätter waren zu diesem Zeitpunkt längst im Sturm der Anfragen abgesoffen – das ganze Netz war völlig überlastet.

    Einige Unitopianer hatten Radio oder Fernseher an und tippten für die anderen, was sie dort hörten oder sahen. Links zu noch funktionierenden Webservern wurden ausgetauscht. Parallel öffnete ich meinen IRC-Client, und wählte einen Kanal, auf dem sich internationale Mudder von Xyllomer.de trafen. Dort erfuhr ich von einem amerikanischen Mitspieler, dass er jetzt nicht weiterchatten könne: das Hochhaus, in dem er arbeite, würde aus Sicherheitsgründen evakuiert, denn man wisse nicht, ob noch weitere Flugzeuge unterwegs seien. Irgendwann, viel später als eigentlich geplant, ging ich heim, und verbrachte den Rest des Abends vor dem Fernseher.

  12. Meine (mittlerweile) Ex-Frau und ich waren gerade in der Bremer Innenstadt gewesen, um den Mietvertrag für die neue Wohnung zu unterschreiben. Sie war damals hochschwanger und wir brauchten eine größere Wohnung.
    Wir saßen in der Bahn (in Höhe Westerstrasse in einer von den ganz alten Bahnen aus den 80er Jahren – komisch, daß ich das noch weiss, zumal wir normalerweise auch sonst Bus gefahren sind…), als der Bahnfahrer durchsagte, daß Flugzeuge in das WTC gestürzt sind. Wie “dab” dachten auch wir nur an kleine Cessnas…
    Zuhause angekommen habe ich erstmal den Fernseher eingeschaltet. Da war der erste Turm bereits zusammengestürzt.
    Nun weiss ich nicht 100%, ob es Phoenix oder N24 war, ich hab immer hin und her geschaltet, aber als der 2. Turm zusammenstürzte, hat der Moderator es gar nicht realisiert und sagte erst:”Hier ist nochmal der Zusammensturz des Turmes”, um sich dann wild kreischend zu korrigieren:”Nein, es ist der andere! Der 2. Turm stürzt ein!”
    Schon krass gewesen…
    Vor allem find ich es erstaunlich, wie viel man noch behält, auch von Ereignissen, die damit gar nicht im direkten Zusammenhang stehen…

  13. Ich war am Tag des Einsturzes 10, und war gerade mit meinen ganzen Freunden hinter dem Haus Fußball spielen. Die kleine Schwester eines Freundes kam raus und hat gesagt, dass Flugzeuge in irgendwelche Tower gestürzt seien. Ich dachte mir etwas wie “na und, sowas passiert doch sicherlich öfters” – ich konnte mir das Außmaß nicht vorstellen.
    Ja, und die Tage danach waren eben geprägt von diesem Tag.

    Alleine aufgrund der Tatsache dass sich fast jeder an seine taten und Momente an diesem Tag errinern kann, wird dieser Tag in die Geschichte der Menschen eingehen.

  14. Ich war noch auf der Arbeit, als wir im Radio hörten, dass ein kl. Flugzeug in ein NY Hochhaus geflogen sein sollte. Naja, dachte ich mir, kann ja net so schlimm sein. Kurz darauf wurde aus dem kleinen Flugzeug ein Passagierflugzeug und aus dem Hochhaus die WTC’s. Auf dem Weg nach Hause rief ich bei meiner Mom an und bat sie den Fernseher auf CNN einzuschalten. Sie fragte mich noch, welcher Film das sei und ich meinte nur, das alles das, was sie dort sehen würde, gerade in diesem Moment wirklich passiert. Ich parkte den Wagen halb in der Einfahrt und stürmte in Wohnzimmer. Wir woltlen gemütlich Kaffee trinken und ein Stück Kuchen essen, aber ich bekam nichts runter. Wir saßen nur wie versteinert vor dem Fernseher und konnten einfach nicht fassen, was wir da sahen. Beim Einstürzen der beiden Türme hatte ich Tränen in den Augen, das weiss ich noch ganz genau. Dieses Ereignis war etwas, was ich niemals wieder erleben möchte. Noch heute läuft es mir kalt den Rücken runter, wenn ich die Bilder von damals sehe.

  15. An dem Tag hab ich mit meiner Familie den geburtstag von meinen Bruder (martin) gefeiert. Bis ca 15:00 Uhr, da war die mit der Meldung der Terroranschläge vorbei und alle starrten gebannt zum Fernseher und konnten nicht glauben, dass das Wirklichkeit ist.

  16. ich war zu dem Zeitpunkt im Fitnesscenter. Ich wunderte mich, warum alle vor dem Bildschirm standen und dachte nur, hoffentlich macht jetzt keiner einen Blödsinn, sonst ist der 3.Weltkrieg da.

  17. ich war eben aus der schule gekommen. mein bater hatte mir versprochen, an diesem tag mit mir schwimmen zu gehen, als die sonderberichterstattung losging. mir war die tragweite der ereigniss nicht klar, mit 10 jahren begreift man sowas noch langsamer. in der münsterthermehörte ich, wie leute wize über die ereignisse rissen, mein vater war den ganzen tag sehr angespannt, da wurde mir klar, das etwas wirklich schlimmes passiert sein musste.
    die volle tragweite wurde mir aber erst am nächsten tag in der schule klar, ich verstand nicht, wie einige meiner mitschüler das ganze als sieg feiern konnten. wie pervers kann ein mensch sein?

  18. Ich kam mit meinem Kleinen gerade vom Kinderarzt nach Hause, wir hatten eine der U-Untersuchungen hinter uns gebracht. Wir waren beide müde (er war damals 5 Mon. alt), ich kuschelte mit ihm schaltete den Fernseher an. Da kamen eben die ersten Berichterstattungen und ich musste erst realisieren, dass das ganze echt und live war! Der Vater von meinem Kind kam etwas später dazu und glaubte anfangs, dass es sich um einen neuen Film handele, bis er verstand, dass es Realität war.

  19. War an dem Tag in Nürnberg bei einem Foto-Workshop und als ich Nachmittags ins Taxi zum Bahnhof stieg und dem Geschehen im Radio lauschte, war gerade das “vermeintliche Flugzeug” in’s Pentagon gerauscht. Ich hab den Taxifahrer angesehen und wollte wissen was das für ein schlechter Scherz sei.

    Ich hatte als Kind ein Was Ist Was-Buch indem stand das in jedem der Türme bis zu 50.000 Menschen arbeiten. Das kam mir sofort wieder in den Sinn und von da an war ich wie betäubt und zählte für mich die möglichen Opfer zusammen. Es blieb (dem Himmel sei Dank) bei weitaus weniger Opfern. Aber es waren und sind noch immer zu viele.

    Auf der Zugfahrt nach Hause war mindestens jeder zweite am Handy und hat sich darüber mit jemandem unterhalten.

    Ein trauriger und seltsamer Tag war das.

  20. Unterwegs mit dem Fahrrad in der ungarischen Pusta hatten wir eben eine Tagesetappe abgeschlosen. Den ganzen Tag durchquerten wir kleine, nicht sonderlich einladend wirkende Dörfer, am Abend erreichen wir diese schöne Stadt! Perle der Pusta! Den Namen hab ich leider vergessen, an güldern schimmernde Dächer kann ich mich noch erinnern. Da gab es tatsächlich ein Hotel – auch damit hatte niemand gerechnet.

    Ziemlich müde erreichten wir die Zimmer, ich und Wolfgang W., die Youngsters der Radtruppe, teilten uns ein Doppelzimmer. Wie immer zu faul und zu müde zum Duschen legten wir uns mal aufs Bett und machten den Fernseher an. Neben vielen ungarischen Sendern ein englischsprachiger: CNN.

    “Ich geh duschen” – “Ich schau no a bisserl fern” … und dös so vor mich hin. – “Du, ich glaub da zeigns was von einem neuen Actionfilm, aber ich versteh nicht …”

    Später wurde es dann immer klarer: Kein Film. Sondern Wahnsinnstat. Surreale Aufzeichnung eines realen Ereignisses.

    Am Abend: Menchengrüppchen unterhalten sich und machen dabei besorgte Gesichter. Im Lokal stehen die Kellner vor dem Fernseher und schütteln die Köpfe. An den Nachbartischen sitzen wild gestikulierende Restaurantgäste. Gefühlt mehr Menschen sind auf den Strassen als sonst – das im TV gesehene will gemeinsam verarbeitet werden. Auch uns Radtouristen ist das ein Bedürfnis.

    Wir sprechen kein Wort ungarisch – verstehen aber genau, worüber sich alle unterhalten …

  21. Müsste es nicht “ward” heißen? Also: “Wo ward ihr am 11. September 2001?”

    Ich hatte noch schnell etwas in einem Elektromarkt besorgt, stand an der Kasse, die Kassiererin hatte gerade ihr Handy zur Seite gelegt und erzählte, dass ihr Mann sie gerade angerufen und berichtet habe, dass ein Kleinflugzeug in einen der Tower hinein geflogen sei. Ich musste dann weiter zu einem Seminar. Dieses fiel, mehr oder weniger, aus, da wir vor den Fernsehern klebten.

  22. Hab nochmal nachgesehen (hätte ich vielleicht machen sollen BEVOR ich den Kommentar schrieb :-) ). “Wart” ist richtig!

  23. Ich war gerade mit einem Freund ausgerechnet in Granada gewesen, der islamischsten Stadt Europas. Wir saßen in einem Internetcafé um unsere Mails abzurufen. In dem Bruchteil einer Sekunde, bevor ich von der Startseite meines Freemailanbieters auf meine Mails gelangte sah ich noch im News-Bereich die seltsame Headline: “World Trade Center nach Anschlag eingestürzt”. Mein Kumpel saß am Rechner nebenan und ich fragte ihn, ob er das auch gerade gesehen habe. Ungläubig starrte er mich an, und ich sagte noch “ach egal, muss irgendein Bug gewesen sein”. Wir checkten und beantworteten also erstmal in aller Ruhe unsere Mails, um dann in den News-Bereich zurückzukehren. Die seltsame Meldung war noch da und ich erinnere mich noch gut, dass ich eigentlich erstmal überhaupt nicht geschockt oder überrascht gewesen war: Ein weiterer Anschlag aufs WTC, überhaupt ein weiterer Anschlag. Erst langsam manifestierte sich das Wort “eingestürzt”. Ein Glück hatte Spon zu diesem Zeitpunkt bereits seine Seite gespiegelt. Die Fülle an Meldungen dort war garnicht zu verarbeiten, wir brauchten Livebilder, zahlten, und rannten ins Café gegenüber, bestellten etwas zu trinken und saßen fassungslos vor dem Fernseher. Gerade noch sahen wir die Aufnahmen vom Einschlag des zweiten Fliegers, da bestanden die anwesenden Spanier schon darauf, auf Fußball umzuschalten. Es war schon etwas seltsam, dass dort niemand die Ruhe zu verlieren schien. Es folgten mehrere Telefonate mit Deutschland und lange Überlegungen über die Fortsetzung unserer Reise, zwei Tage später sollte es nach Marokko gehen, und die weltpolitische Lage einzuschätzen war an jenem Tag natürlich eine Herausforderung. Abends im Hotel konnten wir dann noch einige Stunden fassungslos vor dem Fernseher verbringen. Die nächsten Tage in Marokko war das Web unsere einzige Informationsquelle, und die Atmosphäre dort war schon etwas seltsam. Auf offener Straße wurden wir von Marokkanern angesprochen, die sichtlich verängstigt waren. Lange Gespräche wurden geführt über das Verhältnis des Islams zum Westen, darüber, wie es nun weiterginge. Zu unserer Erleichterung erlebten wir nirgends irgendeine Form der Solidarität mit den Attentätern, im Gegenteil. Im Nachhinein finde ich, dass dieser ganz persönliche Dialog der Kulturen zu jenem Zeitpunkt wohl das beste für uns war, die Bilder und Geschehnisse zu verarbeiten.

  24. Ich war da noch in der Volksschule und hab das damals nicht wirklich begriffen. Irgendwie ist es einfach an mir vorbei gezogen.

  25. Ich war an diesem Tag mit 2 Freunden auf einer Städtereise und zwar ausgerechnet in New York. Wir lagen nach einer langen Nacht noch schlafend im Hotelbett als es an der Tür klopfte. Das Zimmermädchen meinte: “Switch on TV – Planecrash”. Was wir im TV sahen, war ein großes, brennendes Loch in einem der Türme. Wir dachten noch: Krass, da ist man das erste Mal in NY und dann sowas. Zu diesem Zeitpunkt gingen alle noch von einem Unfall aus.
    Wir machten uns also auf den Weg zum Hoteldach, um von dort in Richtung WTC blicken zu können, als das zweite Flugzeug den 2. Turm traf.
    In diesem Moment realisierten wir dir Gefahr und liefen zurück ins Hotelzimmer um im TV zu sehen was passiert ist. Was wir sahen liess uns (3 Jungs Anfang 20) erstmal verstummen.
    Im TV sagte man, dass es sich wohl um Terroranschläge handelt, ein weiteres Flugzeug ins Pentagon gestürzt ist und sich noch 2 weitere, entführte Flugzeuge in der Luft sind (damals ging man noch von 2 weiteren Flugzeugen aus).
    Bei uns machte sich langsam ein wenig Angst breit, da unser Hotel nicht weit vom Times Square entfernt war – ein aus unserer damaligen Sicht auch nicht unattraktives Anschlagsziel.
    Was folgte sund mehrere Stunden vor dem Hotel-TV wo wir den weiteren Verlauf verfolgten. Eine in meiner Erinnerung nich heute sehr surreale Situation.
    Um ca. 15 Uhr Ortszeit machten wir uns auf den Weg um eine Telefonkarte zu kaufen. Da die Telefonnetze massiv überlastet waren, glückten die ersten Versuche unsere Familien zu erreichen leider nicht. So gegen 1 Uhr MET schafften wir kurze Anrufe, wo wir unseren Familien sagen konnten, dass es uns gut geht.
    Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Financial District um uns den Ort des Geschehens anzuschauen. Eine total unreale Atmosphäre lag in den Straßen. Ein menschenleerer Broadway. Leute die weinten. Alle blickten in Richtung eingestürzte, brennende Türme.
    Die Ereignisse waren so unfassbar, dass sie selbst direkt vor Ort (oder vielleicht gerade dort) wie ein krasser Film wirkten. Ich glaube wirklich realisiert was wir miterlebt hatten, haben wir erst Tage später beim betrachten einiger unserer Fotos. Ein Städtetrip von dem ich glaube ich auf ewig jede einzelne Minute genau in Erinnerung habe.

  26. Ich war mit einer Freundin im Auto unterwegs, wir hatten uns einen schönen Tag bei Ikea gemacht. Ihr Mobiltelefon klingelte, sie nahm ab, ihr Gesichtsausdruck füllte sich mit Unverständnis und ich dachte: Oh, da ist mindestens bei irgendwem zu hause der Keller überschwemmt. Wenn nicht gar was Schlimmeres passiert ist …

  27. Der ganze Tag liegt glasklar vor mir…
    Ich sass in der Bahn von Köln zurück nach Bonn, als der Fahrer durchsagte, dass “Pützchens Markt” wegen der Terroranschläge in NY abgesagt wäre… In der Bahn konnte niemand etwas damit anfangen, erst als ich nach hause kam und CNN anschaltete, wurde mir alles klar… ich habe die folgenden12 Stunden vor dem TV verbracht, alleine und mit der wachsenden Gewissheit, dass sich mein bis dahin kriegsverschontes, behütetes kleines deutsches Leben verändern würde…

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