Nach 4 Jahren: Londoner Polizei entschuldigt sich bei Geek für unnötige Festnahme

Lustig ist das nur, wenn es anderen passiert: Im Juli 2005 nahm die Londoner Polizei den Computerfreak David Mery fest. Mit seinem wuchtigen Rucksack und einem “unangemessen warmen” Mantel fiel er schnell unter Terrorverdacht, noch dazu, weil er lieber auf sein Handy-Display guckte, als die Polizisten zu beachten. Mery wurde vorläufig festgenommen, seine Computer wurden beschlagnahmt. Für die Behandlung hat sich die Polizei jetzt, nach vier Jahren entschuldigt.

Bei seinem wuchtigen Rucksack handelte es sich um eine Laptop-Tasche, den Mantel trug er, weil es für den Julitag wirklich erstaunlich kalt war. Klar, dass die Polizei rund zwei Wochen nach den Terroranschlägen von London mit 56 Toten und über 700 Verletzten besonders angespannt war.

Aber was Mery wiederfuhr, war selbst für die Verhältnisse unangemessen: Während er von der Polizei festgehalten wurde, durchsuchte man seine Wohnung, beschlagnahmte seine Computer und seine Telefone, kopierte seine Daten, nahm seine Fingerabdrücke, eine DNA-Probe und schoss ein Verbrecherfoto von ihm. Nicht einmal eine Bescheinigung über alle Gegenstände, die man konfisziert hatte, erhielt Mery.

London Geek
Die Presse half Mery dabei, den Fall öffentlich zu machen.

Entschädigung und Entschuldigung nach vier Jahren hartem Kampf

Zwar ließ die Polizei ihn am nächsten Tag laufen, aber seine Computer erhielt er erst Wochen später in Anwesenheit seines Anwalts zurück. Nur mit Hilfe eines massiven Briefverkehrs und Zeugenaussagen erreichte er, dass zwei Jahre später seine Fingerabdrücke und seine DNA-Probe vernichtet wurden. Erst im Jahr 2015 wird die Polizei laut Gesetz den Fall aus dem Register löschen.

Nun erhielt Mery von der Polizei eine Entschädigung, die er wohltätigen Zwecken zukommen ließ. Außerdem erhielt er gestern ein wohl ehrlich gemeintes, sehr höfliches Entschuldigungsschreiben unterzeichnet von Polizeichef Wayne Chance:

“Ich möchte mich im Namen der Metropolitan Police Service für die Umstände entschuldigen, die am 28. Juli 2005 auftraten, darunter Ihre unrechtmäßige Verhaftung, den Arrest und die Durchsuchung Ihrer Wohnung. Ich kann nachvollziehen, dass dies tiefe und traumatische Auswirkungen auf Ihr Leben und das Ihrer Frau hatte, und ich hoffe, dass unsere Abfindung die Sache zu einem vernünftigen Abschluss bringen kann.”

Und die Moral von der Geschicht: Es gibt keine. Wer als Geek oder Normalo zur falschen Zeit am falschen Ort das Falsche trägt, kann immer derartiges Pech haben. Dagegen schützen kann man sich wohl nicht.


 
 
 
 

3 Kommentare zu “Nach 4 Jahren: Londoner Polizei entschuldigt sich bei Geek für unnötige Festnahme”

  1. Tweets die X erwähnen YuccaTree Post + » Nach 4 Jahren: Londoner Polizei entschuldigt sich bei Geek für unnötige Festnahme -- Topsy.com - 24. September 2009 um 15:22

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von YuccaTree. YuccaTree sagte: Nach vier Jahren: Londoner Polizei entschuldigt sich bei Computerfreak für unnötige Festnahme http://j.mp/3G08J4 [...]

  2. Widerspenstige Nudel - 24. September 2009 um 16:27

    Hi, kleiner Tippfehler: “…ach den Terroranschlägen von London mit 56 Toren und über 700…” sollte vermutlich Toten heißen.

    *klugsch…

  3. Jürgen Vielmeier - 24. September 2009 um 16:52

    Hast Recht. Blöder Tippfehler. Mein heimlicher Traumberuf: Sportjournalist. ;) Hab’s korrigiert. Danke!