Lieber Ehssan Dariani: Wenn du keine Ideen hast, gib uns die Kohle

Der geschasste StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani sitzt heute auf einem Berg von 10 Millionen Euro. Nein, keine Schulden, Kapital. Nun findet er keinen Job, der zu ihm passt. Der “Süddeutschen Zeitung” gab er jetzt ein bemerkenswertes Interview in seiner unvergleichlichen Art.

Lustig ist dieses Interview auf jeden Fall, und ne echte Type ist dieser Dariani auch, das muss man ihm lassen. Auszüge aus dem Interview:

“Normalerweise vergleiche ich mich mit niemandem. Dazu bin ich zu eitel. Ich stehe gerne im Zentrum des Sonnensystems. Aber andere können da auch stehen.”

“Es gab Mitarbeiter, die mich vor laufender Versammlung zur Sau machten, das fand ich immer gut. Das waren jene, die ich am coolsten fand, jene, die Eier hatten. Ich mag Leute mit Eiern.”

Auf die Frage, ob er für StudiVZ einfach die Idee von Facebook abgekupfert habe:

Da ist was dran. Aber dieses Abfällige, was da mitschwingt, hat viel Neid und Missgunst. Es gibt doch kaum neue Ideen. Ideen werden weiterentwickelt. Daimler-Benz hat das Auto erfunden, deswegen redet doch keiner verächtlich über BMW und Porsche.

Ehssan Dariani musste sich für das Interview nicht verstellen. Er ist einfach so wie er ist und offenbar niemand, der in den Typus Anzugträger und Managementberater passt. Nur eins macht mich traurig, wenn ich meinen Kontostand mit seinem vergleiche: Dariani hatte nicht nur damals keine Ideen gehabt, als er Facebook abkupferte, er scheint auch heute keine zu haben. Auf die Frage, was er nun mit dem Geld machen wolle, antwortet er:

Das weiß ich noch nicht genau. Ich rede mit verschiedenen Leuten. Ich spinne an ein paar Ideen, bei denen ich nicht weiß, ob sie irgendwo hinführen.

Lieber Ehssan Dariani: Wenn du keine Ideen hast – ich hab welche: Ideen, wie man den traditionellen Medien eins auswischen könnte, wie man eine Online-Redaktion ganz ohne Verlag rentabel machen könnte. Ich hätte Ideen für mindestens zwei weitere Magazine, nicht nur deutsche, für iPhone-Apps und mindestens eine Social Community. Alles was ich dafür gerne hätte wären die 70.000 Euro im Jahr, die du als “ganz unten” bezeichnest. Gib mir 70.000 und ich mach da mehr draus als du dir jemals vorstellen könntest!

Und ich wüsste noch eine ganze Menge anderer Leute, denen es ähnlich geht. Aber die Leute, die in diesem Land das Geld haben, sind mutlos geworden. Investieren wollen sie offenbar auch nicht – wie soll sich da jemals was zum Besseren wenden? Denk mal darüber nach!

5 Gedanken zu „Lieber Ehssan Dariani: Wenn du keine Ideen hast, gib uns die Kohle“

  1. Ich finde nicht, dass nur weil man Geld verdient hat, daraus eine Verantwortung erwächst dieses zu reinvestieren.

    Die Zinsen sind sein Gehalt. Dass er momentan keine Idee hat, was er macht?! So what. Ich würde mich auch erstmal etwas zurückziehen und dann vielleicht ein paar kleinere Sachen probieren.

    Leider stehen bei mir auch keine 10 Mio. auf dem Kontoauszug. Also wird weiter gearbeitet.

    Man muss ihn nicht sympatisch finden. Aber die Studi-Idee oder das Abkupfern? Seien wir mal ehrlich: Wir hätten es genauso gemacht. Warum auch nicht.

  2. Danke für diesen Artikel. Jetzt weiß ich auch, warum ich YuccaTree treu geblieben bin, trotz des (noch immer) verwirrenden Namens und der (IMHO) gesunkenen Qualität. Mehr davon.

  3. Tolle Idee, das mit dem ohne Verlag. Ein Problem: wenn Du eine Onlineredaktion rentabel machst, bist Du ein Verlag. Revolutionäre, die auf Politiker schimpfen haben im Erfolgsfall eine Identitätskrise.

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