Fragwürdiges Projekt “Blogjournalisten”: Von der Abhängigkeit in die Ausbeutung (Update)

Klingt ja erstmal nicht schlecht: Auf Blogjournalisten.de sollen Blogger und Journalisten gleichermaßen ihre Storys veröffentlichen können und werden an den Umsätzen beteiligt. Es soll beide zerstrittenen Lager versöhnen.

Update, 18:23 Uhr: Bei genauerer Betrachtung habe ich mich bei den Hauptkritikpunkten des ursprünglichen Textes geirrt. Der Text ist damit nicht mehr vertretbar. Ich habe ihn gelöscht – nicht um mich reinzuwaschen, sondern weil er schlicht und ergreifend falsch ist und den Beteiligten unverdienten Schaden zufügen könnte.

Die Gründe habe ich hier beschrieben, bei den Beteiligten habe ich mich entschuldigt.

8 Gedanken zu „Fragwürdiges Projekt “Blogjournalisten”: Von der Abhängigkeit in die Ausbeutung (Update)“

  1. Also ich verstehe das so, dass jeder der 25 besten Autoren *jeweils* 1% des erwirtschafteten Gewinns bekommt. Darum steht da *jeweils*.
    Sonst würde da ja auch stehen “1% des Gewinns wird unter den besten Autoren aufgeteilt”, oder zweideutiger, “Die 25 besten Autoren bekommen 1% der Gewinnsumme.”

    So wie du es zitierst, scheint es mir aber eindeutig zu sein, dass jeder der 25 jeweils 1% bekommt.
    Also nach deiner Rechnung 3000 Euro im Jahr (immer noch ein bisschen wenig) und es würden insgesamt 25% des Gewinns für Personalkosten ausgegeben.

  2. sorry jürgen, ich bin nicht deiner meinung. und ich mache dankbar mit bei dem projekt.

    ja, manche texte werden sicher nicht deinen oder meinen ansprüchen gerecht. aber der von dir verlinkte text ist aus der beta-phase und in meinen augen eher ein versuch als ein ernst zu nehmender artikel. (dabei ist die story eigentlich ganz lustig).

    was dieses projekt für mich zu bieten hat? ich habe endlich eine plattform, die einiges an aufmerksamkeit bekommen wird, die mir aber nicht vorschreibt, was und wie ich veröffentlich soll. ich habe jeden tag tausend ideen für artikel, aber bislang fehlte mir der antrieb, einen eigenen blog zu bauen. ich bin da leider perfektionist und bevor ich was anpacke, was nur halbgeil wird, lass ich es lieber sein. und da mein noch zur verfügung stehendes zeitbudget echt begrenzt ist, war ich sehr glücklich zu hören, dass mir jemand die arbeit abnimmt.

    gut, ich bin dem seitenlayout auch noch nicht 100% zufrieden, vor allem die lesbarkeit der artikel ist verbesserungsfähig, aber es könnte ein anfang sein. ein anfang eines netzwerks. von leuten, denen es egal ist, ob sie blogger sind oder journalisten oder kommentatoren oder was auch immer. denen der kanal wumpe ist. denen es um die botschaft geht. und ich bin ehrlich gesagt zu eitel und zu beschäftigt, um artikel zu schreiben, die hinterher von niemandem gelesen werden. ein aggregator kommt mir da sehr entgegen.

    dein hauptvorwurf, die autoren kämen vom regen in die traufe kann ich nur bedingt teilen. klar, 25% des erlöses für die leute, die den content liefern ist nicht der löwenanteil am projekt. aber darum geht es nicht. es geht darum, aufmerksamkeit zu bekommen. und das geht am besten, wenn man sich mit anderen leuten zusammenschließt. am besten mit solchen, die schon genug aufmerksamkeit aggregiert haben, dass ein neues projekt von ihnen auch wahrgneommen wird. und dass es sich geschäftlich rechnen kann, aufmerksamkeit im netz zu generieren, muss ich dir ja wohl nicht erklären. (hier trotzdem ein schöner beleg dafür: http://www.morgenweb.de/ratgeber/multimedia/in22494752-suechtig-nach-twitter-kuenstlerin-malt-ihre-follower.html)

    wer reich werden will ist bei den blogjournalisten sicher falsch. aber wer reich werden will, sollte auch kein journalist werden. und verleger wohl auch nicht mehr. geschweige denn gründer einer newswebseite.

    in diesem sinne, alles liebe

    dein dab

  3. @dab: Danke für deinen netten Kommentar trotz meines ziemlich rauhen Tons… Aber wenn ich mir deinen Kommentar so durchlese, scheint es mir, als ob die meisten deiner Argumente für die Blogjournalisten auf Hoffnung beruhen. Hoffnung darauf, dass Aufmerksamkeit kommt, Hoffnung darauf, dass es langfristig eine gemeinsame Stimme der Blogosphäre wird. Hoffnung, dass es irgendwann in ferner Zukunft vielleicht einmal Geld damit zu verdienen gibt.

    Dafür halte Blogjournalisten aber – zumindest in dieser Form – für gänzlich ungeeignet. Das wird ebenso schief gehen wie Readers Edition und nach einiger Zeit ebenso an Qualität verlieren wie Lycos IQ. Du kannst einfach keine Qualität erwarten, wenn du die Nutzer alle Arbeit machen lässt und dafür nichts oder eben erst ein Jahr später zahlst. Dabei geht es auch nicht ums Reichwerden, es geht darum, ob man sich da nicht für die falschen Ziele totläuft.

    Wer bitte glaubt denn noch an den Unfug, dass sein Talent vielleicht von einem großen Verlag auf eben einer solchen Plattform entdeckt wird? Die Verlage haben genügend beste Autoren auf ihrer Liste, die sich um die wenigen freien Plätze zanken, so dass sie es gar nicht nötig haben, im Web nach welchen zu suchen.

    Mich stört der Ansatz, nur den 25 besten etwas zu zahlen und das erst nach einem Jahr. Wer clever ist, fällt darauf nicht rein und macht sich lieber die Mühe, alle bekannten Redaktionen abzuklappern und seine Themen dort zu verkaufen. Mag sein, dass sie ihn auch ausbeuten. Glaube aber schon, dass man auf die Weise noch mehr Geld verdienen kann und mehr Aufmerksamkeit erhascht.

    Meine Kritik mag etwas überzogen sein. Es hat mal jemand was versucht und das ohne Kapital, weil die großen Verlage leider nicht kapieren, dass sie die viel bessen Mittel haben, etwas in der Art aufzubauen. Und klar, erstmal besser machen, bevor man kritisiert. Versucht es deswegen gerne meinetwegen. Ich sehe aber für Blogger genauso wie für Journalisten derzeit keinen Vorteil, da mitzumachen.

  4. Ich komme über Lanus Kritik bei den Blogjournalisten hierher und habe die einfache Frage: Wo bitte steht der Unsinn, dass Talente auf Blogjournalisten.de entdeckt werden können? Es ist ein Angebot, bei dem Blogger und Journalisten zusammengehen und lernen können, mehr nicht. Der Verwertungsaspekt und implizierte AAL-Vorwurf ist einfach nur dumm. Ich arbeite als Freier Journalist, verdiene ausreichend und habe dennoch Artikel für Blogjournalisten übrig. Da sehe ich keinen Widerspruch. –Detlef

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