Serien, Filme, E-Book-Reader: Der böse Fortschritt findet in Amerika statt

Ach, wie schön ist es in Amerika! Sony bringt einen neuen E-Book-Reader auf den US-Markt, der nur knapp 200 US-Dollar kosten und Amazons Kindle-Modellen damit Konkurrenz machen soll. Wie bei so vielen anderen technischen Neuentwicklungen ist von einem Marktstart in Deutschland dabei noch nicht die Rede. Warum auch – das Kindle gibt es ja hierzulande ebenfalls noch nicht.

Sonys PRS 300 eröffnet den Preiskampf

Längst nicht alles in den Staaten ist toll, aber bei technischen Neuentwicklungen sitzen die US-Bürger an einer Quelle, die uns all zu oft neidisch werden lässt. Egal, ob legale, kostenlose Serien im Netz (Hulu), echte iPhone-Killer (Palm Pre) oder nun eben die Zukunft des Buchmarktes (Kindle & Co.): Alles kommt zunächst in den Staaten auf den Markt, und vieles auch erst einmal nur dort.

Sonys neuer E-Book-Reader PRS 300 kommt zwar ohne WLAN oder 3G-Mobilfunkanschluss daher, aber dafür im Kompaktformat mit 5-Zoll-Bilddiagonale. Und das schon Ende August Das dürfte vor allem für die Liebhaber kleinerer Gadgets interessant sein. Zum Vergleich: Der Bildschirm von Amazons kleinstem Kindle misst 6 Zoll, der große Kindle im DIN-A4-Format ca. 9,7 Zoll.

Sonys PRS 300 ist dafür mit knapp 200 US-Dollar deutlich preiswerter und daher erstmals für den Massenmarkt erschwinglich. Der eingebaute Speicher ist mit 512 Megabyte (Kindle: 2 oder 4 GB) deutlich kleiner, aber erweiterbar. Er soll für 350 Bücher ausreichen; und so viel muss man erst einmal lesen. Für 100 Dollar mehr stellt Sony außerdem die Touchscreen-Variante PRS 600 Touch vor.

Sony
Sonys neue E-Book-Reader mit Touchscreen (links) oder im 5-Zoll-Miniformat. Bilder: Sony/ Engadget.com

“Kein deutscher Verleger stört sich daran”

Im Deutschland ist bislang nur Sonys älterer E-Book-Reader PRS-505 bei Thalia erhältlich. Weitere Sony-Geräte gibt es ebenso wenig zu kaufen wie Amazons Kindle-Modelle. Konrad Lischka von Spiegel Online findet dafür erstaunlich offene Worte und gibt den Verlegern eine Mitschuld daran:

“Die Zukunft des Lesens findet nicht statt und niemand aus den Verlagen stört sich weiter daran. Die Entwicklung erinnert an die Strategie der Musikindustrie zwischen 1995 und 2000 – man tut alles, um den eigenen Erfolg zu verhindern.”

Nicht nur die Buchverlage. Auch die übrige Unterhaltungsindustrie ist meist sehr spät dran, wenn es um die Zukunft von Musik und Video geht. Man erinnere sich nur daran, wie lange es gedauert hat, bis Apples damals revolutionärer iTunes Music Shop nach Deutschland kam. Mit einem Angebot für den legalen Download von aktuellen Spielfilmen und Serien hat es bis zum Frühjahr 2009 gedauert – während die Sendeanstalten NBC, Fox und ABC ihre Serien in den USA schon seit bald anderthalb Jahren legal und werbefinanziert (kostenlos) im Netz über Hulu ausstrahlen.

Fortschritt findet irgendwo in Amerika statt

Dazu passt, dass Zeitungsverleger sich hierzulande auf Google News eingeschossen haben: Begründung: Der Meta-Newsdienst verdiene an den Inhalten der anderen und gebe die Einnahmen nicht an die Verlage weiter. Dabei tut Google News doch eigentlich nichts anderes als Auszüge zu veröffnen und auf die Originalseiten zu verlinken, die davon in nicht unerheblichem Maße profitieren.

Leider bleibt es dabei: Die Rechte-Inhaber wollen nicht einsehen, dass ihre Welt keine Scheibe ist. Fortschritt? Das bleibt für sie etwas, was in Amerika erfunden wird, im Grunde böse ist und ihnen irgendwann aufgedrückt wird, wenn sie sich nicht erfolgreich genug dagegen gewehrt haben. Der deutsche Nutzer schaut unterdessen weiter sehnsüchtig hinüber zum gelobten Land der Technik.