Mit Cover und Songtext: Musikindustrie entwickelt Dateiformat für virtuelle Alben

Jetzt wird alles anders. Lange Zeit kämpfte die Musikindustrie mit der Preispolitik bei Online-Verkäufen ihrer Produkte. Doch die Verwunderung war groß: Warum werden mehr Songs und weniger Alben verkauft? Warum kaufen Fans lieber echte Alben als virtuelle? Warum ist iTunes so erfolgreich, die eigene Verkaufsplattform aber nicht? Die Antwort sehen die vier großen Musikverlage Sony, Warner, Universal und EMI in einem neuen Album-Container-Format. Arbeitstitel: CMX.

MP3s sind längst mehr als nur Musik

Die Musikdownloadszene abseits der legalen Kanäle hat es seit Jahren vorgemacht: Ein Album ist mehr als die Aneinanderreihung von Songs in der richtigen Reihenfolge. Was mit MP3-Playlisten in Albumordnern begann, hat sich zu einer regelrechten Mehrwertschlacht gesteigert. MP3s sind längst nicht mehr bloße platzsparend codierte Musikstücke. MP3s werden mit Informationen über die Komponisten des Stücks, den Musikverlag oder auch die Beats pro Minute getaggt. Oft findet man im Ordner des Albums auch Scans vom kompletten Booklet, Text-Dateien mit den Songtexten und Musikvideos zu einzelnen Songs.

Ganz anders sieht das zur Zeit in virtuellen Plattenläden aus. Während die Webseiten noch sehr ansprechend und verkaufsfördernd gestaltet sind, mit Bildern und Zusatz-Informationen, so zeigt sich nach dem Kauf die Realität: Alles was man hat, ist ein Musikstück. Gute MP3-Player versuchen den Mangel zu beheben, indem sie die Zusatzinformationen über Album-Datenbanken, Cover-Downloadern und Songtext-Plugins nachbeschaffen. Dass dieser verkaufsnachgelagerte Zusatzaufwand preismindernd wirkt, haben die großen Musiklabels erkannt, und suchen einen Ausweg.

Digitale Alben
Passendes Cover und Songtexte zum Album: Musikindustrie will MP3-Playern vorgreifen und Mehrwerte mitverkaufen.

Musikindustrie zieht nach

Scheint, als haben sie den nun gefunden: mit dem neuen Album-Download-Format CMX. Wie Times Online berichtet, wollen Sony, Warner, Universal und EMI Mitte November erste virtuelle Alben in dem neuen Format zum Verkauf anbieten. Darin werden digitale Booklets, Songtexte, Klingeltöne und Videos enthalten sein, sowie eine Startseite. Vorstellen muß man sich diese wohl als eine Art DVD-Menü, von wo aus man die einzelnen Elemente abrufen kann.

Allerdings wird das Format erst einmal nur bei einigen wenigen Alben zur Anwendung kommen, womit es dann doch wieder in den Status einer Sammleredition degradiert wird. Ein Herangehen der Musiklabels an Apple, bei einem solchen Format zu kooperieren, wurde von Apple anscheinend zurückgewiesen und kurz darauf mit dem Entwicklungsbeginn eines eigenen Albumformats mit dem Projektnamen “Cocktail” beantwortet.

Chancen, Fallen, Perspektiven

Mit dem Mehrwert bei virtuellen Alben könnten sowohl Käufer klassischer Alben als auch Kostenlosdownloader motiviert werden, einen Wechsel ihrer Bezugsquelle vorzunehmen. Ein großes Risiko wird sich in der Umsetzung des Formats finden. Weder ist bekannt, ob es ein offenes oder proprietäres Format sein soll, noch ob die verschiedenen Elemente einzeln in einem Container-Format vorhanden sind. Auch die Realisierung einer Startseite löst viele Fragen aus – handelt es sich um eine Anwendung, eine Webseite oder eine Art vorkompiliertes HTML? Auch eine Flash-Lösung wird von Kommentatoren bereits diskutiert. Dementsprechend muß man auch bangen, ob man für CMX spezielle MP3-Player benötigt und ob das Format plattformübergreifend zugänglich bleibt.

Die Perspektiven, die sich aus rein technischer Sicht eröffnen, sind für den Musikfan aussichtsreich: In Zukunft könnte man Tonspuren getrennt halten, wodurch eigene Remixes und Karaoke ermöglicht werden. Songtexte könnten als Untertitel zu Musikvideos eingeblendet werden und deren Übersetzung in verschiedenen Sprachen könnten helfen, Botschaften der Texteschreiber zu übermitteln.

Aber eine allerletzte Frage bleibt: Wofür stehen die drei Buchstaben CMX?

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