Google Knol siecht dahin: Nein, das war kein Wikipedia-Killer

Erinnert sich noch jemand an Google Knol? Rund ein Jahr nach dem von den Medien hochgepushten Start ist Google mit dem Artikelnetzwerk die Antwort auf Wikipedia schuldig geblieben. Der Dienst siecht dahin, es gibt kaum noch neue Artikel und die ohnehin schmächtige Besucherzahl hat sich in den USA im ersten Halbjahr 2009 fast halbiert.

In der deutschen Version von Knol finden sich für den heutigen Freitag einige neue Artikel und Updates. Ein gewisser Joern Gruber, angeblich Professor und Doktor am Insititut für Yogawissenschaft in Trier, hat einen zweifelhaft gehaltvollen Beitrag über Sanskritnamen veröffentlicht, die mehr nach Eigenwerbung aussehen.

Wikipedia-Zweitverwertung

Deutlich gehaltvoller liest sich ein neuer Beitrag von Andreas Klemper über Standesdünkel. Der Autor stellt sich aber gleich in seinem Knol-Profil als “Wikipedia-User ;-)” vor. Viele der besseren bei Knol eingestellten Beiträge sind augenscheinlich Zweitverwertungen von Wikipedia oder dort überholte oder nicht zugelassene Artikelversionen.

Als einer der Top-Autoren wird mir in der deutschen Version von Google Knol die Deutsche Arthrose Stiftung angezeigt. Diese hat in der Tat ausgezeichnete Bewertungen für ihre Artikel bekommen – es sind drei an der Zahl. Nein, zum Wikipedia-Killer taugt Knol so nicht und hat es auch noch nie getaugt.

Google Knol
Zweifelhaft informativer Beitrag über einen Yoga-Lehrer auf Knol.

Bose-Lautsprecher auf Knol zum Verkauf angeboten

Techcrunch-Autor Erick Schonfeld ermittelt für die US-Version ein ebenso ernüchterndes Fazit: Im ersten Halbjahr hatte Knol im Februar laut Zahlen von Quantcast mit rund 300.000 Besuchern täglich das Maximum erreicht. Ende Juni waren es nur noch rund 175.000.

Schonfeld hat den Autor Will Johnson ausgemacht, der die Einnahmen aus seinen Artikeln mit dem Verkauf seiner Bose-Lautsprecher (70 Dollar) aufpeppen will. Das wird von den übrigen Lesern und den selbsternannten Knol-Wächtern zwar nicht gerne gesehen, ist laut Googles Nutzungsbedingungen für Knol aber nicht ausdrücklich untersagt. Johnson brüstet sich im “Verkaufsartikel” sogar damit, von Techcrunch erwähnt worden zu sein.

Keine Angst vor “Killern”, die meisten sind keine

Welche Schlüsse man daraus nun ziehen kann? Erstens, dass sogenannte “…-Killer” eigentlich nie welche sind. Das ist bei den iPhone-Killern nicht anders: Es gibt auch fast zwei Jahre nach dem Verkaufsstart immer noch keinen ernsthaften Herausforderer. Die erhofften Google-Killer Cuil und Wolfram Alpha waren keine und auch Bing wird keiner werden.

Und Wikipedia hätte, zweitens, von Anfang an keine Konkurrenz von Knol fürchten müssen. Wer etabliert ist und seine Sache gut macht, der muss sich meist nicht einmal warm anziehen. Er kann einfach warten, bis der Herausforderer von selbst die Waffen streckt. Im Falle von Knol wird das nun sicher nicht mehr lange dauern.

Ein Gedanke zu „Google Knol siecht dahin: Nein, das war kein Wikipedia-Killer“

  1. Hallo Jürgen Vielmeyer

    Zunächst einmal danke für die Verlinkung und dass du meinen Beitrag als einen der gehaltvolleren darstellst. Tatsächlich schreibe ich bei Wikipedia und Google-Knol und sehe diese Arbeit als sich gegenseitig befruchtend. Einige meiner Wikipedia-Arikel habe ich auch nach Knol verschoben, wo sie sich nun anders weiterentwickeln.

    Aber zum Inhalt deines Beitrags. Inhaltlich finde ich ihn gut, möchte aber doch einige Dinge zu bedenken geben. Dass die Zahl von 300.000 Besuchern auf 175.000 gefallen ist, liegt so weit ich weiß an einem Projekt, mit dem Google-Knol im arabischen Raum Fuß gefasst hat. Sie haben mit drei großen ägyptischen und zwei saudi-arabischen Universitäten kooperiert und sehr viele Studierende beteiligten sich an einem Schreibwettbewerb. In der Zeit wurden mehr arabischsprachige als englischsprachige Artikel erstellt. Mit dem Ende des Contests sanken dies Seitenansichten wieder auf ein “Normalmaß” zurück.

    Weitere Thesen, die ich hier
    http://wissensportale.blogspot.com/2009/08/knol-ist-kein-wikipedia-killer-hubpages.html
    ausgeführt habe:
    * Knol ist ein Content-Labor für Google
    * Knol konkurriert mit Wissensportalen wie Squidoo und Hubpages
    * Google pusht Wikipedia

    Lieben Gruß
    Andreas

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