Frustrierter Linkverkürzer Tr.im wirft das Handtuch: Die bessere Technik verliert gegen Bit.ly

Die kanadischen Software-Entwickler Nambu Networks haben den Linkverkürzer Tr.im mit sofortiger Wirkung eingestellt. Tr.im wird bestehende Links noch bis Ende Dezember umleiten, aber ab sofort keine weiteren Links mehr verkürzen. In einem Abschiedsposting im Tr.im-Blog zeigt sich Nambu sehr enttäuscht von Twitter.

“Keine Chance, wenn Twitter uns jede Energie raubt”

Der Kurznachrichtendienst habe Tr.im immer außen vorgelassen und statt dessen den Konkurrenten Bit.ly gefördert. Konsequenterweise hatte Twitter Bit.ly im Mai an Stelle von TinyURL zum Standardverkürzer erkoren. Tr.im und andere wie Is.gd waren leer ausgegangen. Nambu kritisiert Lobby-Arbeit bei der Wahl des Standard-Verkürzers, die Tr.im selbst nicht hatte. Der Kampf sei aussichtslos:

[...] Twitter has all but sapped us of any last energy to double-down and develop tr.im further. What is the point? With bit.ly the Twitter default, and with us having no inside connection to Twitter, tr.im will lose over the the long-run no matter how good it may or may not be at this moment, or in the future.

Als weitere Gründe nennt Nambu in dem Blogeintag fehlende finanzielle Mittel, um die hohen Server- und Entwicklungskosten zu bezahlen. Ein Geschäftsmodell sei auch wegen der fehlenden Perspektive nicht in Sicht gewesen. Jetzt sei die Zeit, das Projekt zu beenden. Vielleicht hätten die anderen ja mehr Glück.

Trim Overload

Tr.im ging die – finanzielle – Puste aus

Ich kann den Frust nachvollziehen. Für unseren Twitter-Account (damals @freshzweinull, heute @YuccaTree) haben wir lange Zeit auf Tr.im gesetzt. Der Dienst schien gerade in der Anfangszeit seiner Konkurrenz weit voraus, erwies sich als zuverlässig und überzeugte mit fantastischen Statistiken, die Bit.ly erst vor kurzem eingeführt hat. So gab es detaillierte Berichte darüber, wie viele Links ein Artikel hatte und wer von wo aus darauf geklickt hatte.

Allerdings: Etwa zeitgleich mit Twitters Entscheidung im Mai, auf Bit.ly als Standardverkürzer zu setzen, ging es auch mit Tr.im merklich bergab. Die Links oder die Verkürzer-Seite selbst waren immer häufiger nicht erreichbar oder luden sehr langsam.

Trim Overload

Mit der besseren Perspektive im Rücken tat das bis vor kurzem ebenfalls noch sehr langsame Bit.ly in der Zwischenzeit neue Geldquellen auf, um weitere Server einzusetzen und den Dienst weiter zu entwickeln. Neben Tr.im wird Nambu auch den Bilderdienst Pic.im einstellen und sich nun ganz auf die Entwicklung des Social-Messaging-Client Nambu für Mac OS konzentrieren.

Beziehungen sind alles: Der Bessere verliert

Und warum setzt Twitter seit Mai auf Bit.ly, statt dem damals deutlich besseren Tr.im eine Chance zu geben? Techcrunch vermutet ebenfalls Lobby-Arbeit hinter der Entscheidung. Bit.ly und Twitter sind im gleichen Startup-Netzwerk Betaworks. Twitter-Investoren wie Chris Sacca und Ron Conway stünden ebenfalls hinter Bit.ly und könnten die Fäden gezogen haben.

Ein trauriges Beispiel dafür, wie sich nicht derjenige am Markt durchsetzt, der besser ist als andere und früher dran, sondern ganz einfach der, der die besseren Beziehungen hat und die Geldgeber auf seiner Seite weiß. Schade Tr.im, ich verabschiede mich – gerade deswegen – mit einem weinenden Auge!

4 Gedanken zu „Frustrierter Linkverkürzer Tr.im wirft das Handtuch: Die bessere Technik verliert gegen Bit.ly“

  1. Anmerkung: Die API ist weiterhin erreichbar, d.h. externe Clients inkl. Nambu können weiterhin via tr.im ihre Links kürzen.

    Lt. aktuellem Blogpost wird auch die Weiterentwicklung von Nambu in Frage gestellt… :/

  2. Nebenbei: Wer im CMS seiner Wahl Zugriff auf unique Artikel-IDs hat, der sollte wenig Probleme haben einen eigenen Linkverkürzer aufzusetzen. Die Lösung ist nichts anderes als eine canonical URL auf Artikel-ID Basis.

    Hier eine Plug-In Lösung für Textpattern: smd_short_url: tiny/canonical URLs
    http://forum.textpattern.com/viewtopic.php?id=30975

    Und wer jetzt fragt ‘Wie kürze ich externe Links?’, der muss noch ein wenig Gehirnschmalz investieren ;)

  3. Das ist allerdings die wirklich schlechte Nachricht, weil “Nambu” + “tr.im” endlich die Twitter-Lösung war, die mir passte. Damned. Jetzt geht die Suche nach Alternativen wieder los.

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