Alles nicht so gemeint? Linkverkürzer Tr.im macht weiter

Der Linkverkürzer Tr.im macht weiter. Wie der Anbieter Nambu Networks gestern ankündigte, sei der Dienst wieder verfügbar. Dank der überwältigenden Reaktionen werde es nun auf unbestimmte Zeit weitergehen, bis man ausgelotet habe, was in Zukunft passieren soll. Die Ankündigung, den Dienst zu schließen, sei weder Heulerei noch PR-Aktion gewesen. Ach nein?

Kein fairer Wettbewerb

Erst am Montag hatte Nambu für Tr.im das eigene Ende angekündigt und zur Verdeutlichung der Ernsthaftigkeit den Dienst auch gleich abgeschaltet. Konkurrent Bit.ly hat daraufhin angeboten, die bereits verkürzten Links weiter zu betreuen. Das hatte Nambu abgelehnt. Im neuen Blog-Eintrag heißt es nun, man stehe zu dem, was man am Montag gesagt habe, und lote die Optionen aus. Soll wohl heißen: Eine Übernahme oder eine Großinvestition sind dank der Aktion jetzt wahrscheinlicher geworden und Nambu wartet nur, bis das große Geld anklopft.

Nambu beklagt weiterhin die Quasi-Monopolstellung von Bit.ly als Standard-Linkverkürzer auf Twitter. Das sei kein fairer Wettbewerb. Verkaufen wollen würde man Tr.im – aber nicht an irgendwen und jeden, schon gar nicht an mögliche Spammer. Da werde man weiterhin gegen kämpfen. Und ein PR-Gag sei die ganze Abschaltaktion überhaupt nicht gewesen.

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Wieder da nach kurzem Tod: Tr.im ist wieder online

Glaubwürdigkeit?

Nein, vielleicht wirklich nicht. Aber Nambu hat schon gehofft, durch diese Aktion noch einen Investor zu locken oder für großes Geld übernommen zu werden, da bin ich mir sicher. Die Kritik an der Monopolstellung von Bit.ly war berechtigt. Aber war die Abschaltaktion so überhaupt glaubwürdig? Am Montag hatte Nambu die fehlende wirtschaftliche Perspektive als Hauptgrund für den Ausstieg genannt. Hat sich daran seitdem etwas geändert? Nein, denn das große Geld ist immer noch nicht da.

Dann ging es also doch nur darum, ein wenig Aufmerksamkeit zu erhaschen. Hat das Stil? Nicht besonders viel, aber ich mag Nambu dafür trotzdem nicht verurteilen. Ohne große Marktmacht, ohne Perspektive, ohne Geld ist es vielleicht die beste Taktik, das Leid einfach mal lautstark mit der Welt zu teilen, damit einem geholfen wird. Wenn einem denn geholfen wird. Denn noch ist kein Geldgeber da. Und mehr neue Nutzer alleine, die Nambu auf diese Weise gelockt hat, werden Tr.im nicht retten können.

5 Gedanken zu „Alles nicht so gemeint? Linkverkürzer Tr.im macht weiter“

  1. Ich finde das vollkommen legitim. Was machen denn alle anderen Firmen? Heulen auch. Wenn es sich finanziell nicht mehr rechnet muss man halt darauf aufmerksam machen.

    Und mal nebenbei, ich denke nicht das eine sofortige wieder Einschaltung geplant war. Eher wird die Abschaltung einige Optionen ermöglicht haben…

  2. … inwiefern sollte Nambu damit neue Nutzer auf tr.im gelockt haben? Ich selbst kannte diesen Linkverkürzer nicht mal und werde jetzt Tr.im nach so einer Aktion sicherlich *nicht* nutzen. Wäre ich bisher Nutzer, würde ich Tr.im nun meiden wie der Teufel das Weihwasser.

    Solche Aktionen schaden eigentlich nur. Nicht nur Tr.im sondern dem Internet allgemein, denn gerade sowas treibt die Leute ja dazu, bei den großen (etablierten) Services zu bleiben, eben *nicht* mal andere (Tr.im) Services zu probieren…

    Wie heißt es so schön in der Twitter-Sprache: #tr.im #fail

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