Verleger gegen Google: Wer profitiert hier eigentlich von wem?

Mit der Überschrift “Wir werden schleichend enteignet” hat Verleger Hubert Burda in der FAZ eine neue Diskussion angestoßen. Seine Argumentation: “Suchmaschinenbetreiber wie Google und Yahoo erwirtschaften mit journalistischen Inhalten Umsätze, ohne die Content-Produzenten zu beteiligen.” Das stimmt so aber nicht.

Auch im Zeitalter der Link-Ökonomie müsse laut Burda der Grundsatz gelten, “wer die Leistung anderer kommerziell nutzt, muss dafür bezahlen”. Sonst, so Burda, “sehen wir der schleichenden Enteignung der Inhalte-Produzenten tatenlos zu”. Die Frage ist aber, ob Google das wirklich tut.

Zustimmung von Verlegerseite

Burda holte sich zunächst einmal breite Unterstützung: Die Online-Chefredakteure von “Focus”, “Tagesspiegel” und “Süddeutsche” stimmen ihm auf Nachfrage von Meedia zu. Ausnahme: “taz”-Online-Chef Matthias Urbach. Er fragt statt dessen: “Warum sollte man für das Verlinktwerden Geld nehmen können? Das würde das Prinzip des Netzes insgesamt in Frage stellen.”

Zwar gesteht Burda in seinem Plädoyer ein, die Content-Anbieter würden “auch” von den per Suchmaschine zugeführten Lesern profitieren. Doch hier beginnt sein Denkfehler: Statt den Zugewinn genauer zu analysieren, möchte er lieber direkt am Gewinn von Google und Co. beteiligt werden und winkt mit dem Begriff “Leistungsschutzrecht”. Damit greift er die Anfang Juni von diversen Verlegern unterzeichnete Resolution auf, mit der sie sich gegen den geistigen Diebstahl im Internet wehren. Interessant nur, dass ausgerechnet Burda nicht zu den Unterzeichnern gehörte …

Gegenwind für die Verleger

Zurück zu Google: In einem Interview mit “Le Monde” macht Google-Vizepräsident David. C. Drummond eine ganz andere Rechnung auf. Demnach entsprechen die Milliarden Klicks, die die Websites der Verleger über Google erreichen, einem geschätzten Wert von sechs Milliarden US-Dollar. Dem steht beim Suchmaschinenbetreiber ein Reingewinn von 4,5 Milliarden US-Dollar gegenüber. Die Diskrepanz zwischen diesen beiden Werten erklärt auch Drummunds Aussage: „Für Google ist es frustrierend, ständig für die schwierige Situation der Zeitungen verantwortlich gemacht zu werden.“

Und auch hierzulande gibt es fundierte Kritik an Burdas Kolumne. So argumentiert Martin Oetting, der fundamentale Denkfehler Burdas läge darin, dass Google sein Geld in erster Linie nicht mit den Inhalten der journalistischen Angebote verdient, sondern mit den Ausgaben kommerzieller Anbieter. Von einem Profit durch die Inhalte der Verleger kann bei Google also nur bedingt die Rede sein. Medienjournalistin Ulrike Langer geht trotzdem noch einen Schritt weiter und fordert die Verleger auf, Google einfach zu boykottieren – schließlich ließen sich die Crawler leicht aussperren und damit die Indizierung der Seiten verhindern.

[ad#Adsense-Banner]

Aber diese Möglichkeit nutzt keinem Verlag. Über Google kämen dann keine Leser mehr und die Newsseiten würden erheblich weniger einnehmen. Der Verdacht liegt nahe, dass es Hubert Burda um etwas ganz anderes geht: weniger Macht für Google und eine neue Einnahmequelle für die darbenden Online-Magazine. Aber das ist ganz einfach zu kurzsichtig.

2 Gedanken zu „Verleger gegen Google: Wer profitiert hier eigentlich von wem?“

Kommentare sind geschlossen.