Getestet: Seesmics Browserversion lässt schwerfällige (Echt-)Zeiten anbrechen

Wir sind verwöhnt. Da stellt Seesmic die Browserversion seines Twitter-Clients der Öffentlichkeit vor, und uns entlockt das kaum mehr als ein müdes Lächeln. TweetDeck ist daran Schuld. Angeschaut haben wir uns Seesmic natürlich trotzdem. Dabei gefallen uns Einzelspaltenansicht und Suche, der Gesamteindruck ist aber negativ.

Seesmic hat also von Google gehört, was gerade gefragt ist: Client-Software, die auch im Browser läuft. Dann wäre man auch auf dem Chrome OS präsent. In der voreingestellten Mehrspaltenansicht findet man sich seine Timeline und @-Replies wieder. Sieht ganz nett aus, aber anders als versprochen gab es zumindest in unserem Test keine Möglichkeit, die Spaltenbreite frei einzustellen.

Seesmic Desktop

Alles aktualisiert sich in Echtzeit, womit sich Seesmic vor allem für solche Twitter-Nutzer eignet, die nur der Moment und nicht die Vergangenheit interessiert. Neue Tweets markiert Seesmic für kurze Zeit gelb und lässt sie dann langsam zu Weiß verblassen – ein netter optischer Effekt! Gut gefällt uns die Einzelspalten-Ansicht, die an Google Mail erinnert. Ist der Bildschirm breit genug, kann man damit sogar ganze Tweets in hübscher Tabellenform lesen.

Seesmic Desktop

Die Eingabemaske für neue Tweets ist höchst unspektakulär. Immerhin: Links werden auf Knopfdruck mit Bit.ly verkürzt, aber auch nur, wenn man sie umständlich mit einem weiteren Klick auf “Link” hinzugefügt hat:

Seesmic Desktop

Ein weiterer Pluspunkt ist die Suche: Seesmic durchsucht die gesamte Twitter-Timeline nach einem Thema, das sich danach als eigene Spalte neben die Hauptfenster anordnet und neue Ergebnisse in Echtzeit liefert.

Seesmic Desktop

Zu schwerfällig, nicht empfehlenswert

Als Nachteil sollte hier nicht verschwiegen werden, dass es viele der angekündigten Vorteile bei unserem Test noch nicht gab, zum Beispiel die Möglichkeit, einen Facebook-Account mit einzubinden. Das Umschalten von Mehrspalten- auf Einzelspaltenansicht hat mehrere Sekunden gedauert. Und auch sonst reagiert Seesmics Browserversion sehr schwerfällig. Noch dazu scheint es die gesamte Rechner-Leistung herunter zu ziehen. Ich musste nach dem Test erst einmal neu starten, um wieder ohne Verzögerung tippen zu können.

Ein gleichwertiger Ersatz für den ordentlichen Software-Client von Seesmic ist die Browserversion also noch lange nicht. Im Moment würde ich sie höchstens als Notfall-Lösung für unterwegs in Betracht ziehen. Wenn aber jede Software als Browser-Version derart schwerfällig reagiert, dann sollte Google sich das mit dem Browser-Betriebssystem noch einmal überlegen.